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31. Januar 2012

Goldigen Zeiten entgegen

UNTERNEHMEN IN DER REGION: Ziemann ist im Werttransport und Sicherheitsgewerbe nahezu Monopolist im Südwesten.

  1. Ein Ziemann-Transporter auf Achse Ziemann Foto: Ziemann

SCHALLSTADT. Seit 55 Jahren wirtschaftet die Schallstädter Wach- und Sicherheitsfirma Ziemann Sicherheit GmbH in Süddeutschland. Das Geschäft hat sich verändert. Im traditionellen Geschäftsfeld ist es schwieriger geworden. Ziemann setzt daher nun auf neue Trends – etwa auf Goldtransporte.

Wollte jemand einmal einen Ziemann-Werttransporter zum Campingbus umrüsten, er hätte viel zu tun. Er müsste eine ganze Reihe von Überwachungskameras ausbauen. Wer mag es schon, wenn ständig Linsen auf einen gerichtet sind? Er müsste die Panzerung entfernen und die mehrere Zentimeter dicke Frontscheibe tauschen. Die Personenschleuse am Seiteneingang des Busses wäre ständig im Weg, im Fahrerabteil lässt sich kein Fenster herunterkurbeln, im hinteren Teil gibt es gar keines. Und die GPS-Fernüberwachung wäre auch unangenehm.

Für die Ziemann Sicherheit GmbH mit Sitz in Schallstadt ist dieses Sicherheitspaket am Transporter aber der Inbegriff der Geschäftsgrundlage. Sicherheit schafft Vertrauen. "Vertrauen ist unser oberstes Verkaufsargument", sagt Geschäftsführer Hans-Jörg Hisam. Ziemann übernimmt Geld- und Werttransporte für Banken und Unternehmen, bestückt Geldautomaten, überwacht und sichert zahlreiche Gebäude und ist im Personenschutz tätig. Die Firma beschäftigt bei einem Jahresumsatz von 56 Millionen Euro im Jahr 2010 rund 1000 Mitarbeiter an elf Standorten.

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Vor Jahren erlebte die Branche eine Vertrauenskrise. 2006 wurde bekannt, dass Manager des damaligen Marktführers Heros von Kunden anvertrautes Geld aus dem internen Kreislauf in die eigene Tasche abgezweigt hatten. Schaden: 270 Millionen Euro. Der Fall landete schließlich vor Gericht, es folgte die Insolvenz des Unternehmens. Zwar ging dieses Beben in der Branche an Ziemann nicht spurlos vorüber. Heute muss die Firma sich aber keine Sorgen um ihren Ruf machen. Weder wurden jemals Ungereimtheiten bekannt, noch gibt es im Kerngebiet ernst zu nehmende Konkurrenz.

Ziemann bereitet eine andere Entwicklung Sorge. Immer mehr Geschäfte werden bargeldlos abgewickelt, die Menschen zahlen an der Supermarktkasse auch kleinste Beträge per EC-Karte. "Das beobachten wir sehr kritisch", sagt Hisam und verteidigt Münzen und Scheine: "Bargeld ist das billigste Geld." Bei Bargeld benötige man es keine Versicherung gegen Kreditkartenbetrug.

Neu ist der Mindestlohn in der Branche, der seit Juni vergangenen Jahres in der Sicherheitsdienstleistungsbranche gilt. Es gibt regional gestaffelte Lohnuntergrenzen zwischen 6,53 Euro und 8,60 Euro (Baden-Württemberg). 15 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Ziemann mit Wachdiensten. Der Mindestlohn sorgt laut Hans-Jörg Hisam für faire Verhältnisse am Markt. "Manche Unternehmen gehen sehr unkonventionelle Wege. Sie reichen zum Teil Angebote ein, bei denen wir uns ernsthaft fragen, wie sie wirtschaftlich arbeiten oder gar die Mindestlöhne zahlen können." Ziemann setzt deshalb auf Expansion. Im Sommer 2011 erweiterte die Firma den Stammsitz in Schallstadt um ein 1000 Quadratmeter großes Gebäude, bereits vor einem Jahr kaufte Ziemann das ehemalige Reichsbankgebäude in Mannheim, in dem zuletzt die Deutsche Bundesbank war. Ziemann will sich mehr denn je als Bargelddienstleister profilieren. Dies vor dem Hintergrund einer Gesetzesnovelle. Demnach müssen sich Geldtransportfirmen, die nicht als Zahlungsdienstleister zugelassen sind, künftig auf den Transport von Bargeld und seine Bearbeitung beschränken. Ziemann stellte deshalb als eines von bisher deutschlandweit drei Unternehmen einen Zulassungsantrag.

Zur Überlebensstrategie in den immer bargeldloseren Zeiten zählt auch ein neues Geschäftsfeld: der Transport von Gold. "Mit der Banken- und Schuldenkrise wollen die Menschen Bargeld physisch bei sich haben", ist Geschäftsführer Hisam überzeugt. Deshalb habe Ziemann am Anfang des Jahres die Tochterfirma Valor gegründet. Gold soll sicher von der Bank zum Kunden gefahren werden, aber auch der umgekehrte Weg sei möglich.

Zwar gibt es bei der Gewerkschaft Verdi immer noch Frust über einzelne branchenspezifische Regeln im Tarifvertrag für die Geld- und Wertbranche sowie das Wach- und Sicherheitsgewerbe. Susanne Dorer, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi Südbaden nennt hier etwa einzelne Regelungen zur Schichtarbeit. "Bei Ziemann läuft aber alles in geordneten Bahnen. Die Firma ist tariftreu, es gibt einen elfköpfigen Betriebsrat", sagt Dorer.

Autor: Bastian Henning