Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
18. Juni 2010
IKA-Leitung sagt Ja zur Kurzarbeit
Statt zu kündigen, soll in Krisen kürzer gearbeitet werden / IG Metall hält Angebot für unredlich.
STAUFEN. Die Geschäftsleitung des Staufener Laborausrüsters und Maschinenbauers IKA hat der Belegschaft eine Beschäftigungssicherung angeboten: Verschlechtert sich die Lage bei dem Unternehmen, werde das Unternehmen in Zukunft auf Kurzarbeit zurückgreifen, um Arbeitsplätze zu sichern. Außerdem gibt IKA den Auszubildenden nach Abschluss ihrer Lehre oder Studiums eine befristete Übernahmegarantie. Die IG Metall kritisiert das Angebot. "Das sind keine verbindlichen Zusagen", sagte Gewerkschaftssekretär Thomas Bittner. Er rechnet damit, dass es erneut zu einem Streik bei der IKA kommen wird.
In zwei Schreiben hatte die IKA-Leitung ihr Angebot erläutert. Dort sagt das Unternehmen: "Sollte sich die wirtschaftliche Situation erneut verschlechtern, sind wir bereit, gemeinsam mit der Agentur für Arbeit und dem Betriebsrat vorrangig die Einführung von Kurzarbeit ernsthaft zu prüfen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden."
Außerdem sollen alle 32 Auszubildenden und Studenten eine befristete Übernahmegarantie erhalten. Wer die Abschlussprüfung erfolgreich bestehe, bekomme einen Drei-Monats-Vertrag. Wer seine Ausbildung mit einem Notenschnitt von 2,5 oder besser abschließe, werde mindestens sechs Monate oder länger weiter beschäftigt.
Werbung
In den Schreiben geht die IKA-Leitung auch kurz auf die Geschäftslage ein. Die Auftragseingänge seien derzeit zufriedenstellend, man befinde sich im Plan.
Das Management reagiert nach eigenen Angaben auf die Initiative von Mitarbeitern. Sie hätten das Gespräch mit der IKA-Leitung gesucht, um nach dem Streit zwischen Führung und der IG Metall Vereinbarungen zu Gunsten der Mitarbeiter zu treffen. "Ich freue mich, dass jetzt jenseits für uns inakzeptabler Maximalforderungen wieder ein Dialog in Gang kommt", sagte IKA-Inhaber und Geschäftsführer René Stiegelmann.
"Das sind keine verbindlichen Zusagen", sagte dagegen Gewerkschaftssekretär Thomas Bittner. Die Mitarbeiter hätten keine Garantie, dass Kurzarbeit auch tatsächlich eingeführt werde. "Das ist nicht justiziabel." Ähnlich verhalte es sich mit der garantierten Azubi-Übernahme. Hier habe die IKA Ausnahmen vorgesehen. Bittner bezog sich auf die Einschränkung, dass die befristete Übernahmegarantie nur gelte, wenn keine personen- oder verhaltensbedingte Gründe entgegenstünden.
Die IKA-Geschäftsleitung wies die Kritik zurück. Personalchefin Julia Sahli sagte, das Unternehmen stehe zu seinen Zusagen, die auch rechtsverbindlich seien. Dass keine Azubi-Übernahme garantiert werden könne, wenn personen- oder verhaltensbedingte Gründe dagegen sprächen, sei eine gängige arbeitsrechtliche Vorgehensweise.
Die IG Metall will bei IKA einen Haustarifvertrag, den die Geschäftsleitung ablehnt. Nur der Tarifvertrag schütze die Belegschaftsinteressen wirklich, sagte Bittner. Dafür hatte die IG Metall im Mai schon zu einem Streik aufgerufen. Am Dienstag soll nun eine Betriebsversammlung stattfinden. Bittner rechnet damit, dass der Streik fortgesetzt wird. Gespräche über einen Haustarifvertrag gebe es derzeit keine, sagten Unternehmensleitung und Gewerkschaft. Für IKA arbeiten in Staufen 280 Menschen.
Die Einführung von Kurzarbeit hatte die IKA-Leitung in der Krise 2009 abgelehnt. Stattdessen wurden mehr als 100 Jobs gestrichen. In Staufen ging man von einem langfristigen Nachfrageeinbruch aus. Nach Ansicht der IKA-Leitung hätte Kurzarbeit in diesem Fall nicht weitergeholfen. Dies hatten Betriebsrat und IG Metall scharf kritisiert.
Autor: Bernd Kramer
