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09. Februar 2012
Fachkräftemangel
Spanier sollen Südbadens Betrieben helfen
In wenigen Jahren sind Zehntausende Arbeitsplätze in der Region unbesetzt, sagt die Wirtschaft – und verstärkt die Nachwuchssuche.
FREIBURG. Die Wirtschaft im Südzipfel Deutschlands zeigt sich auch Anfang des neuen Jahres weitgehend unbeeindruckt von der Staatsschuldenkrise in Euroland und in Amerika. Die Laune ist gut. Das geht aus Konjunkturumfragen der Industrie- und Handelskammern (IHK) Südlicher Oberrhein und Hochrhein-Bodensee hervor. Während die Geschäfte gut laufen, sorgen sich viele Betriebe über einen wachsenden Mangel an Arbeitskräften und fürchten sich davor, dass die Energiewende teuer für sie werden könnte.
Die Geschäfte laufen gut,
die Aussichten sind es auch
Das Krisengerede lässt Südbadens Unternehmen weitgehend kalt. In den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und in der Stadt Freiburg rechnen mehr Unternehmen damit, dass sich die Geschäfte verbessern denn verschlechtern. In diesem Bereich der IHK Südlicher Oberrhein habe sich die Investitionsbereitschaft Anfang 2012 nach einem Dämpfer im Herbst erhöht, sagte Verbandspräsident Steffen Auer in Freiburg. Ein Zeichen großer Zuversicht sei, dass jede vierte Investition dazu diene, die Kapazitäten auszubauen.
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Noch besser ist die Laune weiter südlich, zwischen Bodensee und Dreiländereck. Der dortige Handel und die Dienstleister seien im Höhenflug, teilte die IHK Hochrhein-Bodensee fast euphorisch mit, auch wegen der vielen Schweizer, die wegen des starken Franken in Deutschland einkaufen. "Es läuft weiterhin rund bei den Unternehmen: Volle Auftragsbücher, gute Kapazitätsauslastungen und ein fantastisches Weihnachtsgeschäft beim Handel lassen den ermittelten Wert für die Geschäftslage auf sensationelle 160 Punkte steigen." Die Industrie in der Region sei im Vergleich dazu eher verhalten.
Bald Zehntausende
Jobs unbesetzt
Die gute Konjunktur sorge dafür, dass der Beschäftigungsaufbau weitergehe. Im Bereich der IHK Hochrhein-Bodensee will jeder dritte Betrieb zusätzliche Jobs schaffen, zwei Drittel wollen ihren Bestand halten. In der IHK Südlicher Oberrhein will jedes fünfte Unternehmen die Belegschaft vergrößern, jedes 14. verkleinern.
Verbandspräsident Auer schlug Alarm: Im Jahr 2014 seien voraussichtlich 30 000 Arbeitsplätze in der Region nicht zu besetzen, weil die Leute fehlten. Mit 26 000 offenen Stellen falle der Mangel in den nicht-akademischen Berufen besonders groß aus. Jeweils mehrere Tausend Mechaniker, Elektriker, Bürofachkräfte und Mitarbeiter in den Gesundheitsberufen würden dann vergeblich gesucht.
Die IHK versucht gegenzusteuern, um den Mangel wenigstens zu lindern. Gemeinsam mit der Arbeitsagentur bemühe man sich beispielsweise darum, Mitarbeiter aus dem Eurokrisenland Spanien zu holen, wo die Arbeitslosenquote bei 20 Prozent liegt. Die Wirtschaftsjunioren reisen dorthin, um beim Schreiben von Bewerbungen zu helfen. "Man sollte aber nicht zu viel erwarten", sagte der IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff. "Wenn wir 50 bis 100 Spanier zu uns holen, wäre das ein Erfolg."
Schwankt der Strom
oder schwankt er nicht?
Die Energiewende treibt die Wirtschaft um. Auer sagte in Freiburg: "Viele unserer Mitgliedsfirmen berichten von kurzen Stromausfällen. Es ist eine Tatsache, dass die Schwankungen im Netz zugenommen haben." Grund sei der Ausbau der schwankungsanfälligen erneuerbaren Energien und ein zu langsamer Ausbau von Stromnetzen und Energiespeichern. Zwar sagte Auer: "Es hat bislang kein Unternehmen darüber berichtet, dass es deshalb große Geldbeträge verloren hätte, aber die Verunsicherung ist gewachsen. Ich rate der grün-roten Landesregierung deshalb, beim Ausbau der Netze und der Speicher Gas zu geben."
In einer stichprobenartigen Umfrage der Badischen Zeitung unter energieintensiven Betrieben berichtete kaum ein Unternehmen davon, dass die Stromversorgung in jüngster Zeit Probleme bereitet hätte. Gar nichts bemerkt haben eigenen Angaben zufolge der Chipbauer Micronas in Freiburg, der Verpackungsspezialist Faller in Waldkirch und der Maschinenbauer Ferromatik Milacron in Malterdingen. Der Autozulieferer IMS Gear in Eisenbach und Donaueschingen registrierte zwar einen mehrstündigen und mehrere minutenlange Stromausfälle, die die Firma mehrere Tausend Euro gekostet hätten. Ob das an der Energiewende gelegen habe, wisse man aber nicht.
Sorge bereiten den Firmen eher die Strompreise. In der IHK Südlicher Oberrhein lehnen vier von zehn Betrieben einen höheren Strompreis wegen der Energiewende ab. Fast jeder zweite Betrieb sei bereit, bis zu zehn Prozent mehr für Energie zu zahlen, um den Ausbau des Stroms aus Wind, Sonne oder Biomasse voranzutreiben. Zehn Prozent würden dafür mehr als zehn Prozent draufzahlen.
Autor: Ronny Gert Bürckholdt
