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22. Januar 2012 20:20 Uhr

Insolvenz

Tage der Ungewissheit für Zehntausende Schlecker-Mitarbeiter

Noch ist unklar, ob Schlecker es schafft, eine völlige Pleite und das Aus für die rund 30.000 Mitarbeiter in Deutschland abzuwenden. Fällige Zahlungen an den Offenburger Einkaufsverbund Markant gelten als Auslöser für die Pleite.

  1. Der Drogerieriese Schlecker muss Insolvenz anmelden. Foto: dpa

Wie geht es weiter?
Schlecker wird nach Angaben eines Sprechers am Montag oder Dienstag den Antrag auf eine Planinsolvenz beim zuständigen Amtsgericht Ulm einreichen. Das Verfahren ähnelt dem amerikanischen sogenannten Chapter 11, mit dessen Hilfe sich dortige Unternehmen in weitgehender Eigenregie sanieren, um als Firma erhalten zu bleiben. Noch äußert sich Schlecker nicht dazu, wie ein solcher Plan genau aussehen könnte. Es ist davon auszugehen, dass noch weit mehr Filialen als geplant geschlossen werden. Zudem werden die Beschäftigten Opfer bringen müssen.

Was sind die dringendsten Probleme?
Schlecker selbst hat eine ausgefallene Zwischenfinanzierung als Ursache für die Insolvenz genannt. Nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien und dpa-Informationen ging es um Zahlungen an den in Offenburg ansässigen Einkaufsverbund Markant. Der fungiert als eine Art Zwischenhändler zwischen Herstellern und Händlern. Nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung konnte Schlecker am Freitag einen Betrag in zwischen 20 und 30 Millionen Euro nicht aufbringen. In dieser Woche soll eine Zahlung in ähnlicher Höhe fällig sein, schreibt die Zeitung weiter. Markant und andere Gläubiger müssen also dem Sanierungskonzept Vertrauen schenken, so dass frische Ware in die Läden kommt.

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Meike und Lars Schlecker hatten im Dezember erklärt, es habe bereits die eine oder andere Vereinbarung mit Banken gegeben. Um Investoren zu finden, hat die Drogeriekette angeblich den Ex-Edeka-Chef Alfons Frenk engagiert. Schlecker bestätigte Verhandlungen über einen möglichen Einstieg von Finanzinvestoren nicht.

Wie sicher sind die Arbeitsplätze?

Bislang hat Schlecker allen Filialschließungen zum Trotz keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen. Das Management verlängerte Zeitverträge nicht oder besetzte frei werdende Stellen nicht neu. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bestätigt das, fordert jetzt aber vollen Einsatz für die allein in Deutschland rund 30 000 Beschäftigten. Eigentlich gilt bis Mitte 2012 ein Beschäftigungssicherungsvertrag – Mitarbeiter können nur gegen eine entsprechende Abfindung ausscheiden. Zumindest die Gehälter sind durch das Insolvenzausfallgeld für die ersten drei Monate des Verfahrens gesichert.

Die Insolvenz kann Schlecker nach Einschätzung eines Rechtsexperten allerdings auch dazu dienen, Tarifverträge mit Verdi zu beenden. Der Insolvenzanwalt Klaus Klöker sagte dem Spiegel, dass das Unternehmen Miet-, Pacht-, Leasing-, Lieferverträge sowie Arbeits- und Tarifverträge kündigen könne. Dies erlaubten Sonderkündigungsrechte im Insolvenzfall.

Gibt es Beispiele für gelungene Planinsolvenzen?
Ja, etwa die Modekette Sinn-Leffers oder den Fall Karstadt. Bei Sinn-Leffers waren allerdings harte Einschnitte nötig: Nur 25 von 47 Standorten blieben erhalten, rund 1300 Jobs wurden gestrichen. In Baden-Württemberg hat der Modelleisenbahnhersteller Märklin es geschafft, sich dank eines Plans aus der Insolvenz zu verabschieden. Das war aber auch nur möglich, weil sich wichtige Gläubiger darauf einigten, einen Teil ihrer Forderungen erst später beglichen zu bekommen.

Haben Konkurrenten Interesse an Schlecker?
Die Drogeriemarktkette Rossmann hat Interesse an lediglich 50 bis 80 Schlecker-Märkten. "Ich wage die Prophezeiung, dass der Insolvenzverwalter nicht viele Läden wird weiterbetreiben können", sagte Unternehmenschef Dirk Rossmann dem Focus. Rossmann zeigte sich überzeugt, die allermeisten der noch rund 7000 Schlecker-Märkte bundesweit müssten schließen, weil sie nicht mehr zeitgemäß seien.

Wie weit ist die Neuausrichtung von Schlecker?
Eine Neuausrichtung hat Schlecker mit seinem Programm "Fit for Future" erst sehr spät gestartet. Anfang 2011 wurden die ersten, neu gestalteten Filialen aufgemacht. Sie bieten mehr Bewegungsfreiheit, übersichtliche Regale und ein speziell auf die jeweilige Nachbarschaft abgestimmtes Sortiment. Rund 30 Prozent Umsatzzuwachs verzeichneten sie nach Angaben von Meike und Lars Schlecker. Bislang gibt es erst rund 300 der neuen Filialen, 750 bis 1000 sollten es in diesem Jahr werden. Das Gros der über 7000 Läden allein in Deutschland sind weiterhin kleine und enge Geschäfte mit geringen Fixkosten, aber auch wenig Umsatz. Hier wollte Schlecker zuletzt wieder über eine Preisoffensive punkten.

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Autor: dpa/AFP/BZ