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10. Februar 2012
Eurokrise
In Griechenland sind nun die privaten Gläubiger gefragt
Griechenlands Regierung hat sich auf ein Sparpaket geeinigt. Jetzt geht es um den Schuldenerlass.
ATHEN/BERLIN. Nach der mühsam erreichten politischen Grundsatzeinigung folgt nun der nächste Akt in dem Hellas-Drama: der Schuldenerlass durch die privaten Gläubiger. Selbst wenn letzte Details zwischen der Athener Regierung und Banken wohl ausgehandelt sind und ein offizielles Umtauschangebot steht, bleibt es in den nächsten Wochen spannend, ob genügend Geldgeber mitziehen.
Der an den Verhandlungen beteiligte internationale Bankenverband IIF vertritt nur etwa zwei Drittel der Privatgläubiger. Geldgeber, die beim freiwilligen Forderungsverzicht nicht mitmachen, könnten am Ende gezwungen werden, ihre Schuldtitel in neue Anleihen nach griechischem Recht mit entsprechenden Umschuldungsklauseln umzuwandeln. Die Commerzbank geht davon aus, dass bei einer Beteiligung von 75 Prozent der Gläubiger der Schuldenumtausch gescheitert wäre. Dann aber wäre auch das zweite Hilfspaket der Eurostaaten von insgesamt 130 Milliarden Euro hinfällig. Jürgen Matthes, Volkswirt am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln sagt jedoch: "Viele Umschuldungen bei Entwicklungs- und Schwellenländern sind seit der Argentinienkrise Anfang des Jahrtausends recht reibungslos verlaufen."Werbung
Mit 200 Milliarden Euro steht Athen bei privaten Gläubigern wie Banken und Versicherungen, vermutlich auch bei wenigen Privatanlegern in der Kreide. Rein rechnerisch entfallen davon Forderungen von 28 Milliarden Euro auf deutsche Institute, gut zwei Milliarden auf Versicherer.
Allerdings haben die Banken ihre Engagements schon zu großen Teilen abgeschrieben. Die Deutsche Bank sitzt noch auf Griechenlandanleihen im Volumen von 874 Millionen Euro, bei der Commerzbank sind es 1,4 Milliarden Euro. Bei den Landesbanken zusammen dürften es 750 Millionen sein, bei der DZ Bank 400 Millionen Euro. Das größte Problem steckt bei der FMS Wertmanagement, der Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate. Sie hält noch griechische Staatsanleihen im Volumen von 8,8 Milliarden Euro.
Ein Schuldenschnitt sei für die Institute nicht existenzgefährdend, sagt Bundesbank-Vizepräsidentin Silke Lautenschläger. Das Volumen sei "nicht groß genug, um in Panik zu verfallen oder sich große Sorgen zu machen". Den einen oder anderen werde ein Schuldenschnitt aber etwas kosten.
Was dieses etwas bedeuten könnte, lässt sich nur schwer beziffern. Die Bundesbank macht offiziell keine Rechnung auf. Klar ist allerdings: Banken in Frankreich mit einem Volumen griechischer Staatsanleihen von rund 40 Milliarden Euro und vor allem in Griechenland selbst mit einem Bestand von rund 50 Milliarden wären erheblich stärker betroffen. Bei Letzteren geht es um die Existenz.
Auch ob es am Ende bei den 130 Milliarden Euro der öffentlichen Geldgeber bleibt, ist fraglich. Allen Dementis auch der deutschen Regierung zum Trotz wird seit Wochen über eine Aufstockung auf bis zu 150 Milliarden Euro spekuliert. So könnten Deutschland und die Euro-Staaten auf Zinszahlungen für die Hellas-Hilfskredite verzichten, Zinsen senken oder Laufzeiten der Notkredite strecken.
An den Börsen scheint die Hellas-Krise allerdings ihren Schrecken verloren zu haben. Neue Hiobsbotschaften aus Athen ziehen andere Euro-Länder nicht mehr nach unten, mit Ausnahme Portugals.
Griechenland hängt bereits seit dem Frühjahr 2010 am Finanztropf. Damals wurden dem Land Kredithilfen über 110 Milliarden Euro zugesagt, die sich aber bald als unzureichend erwiesen (siehe auch Text unten).
Autor: Rolf Obertreis und unseren Agenturen
