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18. Mai 2010 10:41 Uhr
Tarifkonflikt eskaliert
Bei der IKA in Staufen wird gestreikt
Das Betriebsklima beim Laborausrüster IKA in Staufen ist laut Arbeitnehmervertretern erheblich gestört. Die Belegschaft will von Mittwoch an einen Haustarifvertrag erstreiken.
Ein Ausstand bei einem einzelnen Unternehmen in der Metallbranche ist selten – bei IKA in Staufen beginnt er laut IG Metall am Mittwoch um 5 Uhr. Südbadens IG-Metall-Chef Hermann Spieß sagte: "Wir haben dem Unternehmen mehrfach erfolglos die Hand gereicht. Jetzt tragen wir es auf der Straße aus." Der Ausstand sei auf zwei Tage befristet. "Wenn das Unternehmen mit uns die Verhandlungen über einen Tarifvertrag nicht wieder aufnimmt, werden wir weiterstreiken." Am Dienstag hatten laut IG Metall bei einer Urabstimmung 76,2 Prozent der Beschäftigten für einen Streik gestimmt. 75 Prozent wären nötig gewesen. Zuvor habe der Vorstand der IG Metall in Frankfurt dem Arbeitskampf zugestimmt.
Derzeit ist IKA nicht tarifgebunden. Im Kern wird darüber gestritten, ob ein Haustarifvertrag geschlossen wird. Die Arbeitnehmer fordern mehr Mitsprache im Unternehmen. Verhandlungen darüber hatte die Geschäftsführung abgebrochen. Ein solcher Vertrag würde "der Geschäftsführung ein enges Korsett verpassen", teilte diese schriftlich mit. "Inhaber und Geschäftsleitung lassen sich von der IG Metall nicht vorschreiben, wie man ein Unternehmen erfolgreich führt."
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2009 wurden bei IKA in Staufen 105 von 374 Stellen gestrichen, nachdem der Umsatz eingebrochen war. Zuvor hatten fast alle Beschäftigten einer Verlängerung ihrer Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden ohne Lohnausgleich zugestimmt. "Von einem Stellenabbau war damals nicht die Rede", sagte IG-Metall-Sekretär Thomas Bittner. "Die Beschäftigten haben dem Management vertraut. Später kam es doch zum Stellenabbau. Und nun das Ende der Tarifgespräche. Das Vorgehen des Unternehmens ist boshaft", sagte er. Die Geschäftsführung teilte mit: "Wir verstehen, dass eine Gewerkschaft stets kritisch zu Entlassungen steht. Letztlich tragen aber wir die Verantwortung für die Liquidität und das Bestehen unseres Traditionsunternehmens." Sie wies den Vorwurf zurück, IKA hätte mit Kurzarbeit zahlreiche Entlassungen vermeiden können. "Wir hatten und haben keine Anhaltspunkte, dass unser Absatzeinbruch in absehbarer Zeit endet. Auf Kurzarbeit zu setzen wäre unaufrichtig gewesen."
Laut Betriebsratschef Günter Pfeifer wird auf Mitarbeiter und Betriebsräte Druck ausgeübt: "Es wird Angst verbreitet." Die Geschäftsführung teilte mit: "Die Gespräche waren bisher sachlich."
- Rückblick: IKA-Werke in Staufen: 105 Stellen fallen weg (November 2009)
- Rückblick: IG Metall will für IKA einen Tarifvertrag (November 2009)
Autor: Ronny Gert Bürckholdt, aktualisiert um 21 Uhr
