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01. November 2009 20:47 Uhr

Gedenken

Vor 100 Jahren wurde Unternehmensgründer Erwin Sick geboren

Waldkirch und Sick – das gehört einfach zusammen. Aber Ingenieur Erwin Sick kam mit seiner Firma, inzwischen ein Sensorenhersteller von Weltruf, erst 1956 ins Elztal. Vor 100 Jahren wurde er geboren.

  1. Erwin Sick wurde am 3. November 1909 geboren. Foto: privat

WALDKIRCH. Er sollte eigentlich Beamter werden, aber der Junge hatte nur Interesse am Märklinbaukasten, an Physik und Mathematik. Er verließ die Realschule vor der Mittleren Reife, um eine Lehre als Optiker zu machen. In Göttingen besuchte er die Fachschule für Feinmechanik. 1932 legte er die Gesellenprüfung ab. Siemens in Berlin, Bosch in Stuttgart, Askania wieder in Berlin waren kurze Stationen des frühen Berufslebens.

Die optischen Werke C.A. Steinheil & Söhne in München boten Gelegenheit, beide Fähigkeiten, die optischen und feinmechanischen, als Leiter der Entwicklungsabteilung zu kombinieren. Bei Steinheil begann Erwin Sicks Serienproduktion von am Ende 128 angemeldeten Patenten, darunter einige, von denen die Firma Sick noch heute lebt.

In München lernte Sick seine Frau Gisela kennen, die heute als 86-jährige Seniorchefin noch regen Anteil am Geschäft nimmt. Das Ehepaar Sick hat drei Töchter. Der Familie gehören 96 Prozent der Aktien des Unternehmens.

Ab in die Selbständigkeit

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Im Spätsommer 1945 machte sich Erwin Sick in einer Baracke in Vaterstetten bei München selbstständig, bastelte Radioempfänger zusammen und vertrieb sie per Rucksack. Als die Nachkriegsindustrie das Laufen wieder lernte, waren neue Produkte gefragt. Sick gelang es, die Lichtschranken, mit denen Druckpressen und Stanzmaschinen gesichert wurden, so zu verbessern, dass sie in der Industrie zur ersten Wahl wurden.

Über persönliche Beziehungen wanderte das Unternehmen 1954 nach Oberkirch und 1956 nach Waldkirch in das alte Werk der August Faller KG. Nicht unwichtig bei der Ansiedlung im Badischen waren auch Zuschüsse, ein Aufbaudarlehen von 20 000 D-Mark und eine Umzugskostenvergütung von 5000 D-Mark, die vom Regierungspräsidium Freiburg gewährt wurden. Beim Umzug ins Elztal kamen noch einmal 24 000 Mark dazu. Nach Südbaden wollte Erwin Sick auch deswegen, weil er treue Fachkräfte suchte – und fand.  

"Erfinder aus Passion", Sick über Sick
Steuerungs-, Mess- und Regeltechnik für die immer ausgefeilteren Maschinenparks der Werkzeugbauer, Maschinenbauer und Autohersteller, Sensoren für Logistik und Transportbänder – Erwin Sick erwies sich als rast- und ruheloser Problemlöser. "Erfinder aus Passion" sei er gewesen und "Unternehmer wider Willen", sagte er über sich selbst.

Wohl wahr, der Techniker war kein Kaufmann. Er hat gegen Ende seines Lebens beim Versuch, Wüsten mit solarbetriebenen Meerwasserentsalzungsanlagen zum Blühen zu bringen, sein Lebenswerk in Gefahr gebracht. Zum Glück hatte er Manager wie Volker Reiche, den späteren Vorstandsvorsitzenden, die Mut zum Widerspruch hatten.

Auch der Branchenprimus spürt die Krise

Am 3. Dezember 1988 starb Erwin Sick nach einem Herzinfarkt. Seine Nachfolger führten das Unternehmen auf den Kurs zum Musterunternehmen von heute, das mit Preisen überhäuft und selbst von der IG Metall als leuchtendes Beispiel eines sozial verantwortlichen Arbeitgebers gepriesen wird. Es gibt weltweit 5000 Menschen Arbeit und setzte im Jahr 2008 fast 740 Millionen Euro um.

Aber auch der Branchenprimus spürt die Krise. Gerade auch deshalb werden neue Sensoren, neue Scanner, neue Lichtschranken entwickelt. "Innovation ist das Wichtigste, um die Krise zu meistern, sagt der heutige Vorstandssprecher Robert Bauer. Der Ingenieur Erwin Sick wäre zufrieden mit seinen Schülern.

Autor: Heinz Siebold