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25. Februar 2010 11:09 Uhr
Freiburger Chipbauer
Micronas rechnet auch 2010 mit Verlust
Der schwer angeschlagene Chipbauer Micronas sieht sich nach einem radikalen Sparprogramm auf einem langen Weg der Besserung. Dennoch erwartet der neue Vorstandschef Matthias Bopp auch 2010 einen Verlust.
Das sagte er in Zürich, wo er die Jahresbilanz präsentierte. Das Schweizer Unternehmen, das bis vor kurzem noch der größte private Arbeitgeber in der Stadt Freiburg war, fuhr 2009 ein enormes Minus von 172 Millionen Franken ein. 2010 gehe es darum, den Verlust zu minimieren.
Micronas bleibt eine Großbaustelle. Der neue Vorarbeiter heißt Matthias Bopp (45). Zu Jahresbeginn hat der neue Vorstandschef, der seit zwei Jahrzehnten in der Halbleiterbranche tätig ist und als technikbegeistert gilt, ein Unternehmen übernommen, das noch immer sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Tief war der Einschnitt, den sein Vorgänger Wolfgang Kalsbach im vergangenen Jahr nach einer langen Verlustserie setzten musste. Micronas wickelte eines seiner beiden Geschäftsfelder ab – die defizitäre Produktion von Chips für die Heimunterhaltung, also zum Beispiel für Fernsehgeräte. Die letzten Reste werden bis zum Sommer ausgeliefert. Dann ist Schluss.
Wegen des Umbaus hat sich die Belegschaft auf unter 1000 Köpfe fast halbiert. Der Umsatz krachte um fast 60 Prozent auf 241 Millionen Franken nach unten. Allein 115 Millionen Franken kostete der Firmenumbau. Ein Teil dieses Geldes wurde als Abfindungen an jene Mitarbeiter gezahlt, die Micronas verlassen mussten. Hinzu kam ein Verlust aus dem laufenden Geschäft in Höhe von 66 Millionen Franken.
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Jetzt ist Micronas nur noch ein Zulieferer von Autozulieferern. Man konzentriert sich darauf, Autozulieferer wie Denso und Continental zu versorgen. Zum Beispiel baut Micronas Sensoren, die erkennen, ob alle Fahrzeuginsassen angeschnallt sind oder die die Fenster elektronisch heben und senken. Oder mit deren Hilfe sich die Scheinwerfer in der Kurve automatisch ausrichten oder die die Drosselklappe im Motor möglichst spritsparend öffnen und schließen. Diese Autosparte von Micronas war lange Zeit profitabel, ist aber 2009 wegen der weltweiten Autokrise ebenfalls tief in die roten Zahlen gerutscht.
Jüngst aber ist eine verhaltene Zuversicht zurückgekehrt. Auftragsbestand und Umsatz hätten im dritten und vierten Quartal 2009 wieder zugelegt, sagte Bopp. Die Produktionsstraßen im Freiburger Werk seien im vierten Quartal zumindest wieder zu 65 Prozent ausgelastet gewesen. Etwa 90 Prozent sind normal. Zu Beginn des Jahres 2009 waren es weniger 50 Prozent gewesen. Das waren nicht nur die schlimmsten Monate für Micronas, sondern für die Weltwirtschaft insgesamt. Bopp lobte die staatlich geförderte Kurzarbeit als extrem hilfreich in einer so heftigen Rezession. 400 Mitarbeiter in Freiburg arbeiten derzeit kurz – im Schnitt zehn Prozent.
Die neue Unternehmensführung machte klar, dass es in diesem Jahr vor allem darum geht, nicht noch mehr Geld zu verlieren. Micronas verfügt noch über 127 Millionen Franken Eigenkapital. Vor einem Jahr waren es noch mehr als 300 Millionen. Die Eigenkapitalquote sank auf knapp unter 37 Prozent. Der neue Chefaufseher bei Micronas, Verwaltungsratschef Heinrich Kreutzer, sagte: "Wir können damit die weitere Entwicklung des Unternehmens aus eigenen Mitteln finanzieren." Das Unternehmen kündigte dennoch weitere Schritte an, um den Geldabfluss zu stoppen – ohne konkret zu werden.
Im laufenden Jahr rechnet Bopp damit, dass sich das Geschäft weiter belebt. Dies werde aber voraussichtlich noch nicht reichen, um Micronas zurück in die Gewinnzone zu bringen. Frühestens Ende des Jahres 2011 dürften die Halbleiterproduzenten, die an die Autobranche liefern, wieder das Vor-Krisen-Niveau des Jahres 2007 erreichen. Die Basis, um dann davon zu profitieren, will Micronas jetzt legen. Trotz der erwarteten Verluste will das Unternehmen bis zu 17 Prozent des Umsatzes in die Forschung und die Entwicklung neuer Produkte investieren.
Von 2011 an erwarten Bopp und Kreutzer deutlich bessere Geschäfte. Die Logik dahinter: In Zukunft würden Autos immer sparsamer werden müssen, wozu man immer mehr clevere Elektronik einbauen müsse, welche wiederum Micronas herstelle. Bopp rechnet damit, dass zwischen 2009 und 2014 weltweit zwar nur acht Prozent mehr Autos gebaut werden, aber die halbleiterbauenden Zulieferer um 14 Prozent zulegen. Ganz geheuer scheint Bopp die große Abhängigkeit von der Autobranche aber nicht zu sein. Micronas versuche deshalb mehr und mehr, seine Produkte nicht nur in Autos zu platzieren, sondern auch in Spülmaschinen oder elektrischen Jalousien. Die ersten Erfolge in diesem Geschäft mit der weißen Ware macht Bopp eigenen Worten zufolge das, was er in Zürich neben Zahlen auch verbreiten wollte – Hoffnung.
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Autor: Ronny Gert Bürckholdt
