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17. Mai 2008

Fliegende Wohnzimmer

Jet Aviation macht am Euro-Airport aus normalen Jets Luxusflugzeuge

  1. Im neuen Hangar der Jet Aviation wird als Erstes ein 75 Meter langer Airbus A 340/600 nach den Wünschen eines Kunden aus dem Nahen Osten umgebaut. Auslieferung: Sommer 2009. Foto: Klaus Rütschlin

BASEL. In nur sieben Monaten hat die Basler Firma Losinger für Jet Aviation am Euro-Airport einen der größten Hangars in Europa gebaut. In der knapp 40 Millionen Euro teuren Halle können gleichzeitig ein Airbus 380, eine Boeing 747 und drei mittelgroße Flugzeuge Platz finden. Am Freitag wurde sie offiziell in Betrieb genommen.

Die etwa 10 000 Quadratmeter große Arbeitshalle war aufgrund der steigenden Kundennachfrage notwendig geworden, sagte gestern Peter Edwards, der Vorstandsvorsitzende der Jet-Aviation-Gruppe. Für den neuen Hangar am Euro-Airport habe das Unternehmen Aufträge für die nächsten vier Jahre. Jet Aviation wachse derzeit schneller als je zuvor. Auch langfristig seien die Aussichten gut. Allein von Airbus und Boeing seien bisher jeweils etwa 100 Großflugzeuge an private Kunden verkauft worden.

Für Jet Aviation bedeutet der neue Hangar Kapazitätsausbau, nicht Verlagerung. Die bestehenden Hallen werden weiter benötigt, vor allem für die Wartung und Reparatur von Flugzeugen. In der neuen Halle werden in erster Linie Großflugzeuge aufgemöbelt – im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei werden in die Flugzeuge ganze Wohnungen und Büros eingebaut, meist mit kostbaren Materialien. Auch anspruchsvolle medizinische Einrichtungen wurden schon installiert. Häufig kommen da noch einmal 50 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises des Flugzeuges dazu, sagte Norbert Marx, Chef der Jet Aviation Basel.

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Als der Gründer der Firma, Carl W. Hirschmann, in den 70er Jahren erkannte, dass mit den steigenden Ölpreisen immer mehr Geld in den Nahen Osten fließt, baute er eine große Verkehrsmaschine in ein fliegendes Wohnzimmer um und stellte sie den potenziellen Kunden vor. Die Begeisterung war groß. Auch heute noch kommen die meisten Kunden aus dem Nahen Osten. Der für das Geschäft in Europa, Asien und dem Nahen Osten zuständige André Wall sagte bei der Eröffnung der Badischen Zeitung, dass inzwischen auch vermehrt Kunden aus Russland, China und Indien dazu gekommen seien, die sich große Maschinen individuell ausstatten ließen.

Dass die Flugzeuginnenausstattung von Basel in die Länder der Kunden verlagert wird, hat Wall gestern so gut wie ausgeschlossen. Es sei schwierig, die von den Käufern erwartete Qualität irgendwo anders zu erzielen.

Alleine für Basel sucht das Unternehmen mehrere hundert neue Arbeitskräfte. Da es auch international nicht einfach sei, Leute mit der notwendigen Qualifikation zu finden, bildet das Unternehmen selbst aus. Das weltweite Zentrum dafür ist am Euro-Airport.

Am Regio-Flughafen betreibt Jet Aviation insgesamt neun Hangars und beschäftigt derzeit etwa 1700 Mitarbeiter. Weltweit sind es 5100 Beschäftigte. Neben dem neuen Hangar baut Jet Aviation weitere Geschäftsräume mit etwa der gleichen Grundfläche. Am Euro-Airport werden von Jet Aviation täglich mehr als 60 Flugzeuge gewartet, repariert und lackiert. Oder die Innenausstattung wird den individuellen Wünschen der Kunden entsprechend eingerichtet.

Autor: klaus rütschlin