Wechselkurs

Starker Franken macht Südbadens Immobilien noch teurer

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

So, 18. Januar 2015 um 19:52 Uhr

Wirtschaft

Südbadens Immobilien sind für Schweizer und Grenzgänger als Geldanlage attraktiv wie nie – dem Wechselkurs sei Dank. Bezahlbare Wohnungen dürften noch knapper werden.

Seit längerem beklagen südbadische Mieter und Immobilienkäufer steigende Preise. Experten meinen zwar, eine Immobilienblase gebe es nicht. Denn die Kosten für gemietete oder gekaufte eigene vier Wände in der Region steigen von im internationalen Vergleich niedrigem Niveau aus. Auch gebe es keine Kreditblase. Doch Beobachter sind sich einig: Wegen des schlagartig erstarkten Franken nach dem Kursschwenk der Schweizerischen Nationalbank am Donnerstag dürfte der regionale Immobilienmarkt in begehrten Lagen eine Sonderkonjunktur erleben. Die Preise dürften weiter steigen.

"Zwar sollte man den Effekt des Franken nicht überschätzen, einen Wahnsinnsboom wird es nicht geben", sagt Marco Wölfle vom Freiburger Center for Real Estate Studies des privaten Steinbeis Instituts voraus. Aber: "Wenn der Franken dauerhaft so stark bleibt und die Schweizer Wirtschaft das verkraftet, wird das den Preisdruck in Südbaden sicherlich erhöhen. Die Nachfrage wird noch größer, als sie schon ist", meint Wölfle. Er erklärt: "Deutsche Grenzgänger verdienen durch den Kurssprung des Franken 15 bis 20 Prozent mehr. Damit strömt viel Kaufkraft die Rheinschiene hinauf bis nach Freiburg und auch darüber hinaus." Es fließt zum Teil in den Kauf von Häusern, und "manche Familien sind bereit und in der Lage, höhere Mieten zu zahlen".

Furcht vor Inflation

Preistreiber dürften zudem einige Schweizer sein, die in Südbaden Immobilien zur Geldanlage kaufen – und Südbadener, die Vermögen in der Schweiz hatten, dieses nun heimholen, um Betongold zu kaufen, so Wölfle.

In der Immobilienwirtschaft sieht man das nicht anders. "Der Immobilienmarkt reagiert mit einiger Trägheit, und die Sonderkonjunktur des Franken wird man vor allem in südbadischen Auto- und Möbelhäusern spüren", prognostiziert der gebürtige Baden-Badener Thomas Beyerle von der skandinavischen Immobiliengesellschaft Catella im Gespräch mit der BZ.

Catella ist ein Fonds, der Geld von Anlegern sammelt und es in Immobilien investiert. Beyerle meint: "Wer ohnehin vorhat, sich in den nächsten Jahren in Lörrach oder Freiburg eine Wohnung zu kaufen, und als Grenzgänger nun viel mehr verdient, wird sicherlich schneller und leichter zugreifen. Der Frankeneffekt ist ein Schnaps drauf auf einen vorhandenen Trend." Viele Menschen schichten ohnehin ihre Ersparnis in Immobilien um, wegen niedriger Sparzinsen und der Furcht vor Inflation.

Die Städte sind gefordert

Beyerle findet, dass die Schweizer Notenbank das Vertrauen vieler Menschen in die Verlässlichkeit der Geldpolitik weiter schwächt. Die Entscheidung, den Franken wieder vom Euro zu entkoppeln, habe die Leute sehr überrascht. "Das Misstrauen ist ein Grund für die Preissteigerungen bei den als sichere Geldanlage empfundenen Immobilien", meint er.

Prognosen über steigende Preise besorgen den Mieterbund Baden-Württemberg. Landeschef Udo Casper sagt auf Anfrage: "Bezahlbare Wohnungen werden damit auf den ohnehin angespannten Immobilienmärkten noch knapper." Die Städte seien gefordert, durch "gerechte Wohnraumversorgungskonzepte zu gewährleisten, dass auch in Zukunft Haushalte mit einem schmalen Geldbeutel eine bezahlbare Wohnung finden können beziehungsweise, dass diese Haushalte nicht verdrängt werden".

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