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03. März 2010 18:30 Uhr
Autozulieferer in der Krise
Peguform in Bötzingen will Stellen streichen
Der Autozulieferer Peguform in Bötzingen am Kaiserstuhl steht vor einem größeren Stellenabbau. Es gebe einen entsprechenden Plan der Geschäftsleitung – das bestätigte Betriebsratschef Gerd Amann der Badischen Zeitung.
Amann sprach zwar von einem Personalabbau in der Verwaltung in Bötzingen, nannte aber keine Zahl. Die Unternehmensleitung will sich am Montag zu den Einschnitten äußern. Zuerst sollen an diesem Tag die Mitarbeiter während einer Betriebsversammlung informiert werden.
Betriebsratschef Amann sagte, nachdem die Mitarbeiter über die Pläne der Geschäftsführung informiert worden sind, begännen Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeitnehmer. Amann und die für Peguform zuständige Gewerkschaft IG BCE würden dabei darauf dringen, auf einen großflächigeren Einsatz der Kurzarbeit zu setzen, statt Stellen zu streichen. Ein Teil der Beschäftigten sei heute schon wegen der schweren Krise in der Autobranche in staatlich geförderter Kurzarbeit. "Das Instrument der Kurzarbeit wird bei Peguform aber derzeit von der Geschäftsführung nicht vollumfänglich genutzt. Dies zu verändern, hat Priorität bei unseren Forderungen", sagte Amann.
Peguform ist einer der größten Autozulieferer in Deutschland. Das Unternehmen beschäftigt am Hauptsitz in Bötzingen etwa 1200 Mitarbeiter. Etwa 500 davon arbeiten in der Verwaltung, 700 in der Produktion. Weltweit hat Peguform etwa 7000 Beschäftigte. Sie fertigen Teile für Audi, BMW, Daimler, Fiat, Ford, Seat, VW und Mitsubishi.
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Peguform hat fünf weitere Werke in der Bundesrepublik – im bayerischen Neustadt, im sächsischen Meerane sowie in den niedersächsischen Städten Oldenburg, Göttingen und Gifhorn. Hinzu kommen sieben Produktionsstätten in Spanien sowie je eine in Portugal, Mexiko, Brasilien und in China.
2008, als die globale Krise die Autobranche und deren Zulieferer hart zu treffen begann, erwirtschaftete Peguform 1,4 Milliarden Euro Umsatz. Das Unternehmen fertigt unter anderem Stoßfänger, Heckklappen, Türseitenverkleidungen, Kotflügel, Heckspoiler, Cockpits und Instrumententafeln.
Peguform hat im vergangenen Jahrzehnt eine wechselvolle Geschichte erlebt. Im Jahr 2002 wurde das Unternehmen zahlungsunfähig, nachdem der US-Mutterkonzern Venture Industries von seiner Tochter viel Geld abgezogen hatte. Das Insolvenzverfahren dauerte zwei Jahre. Das US-amerikanische Private-Equitity-Unternehmen Cerberus (deutsch: "Höllenhund") kaufte 2004 Peguform aus der Insolvenz.
Das Geschäftsmodell von Cerberus sieht vor, Unternehmen in Problemen zu kaufen, zu sanieren und dann zu verkaufen. So lief es auch bei Peguform. 220 Mitarbeiter am Kaiserstuhl mussten damals gehen. Die verbleibenden Beschäftigten verzichteten auf zehn Prozent ihres Lohns. 2005 wurden in Bötzingen weitere 80 Stellen gestrichen.
Im Frühherbst 2008 wurde Peguform für etwa 220 Millionen Euro an den österreichischen Autozulieferer Polytech verkauft, der sich an diesem Geschäft aber verhob. Polytech verkaufte daraufhin Peguform nach nur wenigen Monaten im Mai vergangenen Jahres weiter. Das war der dritte Verkauf innerhalb von fünf Jahren.
Eigner sind nun erneut Österreicher – Stefan Pierer und Rudolf Knünz, denen die Mehrheit an der Industriebeteiligungsgesellschaft Cross Industries AG gehört. Pierer wurde Chef des Peguform-Aufsichtsrates. Im September sagte er in einem Gespräch mit der BZ: "Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen; das heißt vor allem die Optimierung der Prozesse." Die gesamte Autobranche werde sich ändern, es müssten langfristig Kapazitäten abgebaut werden.
Autor: Ronny Gert Bürckholdt
