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18. Juli 2012
Porträt
Marissa Mayer: Die Frau, die sich als Freak bezeichnet
IM PROFIL: Google-Managerin Marissa Mayer wechselt als Chefin zu Yahoo – und gibt kurz danach bekannt, dass sie schwanger ist.
Zu den Vorzeigefrauen der US-Wirtschaft gehört sie seit Jahren, aber den jüngsten Coup macht ihr so schnell keine nach: Die 37-jährige Google-Managerin Marissa Mayer hat am Dienstag das Steuer beim schlingernden Internet-Giganten Yahoo übernommen. Der spektakuläre Wechsel war erst wenige Stunden zuvor bekannt geworden – kurz vor der Nachricht, dass Mayer ein Kind erwartet.
Yahoo hat in den vergangenen fünf Jahren fünf Vorstandschefs verschlissen, ohne an die 90er Jahre anknüpfen zu können, in denen das Portal eine Art Synonym fürs Internet war. Zwar gehört Yahoo mit 700 Millionen Nutzern nach wie vor zu den Größten am Markt. Mehrfach verpasste das Unternehmen aber den Anschluss: Bei der Onlinesuche setzt heute Google die Maßstäbe, soziale Dienste finden die Nutzer bei Facebook.
Mayer soll dem angestaubten Unternehmen nun helfen, junge Talente anzuwerben und ein innovatives Profil zu entwickeln. Sie bringt gute Voraussetzungen mit: Als die Informatikerin 1999 beim Rivalen Google anheuerte, war sie die erste weibliche Entwicklerin überhaupt. Mit der Suchmaschine betreute sie lange Zeit das zentrale Geschäftsfeld des Konzerns; auch das berühmte weiße Design der Seite fiel in ihre Verantwortung. Weitere bekannte Dienste, bei deren Entwicklung sie Schlüsselrollen innehatte, sind die Bildersuche, Google Books, die Toolbar, iGoogle und der E-Mail-Service Gmail.
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Marissa Ann Mayer wurde am 30. Mai 1975 in Wausau, Wisconsin, geboren, ihre Familie hat finnische Wurzeln. Für den Studienabschluss an der Elite-Universität Stanford in Kalifornien spezialisierte sie sich auf künstliche Intelligenz; 2009 verlieh ihr das Illinois Institute of Technology einen Ehrendoktor für ihre Arbeit, die sie vornehmlich bei Google geleistet hatte. Mit dem Aufstieg des Suchgiganten wurde sie zum weiblichen Gesicht der Firma. Bei ihren regelmäßigen Medienauftritten pflegte sie nicht nur über Google, sondern auch über Themen wie die Rolle von Frauen im Silicon Valley zu sprechen. Regelmäßig ermutigte sie dabei ihre Geschlechtsgenossinnen, technische Berufe zu ergreifen und die Karriere dem Familienwunsch nicht unterzuordnen. "Das Wichtigste ist, dass man ein Freak ist", sagte sie vergangenes Jahr dem Wall Street Journal. "Ich werde oft gefragt, wie es ist, bei Google eine Frau zu sein. Ich denke nicht so darüber. Ich bin ein Computerfreak bei Google."
Die Blondine war 2008 nicht nur die Jüngste, die das Wirtschaftsblatt Fortune jemals unter die 50 einflussreichsten Geschäftsfrauen der USA einreihte. Auch das Magazin Glamour ernannte sie 2009 zur Frau des Jahres. Mayers Ruf als Ausrichterin opulenter Partys in ihrem Heim bei San Francisco wird dabei nicht geschadet haben. Mit ihrem Aufstieg an die Spitze von Yahoo gibt es nun 20 weibliche Vorstandsvorsitzende unter den 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt.
Sie habe eine großartige Zeit bei Google verbracht, sagte Mayer, aber letztlich sei der Wechsel eine einfache Entscheidung gewesen. Insider vermuten, dass ihr bei Google die Perspektive fehlte: Nach dem Aufstieg von Mayers Ex-Freund, dem Google-Gründer Larry Page, zum CEO vergangenes Jahr gab es eine Beförderungsrunde. Sie wurde übergangen.
Einem Interview mit der New York Times zufolge will die neue Chefin sich auf Yahoos Stärken konzentrieren, darunter E-Mail, Finanzdienstleistungen und Sport. Ihr neuer Arbeitgeber hofft, sein Angebot mit Mayer besser auf die Anwender zuschneiden zu können. Skeptiker zweifeln zwar, ob die als detailversessen bekannte Praktikerin die Distanz für eine übergreifende Vision aufbringt. Die Börse reagierte aber auf die Personalie positiv. Mayer selbst machte ihrem Ruf als Managerin derweil auch im Privaten alle Ehre. Wenige Stunden, nachdem Yahoo ihre Verpflichtung bekanntgegeben hatte, teilte sie über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass sie und ihr Mann Zachary Bogue im Oktober ein Baby erwarten. Der Verwaltungsrat von Yahoo habe eine fortschrittliche Haltung bewiesen, indem er sie in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft einstellte, sagte sie Fortune. Nach der Entbindung plant sie einen kurzen Mutterschaftsurlaub, in dem sie von zuhause aus weiterarbeiten will.
Autor: Jens Schmitz



