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28. Dezember 2011 20:28 Uhr
Konkurrenz-Tochter
Hansgrohe siegt gegen chinesische Plagiatoren
Der Schiltacher Armaturenhersteller Hansgrohe hat einen Sieg im Kampf gegen Plagiate errungen. Ein chinesisches Unternehmen darf keine Hansgrohe-Kopien mehr verkaufen. Pikant: Es gehört dem Konkurrenten Grohe.
SCHILTACH/LAHR. Südbadener mit einem etwas größeren Geldbeutel können sich fast überall auf der Welt heimisch fühlen. Wer die Bäder von Luxushotels betritt, sei es im Dschungel von Borneo oder inmitten der Wüste Arabiens, wird in der Regel einem Stück badischer Heimat begegnen. Ob Duschkopf oder Wasserhahn – zumeist stammen die Badarmaturen in den Nobelzimmern entweder vom Hansgrohe oder dem Konkurrenten Grohe. Das erstgenannte Unternehmen hat seinen Stammsitz in Schiltach und verfügt über ein großes Werk in Offenburg. Grohe mit Sitz in Düsseldorf fertigt unter anderem im benachbarten Lahr.
So viel Erfolg schafft Neider und im Zeitalter der Globalisierung geschickte Nachahmer. Diese sitzen zum größten Teil in China. Dort bedeutet Kopieren nicht gleich das Ende aller gesellschaftlichen Aufstiegsträume. Vielmehr galt in Fernost lange Zeit derjenige als bester Schüler, der am genauesten in die Fußstapfen des Meisters trat und dessen Arbeiten noch ein wenig verfeinerte.
Bei Hansgrohe hat man heute wenig Verständnis für diese chinesische Tradition. Was kein Wunder ist: Auf fünf bis zehn Prozent des Gesamtumsatzes (2010: 693,1 Millionen Euro) schätzt das Unternehmen den Schaden, der ihm durch billige Plagiate entsteht. 100 zusätzliche Stellen könnten nach Aussage des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Richard Grohe geschaffen werden, gäbe es die unliebsamen Nachahmer nicht. Ihren Ärger drückt die Hansgrohe-Unternehmensleitung dann auch regelmäßig publikumswirksam aus. Mit sichtlicher Freude lassen die Schiltacher Manager regelmäßig den Bagger über gefundene Kopien ihrer Duschköpfe und Wasserhähne fahren.
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Allerdings beginnen die Chinesen, umzudenken. Je mehr in Peking und Schanghai selbst entwickelt wird, desto größer wird das Interesse daran, die eigenen Erfindungen und Designs vor Nachahmern zu schützen und die Kopierer abzustrafen. Die jüngste Entscheidung eines Gerichtes in China passt in dieses Bild: Joyou, chinesischer Armaturenhersteller, verpflichtete sich in einem Vergleich, keine Plagiate des Hansgrohe-Waschtischmischers Focus S mehr zu produzieren und auf den Markt zu bringen. Mehr – also zum Beispiel Informationen zu etwaigen Schadenersatzzahlungen – wurde zu dem Vergleich nicht bekannt. Der Nachbau "Made in China" war Anfang des Jahres mit dem Negativpreis "Plagiarius" öffentlich gebrandmarkt worden.
Das Pikante daran: Joyou gehört mittlerweile mehrheitlich zum Konkurrenten Grohe. Dieser wollte schon seit Längerem sein Standbein in Asien verstärken: "Durch Joyou erhält Grohe eine atemberaubende Präsenz im riesigen Markt China", sagte Grohe-Vorstandschef David Haines im Mai im Handelsblatt. Der Ex-Coca-Cola- und Ex-Vodafone-Manager will nach eigenem Bekunden auch den Plagiaten aus Fernost ein Ende bereiten: "So etwas wird nie wieder vorkommen", kündigte der Brite bei der Bilanzpressekonferenz im Juni an.
Hansgrohe und Grohe haben die gleichen familiären Wurzeln. Grohe-Gründer Friedrich Grohe war der zweitälteste Sohn des gelernten Tuchmachers und Tüftlers Hans Grohe, der Anfang des 20. Jahrhunderts mit einem Metallbetrieb in Schiltach anfing. Aus der Drei-Mann-Werkstatt ging die Hansgrohe AG hervor.
- Joyou AG:Grohe greift in China an
Autor: Bernd Kramer
