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16. März 2010 21:47 Uhr

BZ-Interview

Pearl: Wie können sich Unternehmen vor Dieben schützen?

Waren im Wert von 6000 Euro sind vor kurzem in einer Bugginger Firma gestohlen worden – von zwei ihrer Mitarbeiter. Wie können solche Vorfälle verhindert werden? Ein Interview.

  1. Das Versandhaus Pearl Agency in Buggingen verschickt bis zu 120000 Artikel – pro Tag. Foto: Andrea Drescher

  2. Christian Allinger Foto: Privat

  3. Stefanie Pacher Foto: Privat

BUGGINGEN. Ein 19- und ein 26-Jähriger waren bei einer Kontrolle aufgefallen: Sie hatten in Buggingen Handys, Digitalkameras, Navigationsgeräte, Autoradios und DVD-Laufwerke am Körper festgeklebt und teilweise in einer Wohnung in Freiburg deponiert. Beklaut wurde das Versandhaus Pearl Agency GmbH in Buggingen. Mit Christian Allinger, Mitglied der Geschäftsleitung, und der Assistentin der Geschäftsleitung, Stefanie Pacher, sprach Andrea Drescher darüber, welche Sicherheitsvorkehrungen Pearl getroffen hat, um solche Vorfälle zu minimieren.

BZ: War dieser schlimme Diebstahl vor kurzem ein unangenehmer Einzelfall?
Allinger: Ja. Ein kleiner Prozentsatz unserer Artikel kommt immer durch Diebstähle abhanden – wie in einem normalen Kaufhaus auch. Aber seit einem Vierteljahr hat sich das Problem verschärft. Pro Woche kamen unzählige Geräte, vor allem Handys, weg.

BZ: Woran merken Sie das?
Allinger: Weil nur die eigentlichen Geräte geklaut wurden. Die Verpackungen werden in den Regalen entsorgt – und die finden wir dann.

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BZ: Das passiert bei Ihnen in der Versandabteilung. Wie viele Artikel werden dort im Schnitt verpackt und dann verschickt?
Allinger: Es werden pro Tag 20.000 bis 25 .000 Pakete gepackt, das entspricht etwa 100 .000 bis 120 .000 Artikeln täglich.

BZ: Wie wurden die Diebe entdeckt?
Allinger: Bei einer stichprobenartigen Kontrolle. Wir haben 2001, seit wir das neue Versandgebäude bezogen haben, diverse Sicherheitseinrichtungen installiert. Jeder Mitarbeiter hat einen Key, mit dem er die Türen öffnen kann. Um den Versandbereich zu verlassen, muss man durch eine Schleuse. Ein Zufallsgenerator entscheidet dort, ob der Mitarbeiter gehen kann oder zur Kontrolle muss. Dabei kommt es ab und zu vor, dass jemand erwischt wird.

BZ: Wie läuft so eine Kontrolle ab?
Allinger: Wie an einem Flughafen mit einem Metalldetektor. Wenn dieser anschlägt, werden die Leute gefragt, ob sie uns zeigen, was eventuell den Ausschlag des Gerätes ausgelöst haben könnte. Wird nicht kooperiert, wird die Polizei geholt. So war das auch bei den beiden Männern. Wir achten übrigens strikt darauf – wie auch Polizei und Sicherheitsdienste –, dass nur Frauen Frauen und Männer Männer untersuchen.

BZ: Gibt es weitere Schutzvorkehrungen?
Pacher: Wir haben circa 40 Kameras, die den Parkplatz, die Eingänge, die Flure und die Schleuse überwachen. Außerdem sind unsere Notausgangstüren alarmgesichert und ein beauftragter Sicherheitsdienst macht Kontrollgänge.

BZ: Das klingt nach viel Aufwand. Was kosten Pearl die Sicherheitsmaßnahmen?
Allinger: In die Schleusen haben wir seit 2001 rund 70 000 Euro investiert. Demnächst sollen sie modernisiert und erweitert werden. Das kostet weitere 60 000 Euro. Anfangs mussten wir 50 bis 60 Mitarbeiter pro Schicht durchschleusen, mittlerweile sind es 120. Bei so vielen Leuten dauert der Ablauf zu lange, das wollen wir nun optimieren. Außerdem geben wir für die Sicherheitsdienstleistungen insgesamt knapp 10.000 Euro pro Monat aus.

BZ: Warum haben die Diebstähle in jüngster Zeit wohl so stark zugenommen?
Allinger: Das ist schwer zu sagen. Im Saisongeschäft beschäftigten wir sehr viel Zeitarbeiter, so auch im vergangenen Weihnachtsgeschäft. Unsere Produkte sind für viele interessant und finden sicher auch ihre Abnehmer. Die jetzt erwischten Diebe waren Zeitarbeiter, die damit vielleicht ihren Verdienst aufbessern wollten. Wir arbeiten schon lange mit verschiedenen Personaldienstleistern zusammen, haben aber keinen großen Einfluss darauf, mit welcher Vorgeschichte die Leute zu uns kommen. So gut die Erfahrungen mit zum Beispiel auch Freigängern aus dem Freiburger Gefängnis sind, so schlecht können die Erfahrungen mit anderen sein. Generell ist es nicht einfach, in den Saisonzeiten ausreichend Personal für den Versand zu bekommen. Deshalb übernehmen wir zuverlässige Zeitarbeiter gerne in ein festes Arbeitsverhältnis. Auch in diesem Jahr konnten wir alleine im Versand zweiundzwanzig Zeitarbeitern mit einer direkten Anstellung bei uns eine Perspektive bieten.

BZ: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie denn in Buggingen und Auggen – und wie viele davon sind Zeitarbeiter?
Allinger: Wir haben derzeit circa 350 Festangestellte, aber es arbeiten regelmäßig zwischen 450 und 500 Menschen bei uns, Zeitarbeiter mitgezählt. Bei saisonalen Spitzen müssen wir auf bis zu 600 Leute aufstocken.

BZ: Ärgern sich ihre Mitarbeiter über Kameras und Sicherheitskontrollen?
Allinger: Für Gäste, neue Mitarbeiter und natürlich auch Zeitarbeiter wirken unserer Sicherheitsmaßnahmen am Anfang sicher sehr befremdlich. Langjährige Mitarbeiter haben sich daran gewöhnt. Die jüngsten Diebstähle zeigen, dass Vorkehrungen wie die Sicherheitsschleuse doch notwendig sind.
Pacher: Diese Maßnahmen gelten aber nicht nur für die Versandmitarbeiter, sondern für jeden Betriebsangehörigen, der den Versand verlassen will.

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Autor: Andrea Drescher