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11. Oktober 2017 08:40 Uhr

Rückzieher

Pumpspeicherkraftwerk Atdorf wird doch nicht gebaut

Das Vorhaben steht schon länger unter keinem guten Stern mehr. 2014 zog sich RWE aus der Planung für das Pumpspeicherkraftwerk Atdorf zurück. Jetzt zieht auch der Energieversorger EnBW die Reißleine.

  1. So hätte das Pumpspeicherwerk nach Ansicht der Schluchseewerk AG aussehen sollen. Eine Vision, die nicht umgesetzt wird. Foto: Schluchseewerk AG

Der Energieversorger EnBW hat seine Pläne zum Bau eines riesigen Pumpspeicherkraftwerks im Südschwarzwald aufgegeben. Das Milliardenprojekt in Atdorf werde nicht weiter verfolgt, teilte das Unternehmen in Karlsruhe mit. Nach der Auswertung eines dreiwöchigen Erörterungstermins sei man zu dem Schluss gekommen, dass mit den weiteren Projektschritten kosten- und zeitintensive Arbeiten nötig wären und ein Zeitpunkt für die Umsetzung des Projekts dennoch ungewiss sei.
Bauherrin ist die Schluchsee AG, ein Tochterunternehmen von EnBW und RWE. Der Energieriese aus Nordrhein-Westfalen hatte sich aber bereits 2014 von dem Projekt verabschiedet.

Das 1,6 Milliarden Euro teure Vorhaben war von Anfang an umstritten. Gemeinden, Umweltverbände und Bürgerinitiativen lehnten es ab. Den 2008 begonnenen Planungen zufolge sollten unter anderem eine 75 Meter hohe Staumauer und zwei künstliche Seen gebaut werden.

Neue Prioritäten

EnBW will nach eigenen Angaben bei Speichertechnologien jetzt neue Prioritäten setzen. Unter anderem kooperiert das Unternehmen beim Bau eines Lithium-Ionen-Speichers in Heilbronn mit Bosch. Allerdings werde der Ausbau von bestehenden Pumpspeicherkraftwerken, etwa in Forbach im nördlichen Schwarzwald, weiter vorangetrieben.

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Pumpspeicherkraftwerke können zur Sicherheit der Stromversorgung beitragen. Wenn mehr Strom zur Verfügung steht als gebraucht wird, etwa wenn Wind weht und die Sonne scheint, befördern starke Pumpen Wasser von einem unteren Becken in ein höher gelegenes Becken. Wenn Strom im Netz fehlt - weil zum Beispiel nachts Flaute herrscht und weder Wind- noch Solarstrom zur Verfügung stehen - wird das Wasser von oben durch Rohre oder Schächte nach unten geleitet. Dann treiben Turbinen Generatoren an.

Erhebliche Eingriffe in die Natur

Atdorf sollte eine Leistung von 1400 Megawatt erhalten und damit so viel Strom produzieren können wie ein großes Atomkraftwerk. Damit könnten vorübergehend bis zu drei Millionen Haushalte versorgt werden. Die mit den Bauwerken verbunden Eingriffe in die Natur wären allerdings erheblich. Alleine die beiden Speicherbecken sollten ein Fassungsvermögen von je neun Millionen Kubikmetern haben, das entspricht einem Würfel mit mehr als 200 Metern Kantenlänge.

Umweltverbände wie der BUND hatten das Projekt, das neben Stuttgart 21 und dem Ausbau der Rheintalbahn zu den größten Bauvorhaben im Südwesten zählte, stets als Gefahr für die Tier- und Pflanzenwelt in der Region kritisiert.

Gewinnwarnung ausgegeben

Für die Energiedienst Holding AG verursacht der Abbruch des Projekts ein dickes Minus in der Bilanz. Der schweizerisch-deutsche Stromkonzern mit Sitz im aargauischen Laufenburg gab eine Gewinnwarnung heraus. Das zum Halbjahr 2017 prognostizierte betriebliche Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 40 bis 50 Millionen Euro für das Gesamtgeschäftsjahr 2017 werde voraussichtlich nicht erreicht. Vielmehr dürfte der Atdorf-Abbruch den EBIT um bis zu 11 Millionen Euro drücken. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Energieunternehmens hervor. Die Vorlaufkosten für das 2008 angekündigte Projekt seien verloren und führten zu einer einmaligen Belastung des Ergebnisses.
Energiedienst Holding

Die Energiedienst Holding gehört zur Energiedienst-Gruppe, die ausschließlich Ökostrom erzeugt. Sie beliefert in der Schweiz und in Südbaden über 270.000 Kunden mit Strom und beschäftigt rund 845 Mitarbeiter.

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Autor: dad, dpa, aktualisiert um 11.32 Uhr