Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
27. Januar 2011 21:09 Uhr
Pharmaindustrie
Novartis schafft 300 neue Stellen im Dreiländereck
Der Basler Pharmariese Novartis hat glänzende Zahlen für 2010 vorgelegt. Was dies für die Region bedeutet – darüber sprach Michael Baas mit Armin Zust, dem Leiter von Novartis Schweiz.
Im ersten Jahr unter der Regie des US-amerikanischen Chefs Joe Jimenez übertraf der Umsatz erstmals die 50-Milliarden-Dollar-Marke. Das entspricht 37 Milliarden Euro. Der Reingewinn lag bei zehn Milliarden Dollar.
BZ: Herr Zust, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Dennoch hat Novartis Ende 2010 einen Stellenabbau angekündigt. Wie passt das zusammen?
Zust: Zunächst sind wir stolz auf dieses sehr gute Ergebnis. Dieses bestätigt unsere Strategie und deren drei Standbeine: Innovation und eine gut gefüllte Pipeline, beschleunigtes Wachstum und Investitionen dort, wo dieses herkommt sowie die Verbesserung der Produktivität. Um möglichst viele Mittel für Innovation zu gewinnen, müssen wir kontinuierlich Strukturen und Prozesse optimieren. Dies ist die Basis für Rentabilitätssteigerungen und ermöglicht gleichzeitig Investitionen in die Zukunft.
BZ: Inwieweit sind regionale Standorte in und um Basel davon betroffen?
Zust: Eine erste Konsequenz ist der Verkauf unserer pharmazeutischen Produktion in Hüningen, die zuletzt nicht mehr optimal ausgelastet werden konnte. Wir haben lange nach einer für alle Parteien einvernehmlichen Lösung gesucht. Der Konsultationsprozess mit den lokalen Arbeitnehmervertretern konnte inzwischen abgeschlossen werden. Zum 1. März werden die Mitarbeitenden zur neuen Partnerfirma Delpharm wechseln.
Werbung
Zust: Das Werk hat rund 220 Mitarbeitende. Diese Lösung erlaubt es uns, deren Arbeitsplätze langfristig und nachhaltig zu sichern. Delpharm wird nicht nur für uns, sondern auch für andere Firmen produzieren.
BZ: Ist das der einzige regionale Standort, der von diesem Programm betroffen ist?
Zust: Wir haben begonnen, das hat Joe Jimenez an der Bilanzpressekonferenz betont, unsere weltweit mehr als 80 Produktionsstandorte zu überprüfen und zwar über alle fünf Geschäftsbereiche hinweg. Ziel ist es, Kapazitäten auszulasten und spezialisierte Standorte als Kompetenzzentren zu schaffen. Ob weitere Werke in der Region betroffen sein werden, kann noch niemand sagen. Die entsprechende Analyse ist noch nicht abgeschlossen.
BZ: Darf ich da nachfassen: Die Novartis-Werke in der Region sind historisch gewachsen. Wenn diese nun unter einem globalen Blickwinkel auf den Prüfstand kommen, stellt sich doch die Frage, welche Perspektive ein vergleichsweise kleiner Standort wie das Werk Wehr mittel- und langfristig hat?
Zust: Was Wehr betrifft, kann ich nichts substanziell Neues sagen. Die entsprechende Analyse ist noch nicht abgeschlossen. Das Werk ist ein Exzellenzcenter für Crèmes und Salben und allein im Vorjahr wurden in Wehr rund zwölf Millionen Euro investiert.
BZ: Okay, blicken wir auch auf die anderen Standorte. Was wurde 2010 konkret in der Region investiert?
Zust: Wir investieren jedes Jahr rund 500 Millionen Franken in die Instandhaltung und Modernisierung der regionalen Infrastruktur. Die Investitionen in das Campus-Projekt in Basel werden sich für die erste Phase bis 2015 auf total 2,2 Milliarden Franken summieren. In Stein wurden letztes Jahr 60 Millionen Franken investiert und im Biotechnologie-Zentrum in Hüningen werden in den nächsten fünf Jahren 30 Millionen Euro investiert. Schließlich kauft Novartis in dieser Region jedes Jahr Waren und Dienstleistungen in einem Volumen von mehr als zwei Milliarden Franken ein.
BZ: Wie sieht die Arbeitsplatzbilanz in der Region aus?
Zust: Novartis Schweiz hat 2010 rund 500 neue Arbeitsplätze geschaffen und die Lohnsumme in der Schweiz liegt bei 2,7 Milliarden Franken. In der trinationalen Region wurden knapp 300 Arbeitsplätze geschaffen, die meisten auf dem Novartis Campus in Basel. Die Mitarbeiterzahlen in den anderen Standorten sind im Vergleich zu 2009 stabil geblieben, so dass Novartis im Großraum Basel Ende 2010 rund 11 000 Mitarbeitende beschäftigte.
BZ: Stabil ist ein Stichwort: Analysten gehen davon aus, dass die Pharmabranche vor schwierigeren Jahren steht. Wie sehen Sie die Entwicklung von Novartis vor dem Hintergrund?
Zust: Richtig ist, dass wir, wie auch die Konkurrenz, in den nächsten Jahren wichtige Patente verlieren. Was dies im Detail für das Unternehmen bedeutet, lässt sich heute kaum voraussagen. Alles hängt davon ab, inwieweit es uns gelingt, neue innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Branche unter einem starken Preisdruck steht. Schließlich wird es auch immer schwieriger, neue Produkte auf den Markt zu bringen, weil die Auflagen der Zulassungsbehörden in Bezug auf Sicherheit und Wirksamkeit stetig steigen. Die primäre Aufgabe unserer Industrie ist es, innovative neue Medikamente für Patienten zu entdecken, zu entwickeln und zu vermarkten. Wenn uns dies gelingt, können wir überleben und erwirtschaften Gewinne.
- Neues Produkt: Novartis schafft auch in Wehr neue Stellen
Autor: Michael Baas





