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01. Februar 2012 00:41 Uhr

Traditionsunternehmen

Bei Xenterio in Offenburg ist endgültig Schluss

Es war ein Tod auf Raten: Nach jahrelangem Kampf und herben Einschnitten ist beim Offenburger Elektronik-Dienstleister Xenterio nun endgültig Schluss.

  1. Jahrelang haben die Mitarbeiter von Xenterio und seiner Vorläuferfirmen um ihre Arbeitsplätze gekämpft – am Ende vergebe Foto: Peter Heck

Bis Ende April wird die Firma abgewickelt. Schon zum Jahreswechsel wurden 40 der damals noch etwa 105 Beschäftigten freigestellt. Die verbliebenen rund 65 haben Ende Januar die Kündigung bekommen. Damit endet nach 49 Jahren die Geschichte eines Traditionsunternehmens, das mit 1500 Beschäftigten nach Burda einst Offenburgs zweitgrößter Arbeitgeber war.

Werner Klumpp ist ein Kämpfertyp. Doch in den letzten Wochen wollte auch der engagierte Gewerkschafter und Betriebsratsvorsitzende von Xenterio seinen Kollegen keine Hoffnungen mehr machen. Spielraum für ernsthaften Protest gab es ohnehin nicht mehr: "Ruhig halten und mögliche Investoren nicht verprellen", so hieß zuletzt die Devise. Doch auch alles Stillhalten nützte nichts mehr. Bis Ende April wird "ausproduziert", dann ist Xenterio abgewickelt. "Es ist todtraurig, dass eine so schöne Firma so enden muss", sagt Werner Klumpp.

Alle Bemühungen, seit dem Insolvenzantrag am 27. September doch noch einen Investoren zu finden, haben sich vor kurzem zerschlagen: "In letzter Minute ist der einzige ernsthafte Interessent abgesprungen", so Klumpp. Warum, das war gestern nicht zu erfahren. Albert Hirt von der Rottweiler Kanzlei Hirt & Teufel, der vom Amtsgericht Offenburg zum Insolvenzverwalter bestellt worden war, wollte sich im Vorfeld einer für heute anberaumten Pressekonferenz der IG Metall nicht äußern.

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Für Werner Klumpp steht fest, dass der langsame Niedergang des Traditionsunternehmens so nicht hätte sein müssen. Der Anfang des Endes reicht bereits zurück bis 2001, als Xenterio noch Marconi hieß. In den vergangenen Jahren seien Chancen nicht genutzt worden, häufige Geschäftsführerwechsel taten ein Übriges. Noch im August 2010 hatte die Gewerkschaft IG Metall nach 18-monatiger Kurzarbeit bei Xenterio einen überaus harten Einschnitt mitgetragen, um Xenterio zu zukunftsfähigen Strukturen zu verhelfen. Vorausgegangen war der Wegfall von drei Großkunden und damit Aufträgen, die in kurzer Zeit nicht auszugleichen waren. Der damalige Geschäftsführer Hans-Joachim Hermann, der selbst erst ein halbes Jahr zuvor seine schwierige Aufgabe angetreten hatte, kappte zwei Drittel der Stellen. Von 320 Arbeitsplätzen blieben gerade mal 105 übrig. Nur einige Beschäftigte fanden eine neue Stelle. 186 wechselten in eine Transfergesellschaft und sicherten sich so für ein Jahr 80 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens. Noch im vergangenen August waren zwischen 40 und 45 immer noch auf Jobsuche, wie Werner Klumpp weiß. Vor allem für die über 55-Jährigen sei es trotz der aktuell guten wirtschaftlichen Lage immer noch sehr schwer, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.

Nach der radikalen Schrumpfkur gab sich Geschäftsführer Hermann zwar sehr optimistisch, das Ruder herumreißen zu können. Doch das sollte sich als Trugschluss erweisen. Im Januar 2011 brachen zwei wichtige Kunden weg, bereits im April musste erneut Kurzarbeit angemeldet werden. Fehler sieht Werner Klumpp vor allem im Vertrieb: "Da war alles nur heiße Luft." Hans-Joachim Hermann zog sich als Geschäftsführer im August zurück – laut Klumpp unter Verweis darauf, dass die Auftragslage bis 2012 gesichert sei. Doch dem war nicht so.

Nachfolger Hermanns wurde mit Klaus-Dieter Frank ein erfahrener Manager, der allerdings kurzfristig keine Chance hatte, die Firma zu retten: "Die Betriebsgröße hat nicht zu den Aufträgen gepasst, die man generieren konnte", sagte Frank gestern gegenüber der BZ. Zudem fehlte in dem von starkem Wettbewerb geprägten Geschäft auf dem Elektronikmarkt schlicht die Zeit, um die nötigen Zertifizierungen aufzubauen. Nicht zuletzt bestätigt auch Frank, dass es am Vertrieb haperte: "Über die Vertriebsleute war ich unglücklich."

Frank selbst musste nach nur einem Monat an der Spitze den Insolvenzantrag stellen, was ihn insbesondere wegen der Mitarbeiter sehr schmerzte. Die verbliebenen Xenterio-Beschäftigten hätten über eine hohe Kompetenz verfügt, seien sehr motiviert gewesen und auch kurzfristig und an Wochenenden eingesprungen, wenn es galt, eilige Aufträge abzuarbeiten: "An der Mannschaft lag es nicht", so Frank. "Es tut einem richtig weh, wenn man dann sieht, dass man den Betrieb doch schließen muss." Von Seiten des Insolvenzverwalters hätte er sich wesentlich mehr Gemeinsamkeit gewünscht. Er selbst wollte zudem – "anders als der Costa-Kapitän" – als Letzter von Bord gehen. Doch auch Frank bekam von Albert Hirt am Montag seine Kündigung.
Eine Firma, viele Namen
Die heutige Firma Xenterio, seit 2008 bis zur Insolvenz im September 2011 unter dem Dach der Bavaria Industriekapital AG mit Sitz in München, hat eine wechselvolle Geschichte: 1955 bis 1981 AEG Telefunken, 1963 Gründung Standort Offenburg 1982 AEG Telefunken Nachrichtentechnik GmbH, 1983 ANT Nachrichtentechnik, 1989 ANT BOSCH Telecom, 1995 Bosch Telecom GmbH, 2000 Marconi Communications GmbH, 2003 Elcoteq Communications Technology GmbH, 2008 Xenterio GmbH.

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Autor: Helmut Seller