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19. Mai 2011

Drogeriekette

Schlecker-Kinder wollen den Umgang mit den Beschäftigten verbessern

Die Drogeriekette Schlecker hat nicht unbedingt den besten Ruf, wenn es um den Umgang mit Angestellten geht. Das soll sich nun ändern, versprechen die Schlecker-Mitinhaber der jungen Generation im Interview.

  1. Meike Schlecker Foto: dpa

  2. Lars Schlecker Foto: dpa

  3. Steckt mitten im Umbau – die Drogeriemarktkette Schlecker Foto: DPA

EHINGEN (dpa). Meike und Lars Schlecker wollen in der gleichnamigen Drogeriekette einen neuen Umgang mit den Beschäftigten verankern. Als erster Schritt werden neue Führungsgrundsätze durchgesetzt – für die Verkaufsleiter von bis zu 400 Geschäften bis zum Leiter einer Filiale. Im Interview mit Johannes Wagemann (dpa) erläutern die 37-Jährige und ihr 39 Jahre alter Bruder, was sich bei Schlecker ändern soll.

BZ: Schlecker fiel lange Zeit durch Negativschlagzeilen auf, was den Umgang mit Angestellten betraf – wie wollen Sie das ändern?
Meike Schlecker: Es wurden viele Sachen vor Ort, draußen, umgesetzt, die so von hier nicht abgehakt waren. Die waren auch nicht gewollt. Es kommen teilweise Sachen an die Oberfläche, bei denen wir sagen: Nein, das ist nicht der Grundsatz unserer Familie, das ist nicht der Grundsatz unserer Firma. Darauf reagieren wir jetzt und haben dieses Regelwerk zusammengestellt, damit es da absolut keine Ausflüchte mehr gibt, dass jeder weiß, woran er ist und die Mitarbeiter auch wissen: Was kann ich von meinen Chefs erwarten und was wird von mir erwartet?

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BZ: Können Sie ein Beispiel nennen, was sich ändern soll?
Lars Schlecker: Da gab es ja in letzter Zeit auch die Kritik an überharten Abmahnungen. Es kann nicht einfach abgemahnt werden, wenn jemand mal zwei Minuten zu spät den Laden aufschließt. Da ist jetzt klar geregelt, wann darf man Abmahnungen geben, oder wann soll man abmahnen. Aufgrund dieser Kritik haben wir zusätzlich jetzt auch einen Double-Check eingeführt, bei kritischen Fällen. Wenn jetzt der Betriebsrat anderer Meinung ist bei einer Abmahnung, wird einer unserer Vorstände, der für Personal zuständig ist, diesen Abmahnungen nachgehen. Und in der Vergangenheit haben wir ja auch schon mal bewiesen, dass wir dann auch Abmahnungen zurücknehmen.


BZ:
Wird die Öffentlichkeit Ihnen glauben – und vor allem die Arbeitnehmer und Gewerkschaften?
Lars Schlecker: Das sind auch keine Floskeln, die wir jetzt irgendwie von uns geben, das meinen wir komplett ernst.
Meike Schlecker: Wie ernst es uns mit diesem ganzen Regelwerk ist, sieht man auch daran, dass wir zum ersten Mal so richtig auf die Gewerkschaft Verdi zugegangen sind, sie mit ins Boot genommen und nach ihrer Meinung gefragt haben.
Lars Schlecker: Die haben das komplette Regelwerk vorliegen gehabt und aus unserer Sicht ein sehr konstruktives Feedback gegeben, das haben wir direkt eingearbeitet. Aus meiner Sicht macht das kein Handelsunternehmen.




BZ: Warum kommt das neue Regelwerk gerade zum jetzigen Zeitpunkt? Schlecker befindet sich mitten im Umbau des deutschen Filialnetzes.
Lars Schlecker: Wenn ein Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein will, muss es eine gewisse Akzeptanz in der Gesellschaft haben. Und da sind diese Führungsgrundsätze essenziell, genauso wie das proaktive Zugehen auf Arbeitnehmervertreter.


BZ: Sie bauen Ihre Filialen um, schreiben rote Zahlen. Wo steht das Unternehmen aktuell – und müssen noch weitere Filialen schließen?
Meike Schlecker: Wir sind immer noch beim Wachsen und Schneiden. Aber wir denken, dass wir schon im Jahre 2012 wieder wachsen werden.
Lars Schlecker: Wir werden dieses Jahr noch zwischen 500 und 700 Filialen schließen müssen.

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Die Drogeriemarktkette

Schlecker gilt bis heute als die Nummer Eins unter den deutschen Drogerieketten. Das Familienunternehmen aus Ehingen bei Ulm wurde von 1975 an von Anton Schlecker aufgebaut und setzte 2010 nach eigenen Angaben europaweit rund 6,55 Milliarden Euro um. Außer in Deutschland ist es auch in Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Spanien und Tschechien vertreten. Derzeit werden Hunderte Filialen in Deutschland umgebaut – wo das bereits geschehen ist, seien die Umsätze um 30 bis 40 Prozent gestiegen, sagen die Mitinhaber Lars und Meike Schlecker. Schlecker machte zuletzt vor allem in Deutschland Verluste, will aber 2012 konzernweit in die schwarzen Zahlen zurückkehren. In Deutschland gibt es 7800 Filialen – doch ist die Zahl seit Jahren rückläufig.

Hinter dem Namen Schlecker verbirgt sich eine der reichsten deutschen Familien: der 66-jährige Anton Schlecker mit seiner Frau Christa und seinen beiden Kindern Lars und Meike. Das Familienoberhaupt baute den väterlichen Fleischer- und Handelsbetrieb zur Drogeriekette aus. Nach einer Schätzung steht Schlecker mit seiner Familie auf Platz 362 unter den Milliardären weltweit – mit 3,1 Milliarden Dollar (2,2 Milliarden Euro) Vermögen. Aufsehen erregte die Entführung der Kinder kurz vor Weihnachten 1987. Schlecker zahlte 9,6 Millionen Mark (4,8 Milliarden Euro) und die Kinder kamen rasch wieder frei. Nach der Geiselnahme zog sich die Familie zurück. Lars und Meike Schlecker treffen im Familienrat mit ihrem Vater die wichtigsten Entscheidungen.  

Autor: dpa

Autor: dpa