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16. März 2011 08:49 Uhr

Reaktion auf Moratorium

Strompreise steigen

Das Moratorium hat seinen Preis. Die Verbraucher müssen sich auf höhere Strompreise einstellen. An der Leipziger Strombörse stiegen die Preise kräftig, weil die ältesten deutschen Atomkraftwerke für mindestens drei Monate abgeschaltet werden.

Derweil berichten Ökostromanbieter wie die Elektrizitätswerke Schönau von massivem Zulauf.

Strom zur Lieferung im zweiten Quartal 2011 verteuerte sich am Dienstag von 52,50 Euro pro Megawattstunde auf 61 Euro, ein Anstieg von 16 Prozent. Strom zur Lieferung im Jahr 2012 stieg um drei auf 58 Euro pro Megawattstunde. Eine Megawattstunde entspricht 1000 Kilowattstunden. Mit einer Kilowattstunde kann man eine Maschine Wäsche waschen. Wie stark diese Preissteigerungen auf die privaten Stromkunden durchschlagen, ist noch nicht absehbar. Man kaufe den Strom nicht auf einen Schlag, sondern zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein, sagte Badenova-Sprecher Roland Weis.

Dieter Nagel, der Chef der Stadtwerke Waldkirch, hält die Preissteigerungen an der Börse im Zusammenhang mit dem Abschalten der Atomreaktoren für unberechtigt: "Die Verbraucher bezahlen den Ausstieg doch schon durch höhere Preise." Die Strompreise seien bereits gestiegen, als die rot-grüne Bundesregierung den Atomausstieg beschlossen habe. Holger Krawinkel, der Energieexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, sagte, wenn die Preise zu stark stiegen, müsse die Bundesregierung notfalls einschreiten. Nagel hofft, dass es sich um eine Blase handelt und die Preise bald wieder sinken. "Das bleibt nicht so hoch."

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Auch Alexander Lennemann vom Energiedienst in Laufenburg sieht kurzfristig keinen Grund für steigende Preise. "Gerade im zweiten und dritten Quartal liefern die erneuerbaren Energien viel Strom." Das gleiche die ausfallenden Stromlieferungen der Atomkraftwerke aus. "Wie es weitergeht, das kann man noch nicht absehen", sagte Lennemann.

Derweil berichten die Ökostromanbieter von einer Flut von Bestellungen. "Bei uns gehen seit dem Wochenende wesentlich mehr neue Verträge ein als zuvor", sagte Martin Halm, Geschäftsführer der Elektrizitätswerke Schönau. Die Zahl der Abrufe von der EWS-Seite im Internet habe sich verzehnfacht. Auch andere Ökostromanbieter wie Lichtblick und Greenpeace Energy berichten von einem massiven Zulauf von Kunden seit dem Atomunglück in Japan.

Nach Angaben des Internetportals Toptarif.de setzt sich damit ein Trend fort: 2010 hätten sich mehr als 30 Prozent der privaten Verbraucher beim Wechsel des Stromanbieters für Ökostrom entschieden – 2008 wählten erst zehn Prozent beim Wechsel einen Ökoanbieter. Die regionalen südbadischen Stromversorger Energiedienst, Badenova oder Stadtwerke Waldkirch registrieren keinen solchen Zulauf. Sie versorgen ihre Haushaltskunden generell mit Ökostrom.

Während die Aktien der großen Energieversorger RWE und Eon am Dienstag fielen, kletterten die Werte der Solarfirmen. Die Aktie der Freiburger Solarstrom AG stieg um 16 Prozent auf 4,88 Euro, die Papiere der Solarfabrik legten um elf Prozent auf 5,36 Euro zu. Die Anleger erwarten angesichts der Kehrtwende der Bundesregierung in der Atompolitik glänzende Perspektiven für die Branche der erneuerbaren Energien. Die Firmen selbst sind aber vorsichtig.

"Die Verbraucher bezahlen

den Ausstieg doch

schon durch

höhere Preise."

Dieter Nagel, Chef der

Stadtwerke Waldkirch
Das Geschäft laufe verhalten, wie immer im ersten Quartal, sagte Andrea Ocker, die Sprecherin der Solarfabrik. Das Unternehmen stellt Solarmodule her, die aufs Dach montiert werden und dann Strom aus Sonnenlicht erzeugen. "Es ist zu früh, noch sind die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen nicht zu spüren", sagte Ocker. "Ich hoffe, dass ein Umdenken stattfindet. Aber ob das dauerhaft sein wird, muss sich zeigen."

Karl Kuhlmann, der Chef der Solarstrom AG (SAG), will den rasant steigenden Aktienkurs seines Unternehmens nicht überbewerten. "Viel wichtiger ist, dass durch die erneuerbaren Energien nachhaltige Arbeitsplätze geschaffen werden, mit den Produkten Geld verdient wird und wir eine sichere, dezentrale Energieversorgung aufbauen." Vor dem Hintergrund des Atomunfalls in Japan würden die Kosten der erneuerbaren Energien neu bewertet, glaubt Kuhlmann: "Das ist für die SAG sicher nicht negativ. Aber es fällt mir schwer, mich darüber zu freuen angesichts des Leids der Menschen in Japan."

Autor: Jörg Buteweg und unseren Agenturen