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04. Oktober 2011 00:21 Uhr

Freiburger Mittelstandskongress

Worauf müssen Firmen beim Abenteuer Ausland achten?

Der Freiburger Mittelstandskongress beschäftigt sich mit "Globalisierung, Kooperation, Netzwerke". Thomas Lüdeke erklärt dort, worauf Firmen achten müssen, die ins Ausland gehen.

  1. China ist zum Eldorado für die deutsche Wirtschaft geworden. Foto: dpa

  2. Thomas Lüdeke vom Institut für Kommunikation im Mittelstand (IFKIM) in Düsseldorf Foto: Privat

Chinas Wirtschaft wächst rasant, und deutsche Betriebe wollen einen Teil vom Kuchen. Doch das Abenteuer Fernost endet nicht selten enttäuschend, weil es nicht nur um Wirtschaft geht, sondern auch um Kultur. Der 7. Freiburger Mittelstandskongress beschäftigt sich am Mittwoch mit dem Thema "Globalisierung, Kooperation, Netzwerke". Im Vorfeld sprach Ronny Gert Bürckholdt mit einem der Referenten, mit Thomas Lüdeke (30) vom Institut für Kommunikation im Mittelstand in Düsseldorf.

BZ: Herr Lüdeke, China ist zum Eldorado für die deutsche Industrie geworden. Wie überzeugt denn der Chef eines hiesigen Mittelständlers die Chinesen davon, dass es keine gute Idee ist, abzukupfern?

Lüdeke: Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren. Generell geht es darum, geduldig Kontakte aufzubauen und Vertrauen zu gewinnen. Chinesen unter Generalverdacht für Ideenklau zu stellen, wäre schlicht falsch. Dennoch gibt es Ideen- und Innovationsklau, und erschwerend kommt hinzu, dass das Kulturverständnis oft völlig unterschiedliche Definitionen von Diebstahl zutage fördert. Beide Seiten müssen sich aufeinander einstellen und auch ein gemeinsames Verständnis kritischer Themen entwickeln. Nur so lässt sich herausfinden, was zwischen den Zeilen gesagt wird. Wenn ein deutscher Unternehmer mit einem chinesischen Kooperationspartner spricht, sind diese Unterschiede nicht selten wichtiger als das, was eigentlich gesprochen wird. Wenn erst einmal Vertrauen hergestellt ist, lassen sich sicher auch heikle Themen wie der Klau von Ideen und Techniken besprechen, ohne dass dies belehrend wirkt.
BZ:
Wie erwirbt man sich Vertrauen? Das müssten Sie wissen. Sie beraten ja Firmen, wenn sie ins Ausland gehen.

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Lüdeke: Mit viel Geduld. Der deutsche Unternehmer sollte sich bewusst machen, dass im Ausland vieles länger dauern wird und nicht so effizient läuft, wie er es plant und wie er es aus seiner Heimat gewohnt ist. Er sollte auch nichts als selbstverständlich voraussetzen. Hierzulande kann man annehmen, dass das, was man sagt, nahezu automatisch richtig verstanden wird. Das ist im Ausland oft anders, was nicht nur an der Sprachbarriere liegt. Nur leicht unterschiedliche Worte oder Symbole können plötzlich eine ganz andere Bedeutung haben. Aus diesem Grund sollte man etwa bei globalen Anzeigenkampagnen vorher von Experten prüfen lassen, ob man nicht in Fettnäpfchen tritt oder schlicht nicht verstanden wird. Es reicht nicht, die Inhalte von Anzeigen in eine andere Sprache zu übersetzen, die Inhalte müssen an die jeweiligen Gepflogenheiten und Vorlieben in einem Land angepasst werden.

Wichtig ist zudem die persönliche Nähe zu seinen Geschäftspartnern. Es ist keine gute Idee, immer nur am Telefon, per E-Mail oder über die Web-2.0-Medien miteinander zu kommunizieren. Sicher, unter ökonomischen Gesichtspunkten sparen sie Reisekosten und Zeit. Man sollte aber verstehen, dass diese eigentlich nützlichen Kommunikationskanäle ihre Grenzen haben.

Sie sind gut geeignet, um Fakten auszutauschen. Aber sie helfen wenig dabei, einen persönlichen Draht herzustellen, der unerlässlich ist, um Vertrauen aufzubauen. Nur wenn man sich gegenübersitzt, kann man sich einschätzen. An dieser alten Erkenntnis, die leider immer weniger beachtet wird, haben die neuen Medien überhaupt nichts geändert. Ich rate Unternehmern: Laden Sie den chinesischen Geschäftspartner mal zu sich ein! Auch das ist eine vertrauensbildende Maßnahme.
BZ:
Die Kommunikation innerhalb des Unternehmens ist das eine, jene mit Behörden ist die andere.

Lüdeke: Deshalb ist es unerlässlich, sich professionellen Rat zu holen, auch von Leuten, die das Land und die Gepflogenheiten kennen und gute Kontakte zu den Behörden haben. Das können auch Verbände und Handelskammern sein.

BZ: Die Fusion des deutschen Autobauers Daimler mit den Amerikanern von Chrysler ist vor Jahren auch deshalb krachend gescheitert, weil sich der transatlantische Graben zwischen den Unternehmenskulturen als tiefer erwiesen hat als gedacht. Was kann ein Mittelständler daraus lernen?

Lüdeke: Dass das damals so schief lief, ist insofern verwunderlich, als solch große Konzerne grundsätzlich internationaler aufgestellt sind als mittelständische Unternehmen und sie auch über viel größere Kommunikationsabteilungen verfügen. Es geht darum, beharrlich verschiedene Kulturen innerhalb des Unternehmens zusammenzuführen, was nicht automatisch gelingt. Das ist ja bei einem Zusammenschluss innerhalb Deutschlands schon schwierig, auf internationaler Ebene wird es umso schwieriger. Wichtig ist, dass beide Seiten ihre Erwartungen an den anderen klar formulieren. Wenn das nicht geschieht, kommt es nicht selten zu Missverständnissen, die so schwerwiegend sein können, dass ein Joint Venture mit Verlust beendet wird, ohne dass dies eigentlich nötig wäre.

Kongress

Der 7. Freiburger Mittelstandskongress beginnt mit einem Vortrag des SPD-Bundestagsabgeordneten Gernot Erler. Das Kongressprogramm

im Internet: http://www.fr-mk.de

Autor: Ronny Gert Bürckholdt