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04. August 2015 12:26 Uhr

Elektromobilität

Studie zeigt: E-Autos sind schlecht fürs Klima

Neue Erkenntnisse zu Elektroautos dürften viele Menschen überraschen: Sie bringen einer Studie zufolge keine Entlastung von Treibhausgasen, aber dienen der Industrie als Feigenblatt für Benzinfresser.

  1. So viele E-Autos auf einen Haufen wie hier in Berlin sind heute selten. Die Regierung will, dass bis zum Jahr 2020 Foto: Paul Zinken

  2. eine Million davon auf Deutschlands Straßen rollt. Keine gute Idee, sagen Experten, solange der Fahrstrom zu erheblichen Teilen aus Kohlekraftwerken wie diesem im brandenburgischen Jänschwalde kommt. Foto: dpa

Elektroautos weisen eine weitaus schlechtere Energiebilanz auf als bisher angenommen. "Sie verursachen als einzelnes Fahrzeug ungefähr gleich hohe CO2-Emissionen wie normale Benzin- oder Diesel-Pkw", heißt es in einer Studie des Heidelberger Umwelt- und Prognose-Instituts (UPI), die der Badischen Zeitung vorliegt. Daher raten die Experten davon ab, die Elektroautos staatlich zu fördern.

Zusätzlich benötigte Energie durch herkömmliche Kraftwerke

Die Elektrofahrzeuge selbst produzieren der Untersuchung zufolge zwar keine Treibhausgase. Diese entstehen allerdings in erheblichen Umfang bei der Produktion des Fahrstromes. Da die Erzeugung von Ökostrom derzeit lediglich den Ausfall der Kernkraft ausgleichen kann, wird die zusätzlich benötigte Energie für die E-Mobile durch herkömmliche Kraftwerke produziert.

Die Forscher sehen darüber hinaus eine Reihe nachteiliger Entwicklungen, die mit der Einführung der Elektrofahrzeuge verbunden sind. Kritisch sehen sie vor allem die CO2-Regeln der Europäischen Union. Die so genannte Flottengrenzwertregelung schreibt vor, den durchschnittlichen Ausstoß des klimaschädigenden Gases von 130 Gramm pro Kilometer auf nur noch 95 Gramm im Jahr 2020 zu senken. Dabei dürfen die Hersteller Elektroautos als Null-Emissions-Fahrzeuge in ihre Flottenrechnung einbeziehen, obwohl sie bei der Herstellung und dem Stromverbrauch Treibhausgas produzieren. So kann die Industrie den Flottenverbrauch rechnerisch senken und gleichzeitig weiter schwere Spritfresser auf den Markt bringen. Die erwünschte Verminderung wird durch diese Ausgleichsmöglichkeiten "fast vollständig ausgehebelt", heißt es in der Studie.

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Experten: E-Autos sind oft Zweit- oder Drittwagen

Für die Autoindustrie lohnt sich die Einführung der Elektroautos durch die EU-Gesetze, wie UPI anhand der Verkaufszahlen des vergangenen Jahres vorrechnet. Danach wurden in Deutschland 50 000 Geländewagen und Sport Utility Vehicles (SUV), aber nur 2000 E-Mobile verkauft. Die Hersteller müssten für die Überschreitung der CO2-Grenzwerte durch die schweren Fahrzeuge 60 Millionen Euro Strafe zahlen. Gleichzeitig erhalten sie eine Gutschrift von 44 Millionen Euro für die E-Autos. Unter dem Strich vermindert jedes verkaufte E-Auto die Strafzahlungen der Autobauer um 22 000 Euro. Zugleich stieg der Ausstoß an CO2 durch die SUV um 130.000 Tonnen.

Skeptisch sehen die Forscher auch den Trend, dass Elektroautos von privaten Haushalten als Zweit- oder Drittwagen angeschafft werden. Dadurch erhöhe sich die Zahl der Fahrzeuge weiter. "Dies verschärft den Ressourcen- und Flächenverbrauch des Straßenverkehrs und das Stellplatzproblem in den Städten", befürchtet das Institut. Bei einer größeren Verbreitung der E-Mobile erwartet das UPI sogar eine neuerliche Verkehrsverlagerung von den öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Straße, da die Betriebskosten der Elektroautos niedrig sind und die Besitzer nicht, zum Beispiel über die Mineralölsteuer, an den Infrastrukturkosten beteiligt werden.

Geräuschlosigkeit erhöht das Unfallrisiko

Schließlich bemängeln die Wissenschaftler ein steigendes Unfallrisiko durch die E-Mobile. Dabei beruft sich UPI auf Studien aus den USA über die ebenfalls geräuschlos fahrenden Hybridfahrzeuge. Danach steigt das Unfallrisiko für Fußgänger bei Geschwindigkeiten unter 48 Kilometern pro Stunde um 53 Prozent, für Radfahrer um mehr als 70 Prozent, weil die Autos kaum zu hören sind. Technisch ist dieses Problem aber leicht lösbar, indem ein Fahrgeräusch künstlich erzeugt wird. Eine gesetzliche Vorschrift dazu gibt es in der Bundesrepublik noch nicht.

Angesichts der problematischen Aspekte der Elektroautos warnen die Forscher vor staatlichen Kaufanreizen für die Fahrzeuge. Bevor die Technologie in großem Stil eingeführt wird, sollten die Nachteile beseitigt werden. Sonst, so das UPI, "führt die Förderung oder Subventionierung von Elektroautos zur Zunahme der CO2-Emissionen und damit zum Gegenteil des Beabsichtigten."

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Autor: Wolfgang Mulke