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19. März 2013 19:04 Uhr

Interview mit Wirtschaftsweisem

Lars Feld: "Zypern ist ein Einzelfall"

Die Sparer in Zypern bezahlen für die Rettung des Euro mit. Ist das sinnvoll? Wie steht es um die Sicherheit deutscher Spareinlagen? Ein Interview mit dem Ökonomen Lars Feld.

  1. Die Banken in Zypern bleiben vorerst geschlossen – nur am Automaten gibt es Geld bis zum Tageslimit. Foto: AFP

  2. Lars Feld Foto: AFP

Der 46 Jahre alte Wirtschaftsweise berät die Bundesregierung in wirtschaftspolitischen Fragen und leitet das Walter-Eucken-Institut in Freiburg.

BZ: Herr Feld, erstmals greifen die Euroretter nach dem Geld der Sparer, um Zyperns Banken zu retten. Eine gute Idee?

Feld: Eine solche einmalige Vermögensabgabe kann sinnvoll sein, um ein Bankensystem zu sanieren. Im Fall Zyperns ist das aber schlecht gemacht worden. Man hätte vor der Grenze von 100 000 Euro haltmachen und höhere Einlagen stärker belangen sollen. Nun droht die Einlagensicherung in Europa unglaubwürdig zu werden, die bis zu 100 000 Euro garantieren sollte. Man hätte die reichen Sparer, von denen viele Ausländer sind, stärker belasten sollen. Damit hat aber offensichtlich Zyperns Präsident ein Problem, stellt es doch das Geschäftsmodell der Insel in Frage.

BZ: Sie kritisieren die Details der Teilenteignung der Sparer auf Zypern, aber nicht den Eingriff als solchen.

BZ: Die Bankkunden werden nicht enteignet, sondern bekommen im Gegenzug Anteilsscheine der Banken. Zwar sind die Papiere nichts wert, falls die Banken nichts wert sind, aber man kann nicht von einer Enteignung sprechen. Im Übrigen ist die Abgabe in Zypern nichts anderes, als das, worüber wir in Deutschland als Vermögensabgabe diskutieren.

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BZ: Es macht aber einen Unterschied, ob man die Sparbücher antastet oder professionelle Investoren belangt, die Banken Geld per Anleihen zur Verfügung stellen.

Feld: Im Falle Zyperns reicht es leider nicht, solch kleine Gruppen wie die Eigentümer der Banken zu belasten. Damit brächte man nicht genügend Geld zusammen. Dann müsste man die Finanzhilfen aus dem Rettungsschirm ESM erhöhen, was die zyprische Staatsschuld in nicht tragfähige Höhen steigen ließe.

BZ: In Athen mussten Banken auf Geld verzichten, in Nikosia Sparer. Verschlimmern die Euroretter nun paradoxerweise im Bestreben, Vertrauen zu schaffen, die Vertrauenskrise in Euroland?

Feld: Ich sehe die Gefahr sehr wohl, sie ist offenkundig derzeit aber nicht extrem hoch. Die Sparer in anderen Krisenstaaten stürmen nicht die Banken. Spanien hat sich am Dienstag zu recht günstigen Konditionen frisches Geld geliehen, auch das Vertrauen in italienische Banken ist nicht geschrumpft. Das Verhandlungsergebnis für Zypern ist spezifisch für Zypern gültig und sicher kein Modell für die ganze Europäische Währungsunion. Zypern ist insofern ein Einzelfall.

BZ: Also sind die Bankeinlagen der deutschen Sparer in jedem Fall sicher?

Feld: Was heißt in jedem Fall? Wenn ein ganz, ganz schwerer Zusammenbruch kommt, kann die Einlagensicherung die große Summe der Sparguthaben nicht voll absichern. Auch die staatliche Garantie, die Kanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück 2008 für die Sparguthaben gaben, würde den deutschen Staat an die Grenze seiner Belastbarkeit bringen.

BZ: Oder darüber hinaus?

Feld: Für eine Vielzahl von schlimmen Fällen reichen die Einlagen der bestehenden Sicherungsfonds aus. Zypern ist für deutsche Banken nicht einmal schlimm.

BZ: Merkels Garantieversprechen und jüngste Zusagen in den Krisenstaaten wie Portugal und Spanien dienen in erster Linie dazu, die Menschen zu beruhigen.

Feld: Ja, und wenn man die Menschen erfolgreich beruhigt, muss die Garantie der Kanzlerin nie getestet werden. Die Gefahr für die Eurozone besteht doch derzeit darin, dass die Befürchtungen der Menschen aus Zypern auf andere Staaten überspringen. Nimmt man dort die Garantieversprechen ernst, ist das Problem ja schon ein Stück weit gelöst.

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Autor: Ronny Gert Bürckholdt