Artenschutz

UN-Konferenz stellt Weichen für Erhalt der Tier- und Pflanzenvielfalt

Christian Mihatsch

Von Christian Mihatsch

Di, 20. Dezember 2016

Wirtschaft

„Biodiversität zu schützen, ist nicht nur eine Aufgabe von Umweltministerien.“ Das sagte Giuletta Duyck von der Umweltorganisation WWF Schweiz im Anschluss an die Konferenz der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) in Cancun (Mexiko).

CHIANG MAI. Dort hatten sich Vertreter von 167 Ländern getroffen, um den Artenschutz weltweit zu beschleunigen.

Ziel war die Aufnahme des Artenschutzes in alle Politikbereiche: "Das erste Mal hat die CBD-Konferenz über die Verantwortung von anderen Sektoren gesprochen. In Cancun wurden wichtige Impulse gegeben, wie die Biodiversität in der Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus geschützt und nachhaltig genutzt werden sollte", erklärte Duyck.

Wichtig seien dabei die richtigen Anreize, sagte Hubert Weiger von der Umweltorganisation BUND "Bei der kommenden EU-Agrarreform muss es auch um den Abbau umweltschädlicher Subventionen gehen." Sonst sei das Ziel, den Artenverlust bis 2020 zu stoppen, nicht erreichbar.

Ein weiteres Instrument zum Schutz von Tier- und Pflanzenarten sind Schutzgebiete. Hier hätten ebenfalls Fortschritte erzielt werden können, sagte CBD-Chef Braulio Ferreira de Souza Dias: "Wir haben beachtliche Verpflichtungen von Regierungen erhalten, insbesondere auch von Mexiko." Der Gastgeber hatte während der Konferenz angekündigt, 23 Prozent seiner Gewässer innerhalb der 200-Meilen-Zone unter Schutz zu stellen.

Auf der anderen Seite des Pazifiks verpflichtete sich Indonesien dazu, die Trockenlegung von Sumpflandschaften zu stoppen und trockengelegte Torfböden wieder zu fluten. Dadurch werden nicht nur artenreiche Moore geschützt, sondern auch Treibhausgasemissionen in großem Stil verhindert. "Das Trockenlegen von einem Hektar Sumpfland entspricht der Verbrennung von über 22 000 Litern Benzin", sagte Nirarta Samadhi von der Umweltorganisation WRI. Eine nennenswerte Zusage kam aus Brasilien: Dort sollen 220 000 Quadratkilometer Wald und Weiden wieder in einen naturnahen Zustand versetzt werden. Dies entspricht knapp der Fläche Großbritanniens.

Besonders umstritten war in Cancun die Freisetzung von gentechnisch modifizierten Organismen im Rahmen von Gene Drives. Ein Beispiel sind hier Anopheles-Mücken, die Malaria verbreiten. Forscher hoffen mit gentechnisch modifizierten Mücken, die Malaria verbreitenden Anopheles-Mücken durch harmlose Mücken verdrängen zu können. Hier haben die CBD-Mitgliedsländer beschlossen, dass das Vorsorgeprinzip auch bei Gene Drives gelten kann. Das Vorsorgeprinzip soll verhindern, dass Gefahren für die Umwelt überhaupt erst entstehen.

Das ist ein Kompromiss. Einige Länder wollten hier festhalten, dass für Gene Drives das Vorsorgeprinzip in jedem Fall gilt. Andere Länder versuchten dies zu verhindern. Eine besonders strikte Position nimmt hier Weiger ein: "Es braucht ein Verbot für die Freisetzung von Organismen, die mit neuen Gentech-Verfahren erzeugt wurden. Sind sie erst in die Natur entlassen, könnten Organismen mit Gene Drives ökologische Katastrophen auslösen", warnte Weiger.