Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
26. Mai 2010 09:24 Uhr
Sanierung
Südbadens Städte verzichten – letzte Hoffnung für Karstadt
Die südbadischen Kommunen Offenburg, Freiburg und Lörrach leisten einen finanziellen Beitrag zu einer möglichen Sanierung der zahlungsunfähigen Kaufhauskette Karstadt.
Sie verzichten auf einmalige Steuereinnahmen in beträchtlicher Größenordnung. Und sie hoffen, dass dadurch die Einkaufshäuser vor Ort unter der Führung eines neuen Eigentümers erhalten bleiben – und später Gewerbesteuer abwerfen.
Karstadt mit seinen 25 000 Beschäftigten ist seit vergangenem Herbst insolvent. Gemeinsam mit dem Mutterkonzern Arcandor ging die Warenhauskette in die Pleite, nachdem ihr der Staat die geforderte Hilfe in Form von Bürgschaften oder Krediten verweigert hatte. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sucht seitdem nach einem Investor, der Karstadt aus der Insolvenz herauskauft und weiterführt.Was hat die Rettung Karstadts mit den Städten zu tun? Görg will die Gläubiger der Warenhauskette dazu bringen, auf bis zu zwei Milliarden Euro zu verzichten. Nur so lasse sich Karstadt retten, sagt er. Falls die Gläubiger sich darauf einließen, fiele in der Bilanz von Karstadt einmalig ein Gewinn an. Dieser hätte nichts mit dem weiterlaufenden Geschäft in den Einkaufshäusern zu tun, sondern wäre nur buchhalterisch. Dennoch würde er Karstadt finanziell wohl das Genick brechen. Denn wer Gewinn macht, muss Steuern zahlen – Gewerbesteuer an die Städte zum Beispiel. In Südbaden gibt es drei Filialen – in Offenburg, Freiburg und Lörrach. Das Geld, um diese Steuern zu bezahlen, hat Karstadt derzeit nicht.
Werbung
Deshalb hat Insolvenzverwalter Görg alle 94 Kommunen mit Karstadt-Filiale aufgefordert auf insgesamt 140 Millionen Euro zu verzichten. Vier Kommunen hätten dies abgelehnt, elf knüpften ihr Ja an die Zusicherung, dass Karstadt in der Stadt bleibe, sagte Görgs Sprecher. Nun müsse geklärt werden, ob dies die Sanierung gefährdet. Entschieden sei nichts.
Die südbadischen Städte wollen einer Sanierung nicht im Weg stehen. Die Gemeinderäte Offenburgs, Freiburgs und Lörrachs haben dies während nicht-öffentlicher Sitzungen beschlossen – in Lörrach im April, in Offenburg und Freiburg Anfang Mai. Dabei geht es für die derzeit besonders klammen Kommunen um beträchtliche Summen. Offizielle Zahlen sind nicht zu bekommen – des Steuergeheimnisses wegen. Nach Informationen der Badischen Zeitung geht es an den eher kleineren Standorten wie Offenburg und Lörrach um einen mittleren sechsstelligen Euro-Betrag, also um etwa eine halbe Million Euro. In den Rathäusern ist zu hören, dass der Verzicht alternativlos gewesen sei. Sonst wäre Karstadt verloren gewesen. In Freiburg arbeiten rund 250 Menschen für das Unternehmen, in Lörrach 130 und in Offenburg 120. Die südbadischen Filialen gelten als vergleichsweise ertragsstark.
Freiburg wolle nicht aus der Riege der Kommunen ausscheren, die verzichten, sagte Stadt-Sprecherin Edith Lamersdorf. In Offenburg sagte der Abteilungsleiter für Haushalt und Steuern, Karl-Heinz Wössner: "Wir haben ein wirtschaftliches Interesse daran, dass Karstadt in der Stadt bleibt. Es geht um viele Arbeitsplätze. Wir hoffen, dass Karstadt bald wieder Gewinn erzielt und dass dann entsprechend Gewerbesteuer gezahlt wird."
Ob diese Hoffnung erfüllt wird, ist unsicher. Bis Freitag dieser Woche muss einer der mindestens drei Interessenten einen Kaufvertrag für Karstadt unterzeichnen.
Autor: Ronny Gert Bürckholdt, Simone Höhl und Agenturen
