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10. Juli 2010

Selbst genutzter Solarstrom lohnt am meisten

Die Bundesregierung hat die Solarförderung gekürzt / Wer eine neue Photovoltaikanlage aufs Dach stellt und den Strom ins Netz einspeist, bekommt weniger Geld.

BERLIN. Die Solarförderung wird rückwirkend zum 1. Juli gekürzt. Nach dem Parlament billigte am Freitag auch der Bundesrat den im Vermittlungsausschuss gefundenen Kompromiss. Es bleibt bei der beschlossenen Senkung zwischen 11 und 16 Prozent, die jedoch in vollem Umfang erst drei Monate später zum 1. Oktober kommt. Was bedeuten die neuen Regeln?

Warum senkt die Regierung die
Subvention für die Solarbranche?

Die Photovoltaik feiert große Erfolge. Ein Grund ist die Einspeisevergütung, also die staatliche Preisgarantie für den ins Netz eingespeisten Strom. 2009 haben die Deutschen 3800 Megawatt neue Photovoltaikanlagen installiert, viele davon auf den Dächern von Ein- und Zweifamilienhäusern. Ausgegeben haben sie dafür zehn Milliarden Euro. In der Branche und im Handwerk sicherten diese Aufträge 65 000 Jobs. Die Anlagen in Deutschland haben eine Leistung von 9800 Megawatt. Der Erfolg der Technik und der Wettbewerb haben die Preise für die Anlagen gedrückt. Darauf reagierte die Regierung. Sie senkte die Einspeisevergütungen außer der Reihe. Die Förderung für Anlagen auf Äckern hat sie zum 1. Juli eingestellt.

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Ich betreibe eine Photovoltaikanlage auf dem Dach meines Hauses. Bin ich von den Kürzungen betroffen?
Nein. Für die Besitzer bereits laufender Photovoltaikanlagen ändert sich gar nichts. Für die Höhe der Vergütung ist der Tag der Inbetriebnahme entscheidend. Für eine im ersten Halbjahr 2010 installierte Anlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses gibt es weiterhin 39,14 Cent pro ins Netz eingespeister Kilowattstunde. Und das vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme 20 Jahre lang. Vorausgesetzt, die Anlage war vor dem 1. Juli 2010 am Netz.

Ich möchte mir in Zukunft eine Photovoltaikanlage anschaffen. Was hat sich für Privathaushalte rückwirkend zum 1. Juli 2010 geändert?
Die Vergütung für Solarstrom sinkt in zwei Schritten. Betreiber von Anlagen, die seit dem 1. Juli 2010 Strom erzeugen, erhalten eine Einspeisevergütung von 34,05 Cent je Kilowattstunde. Das sind 13 Prozent weniger als bisher. Am 1. Oktober sinkt die Vergütung um weitere drei Prozent. Wer seine Anlage ab diesem Datum ans Netz bringt, bekommt 32,88 Cent je eingespeister Kilowattstunde. Ab dem 1. Januar 2011 wird die Förderung weiter gekappt. Je nachdem, wie viele Solaranlagen zwischen Juni und September 2010 ans Netz gehen, sinkt die Vergütung zwischen neun und 13 Prozent. Den genauen Wert stellt die Bundesnetzagentur am 31. Oktober fest.

Kann ich den Strom aus meiner
Solaranlage auch selbst nutzen?

Ja. Das lohnt sich mit den neuen Regelungen sogar noch mehr als das Einspeisen. Haushalte, die im Kalenderjahr bis zu 30 Prozent ihres selbst erzeugten Stroms auch selbst verbrauchen, bekommen 17,67 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Steigt der Eigenverbrauch auf über 30 Prozent, gibt es sogar 22,05 Cent je Kilowattstunde. Dazurechnen muss man die Ersparnis für jede nicht vom Versorger bezogene Kilowattstunde Strom. Das sind rund 20 Cent pro Kilowattstunde. Ab einem Eigenverbrauch von mehr als 30 Prozent erwirtschaftet der Selbstverbraucher einen Vorteil von acht Cent je Kilowattstunde gegenüber dem Einspeiser. Die Vergütung auch für Selbstnutzer gibt es nur, wenn der Haushalt ans Stromnetz angeschlossen ist.

Lohnt sich die Anschaffung
einer Photovoltaikanlage noch?
Experten der Stiftung Warentest rechnen mit einer jährlichen Rendite von fünf bis neun Prozent auf die Anschaffungs- und Installationskosten der Anlage. Im sonnenreichen Südbaden könnten die Renditen auch höher ausfallen.

Wovon hängt die Rendite ab?
Die Rendite einer Anlage ist abhängig vom Anschaffungspreis, den Betriebskosten einschließlich der Miete für den Stromzähler, der Stromausbeute und dem Strompreis des Energieversorgers. Zudem muss die steuerliche Situation des Anlagenbetreibers berücksichtigt werden. Auch Kreditkosten spielen eine Rolle, wenn die Anlage kreditfinanziert ist.

Was kosten die Anlagen?
Vor fünf Jahren kostete ein Kilowatt Leistung einschließlich Montage um die 5000 Euro. Heute liegen günstige Anlagen bei 2400 Euro pro Kilowatt Leistung. Hochwertige Anlagen sind für 3400 Euro je Kilowatt Leistung zu haben. Diese Angaben sind ohne Mehrwertsteuer. Die spielt beim Kauf keine Rolle, da der Käufer sie sich vom Finanzamt zurückholen kann.

Was kommt bei der Solarstromerzeugung für den Betreiber heraus?
Beispiel: Eine Fünf-Kilowatt-Anlage, die 3000 Euro je Kilowatt Leistung kostet, wird noch in diesem Sommer in Betrieb genommen. Die Betriebskosten liegen bei einem Prozent des Anlagepreises. Der Versorger erhöht den Strompreis um 1,5 Prozent jährlich. Durch die Abnutzung sinkt die Stromausbeute der Anlage jedes Jahr um ein Viertel Prozent. Schafft die Anlage den für Deutschland angenommenen Schnitt von 900 Kilowattstunden je installiertem Kilowatt Leistung liegt die Rendite für die geförderte Laufzeit von 20 Jahren bei rund 6,3 Prozent. In Südbaden sind 1000 Kilowattstunden nicht selten. Dann steigt die Rendite auf fast acht Prozent vor Steuern im Jahr. In Euro und Cent stehen unter dem Strich nach 20 Jahren ein Gewinn von 10 000 Euro.

Und wie sieht die Rendite
bei der Eigennutzung aus?
Dafür sind die Renditen schwerer zu berechnen, da der Anteil des selbst erzeugten Stroms am Gesamtverbrauch eines Haushalts stark schwanken kann. Je teurer der regionale Stromversorger die Energie anbietet, desto mehr Geld spart der Eigennutzer. Die Stiftung Warentest kommt für die Selbstverbraucher auf jährliche Renditen bis zu 14 Prozent. Dann darf die Anlage aber nicht mehr als 2400 Euro je Kilowatt Leistung kosten und die Sonneneinstrahlung muss für mindestens 1000 Kilowattstunden je installiertem Kilowatt reichen. Und der Haushalt muss dabei die Hälfte seines Stroms vom eigenen Dach holen.

Wie können übers Jahr 30 Prozent
Eigenverbrauch erreicht werden,
wenn die Anlage im Sommer viel und im Winter wenig Strom erzeugt?

Im Durchschnitt schaffen Hauseigentümer zwischen 25 und 40 Prozent Eigenverbrauch im Jahr. Um diesen Anteil zu steigern, müssen sie umdenken. Früher ließ man die Waschmaschine und den Trockner nachts laufen, um den billigeren Nachtstrom zu nutzen. Künftig empfiehlt es sich für Besitzer von Photovoltaikanlagen, tagsüber so viel Strom wie möglich zu verbrauchen.

Gibt es Zuschüsse für eine Anlage?
Zuschüsse gibt es nicht. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zinsgünstige Kredite an. Oft sind normale Bankkredite aber günstiger.

Will das Finanzamt etwas von
der Einspeisevergütung abhaben?
Ja. Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach sind Hauseigentümer automatisch gewerbliche Stromproduzenten. Deshalb müssen sie Umsatz- und Einkommensteuer bezahlen. Der Umsatz des Hausbesitzers liegt aber unter 17 500 Euro im Jahr. Deshalb sind sie von der Umsatzsteuer befreit. Besser ist es, trotzdem eine Umsatzsteuererklärung abzugeben. Damit erhalten die Betreiber die Umsatzsteuer für ihre Anlage sofort zurück. Die Umsatzsteuer, die auf die Einspeisevergütung fällig wird, ist für den Unternehmer ein Nullsummenspiel. Er stellt sie dem regionalen Stromversorger in Rechnung und führt sie dann ans Finanzamt ab. Selbst bezahlen müssen Anlagenbetreiber nur die Umsatzsteuer auf den selbst genutzten Strom. Sie wird fällig auf die Differenz zwischen der Einspeisevergütung und der Vergütung für selbst genutzten Strom. Im Augenblick sind dies höchstens 3,11 Cent je Kilowattstunde. Die Gewinne aus der Stromerzeugung sind einkommensteuerpflichtig. Allerdings lassen sich die Anschaffungskosten abschreiben.

Autor: Anno Fricke