Kaufkraft

Schweizer kaufen weniger: Südbadens Einzelhändler beklagen Kundenschwund

Holger Schindler

Von Holger Schindler

So, 09. September 2018 um 14:20 Uhr

Wirtschaft

Obwohl die allgemeine Konjunktur weiter günstig ist und die Beschäftigung so hoch wie noch nie, tritt der Einzelhandel in Südbaden auf der Stelle. Die Branche leidet unter der Onlinekonkurrenz – und fürchtet Diesel-Fahrverbote.

Ernüchterung macht sich zunehmend breit beim Einzelhandel in Südbaden. Obwohl die allgemeine Konjunktur weiter günstig ist und die Beschäftigung so hoch wie noch nie, tritt die Branche in der Region auf der Stelle. Die stationären Ladengeschäfte verlieren zudem laufend Marktanteile an die Onlinekonkurrenz, allen voran Amazon. Etliche Geschäfte haben mit sinkenden Kundenfrequenzen zu kämpfen. Drohende Diesel-Fahrverbote stellen für die Branche ein zusätzliches Schreckensszenario dar.

Bundesweit legten die Einzelhandelsumsätze im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 2,5 Prozent zu. Real betrachtet, also bereinigt um den Effekt der Geldentwertung, entspricht dies allerdings einem eher mageren Zuwachs von lediglich 0,5 Prozent. In Baden-Württemberg lag das nominale Plus bei nur 2,0 Prozent. Real bedeutet dies Stagnation. Dies teilten Vertreter des Handelsverbands Südbaden am Freitag in Freiburg mit. Die Hälfte aller Betriebe habe sogar Umsatzrückgänge hinnehmen müssen. Nur jedes vierte Geschäft verzeichne Umsatzwachstum.

Gebeutelt ist wohl vor allem der Schuhhandel

"Die Kaufkraft der kleinen und mittleren Einkommen ist offensichtlich unter Druck", so Verbandspräsident Philipp Frese. Er appellierte an die Politik, hier für Entlastung zu sorgen. "Das betrifft insbesondere die kalte Progression bei der Einkommensteuer, aber auch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, die angesichts der positiven Lage auf dem Arbeitsmarkt gesenkt werden sollten", so Frese. Gebeutelt waren laut Frese vor allem der Schuhhandel mit einem Umsatzrückgang von 1,5 Prozent im ersten Halbjahr und der Textilhandel mit einem Rückgang von 2,0 Prozent.

Die Geschäftserwartungen fürs zweite Halbjahr sind mau. Zwei Drittel der Betriebe erwarten stagnierende oder sinkende Erlöse. Aus der Schweiz kommen derzeit keine zusätzlichen Kaufkraftimpulse mehr über die Grenze. Das Gros der Betriebe vermelde sinkende Umsätze mit Schweizer Kundschaft, so Verbandsgeschäftsführer Utz Geiselhart. Generell sei der Rückgang der Frequenzen, also der Zahl der Kunden in den Geschäften, ein enormes Problem. "Die Betriebe melden uns dies als das derzeit drückendste Problem zurück", berichtet Philipp Frese.

Ungebremst schreitet indes der Vormarsch des Onlinehandels voran. Im laufenden Jahr rechnen die Handelsexperten mit einem Umsatz von 53,6 Milliarden Euro bei den Onlinehändlern, womit erstmals mehr als ein Zehntel des Einzelhandelsumsatzes über das Internet laufen würde. Die Zuwachsrate würde damit bei knapp zehn Prozent liegen.
Info

Gut dreieinhalb Jahre nach Amtsantritt gibt Olaf Kather (60) zum 30. September den Posten des Hauptgeschäftsführers beim Handelsverband Südbaden ab. Der frühere Karstadt-Manager hatte die Funktion zu Jahresbeginn 2015 übernommen. Hintergrund sind laut Kather Umstrukturierungen beim Verband, die mit neuen Aufgabenzuschnitten verbunden seien, insbesondere gehe es verstärkt darum, neue Mitglieder zu gewinnen. Der Verband kündigte an, den Posten nahtlos intern zu besetzen.

Der Einzelhandel in Südbaden von Rastatt über den Schwarzwald bis zum Hochrhein und Bodensee zählt derzeit rund 11 700 Betriebe mit insgesamt rund 75 000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von zuletzt 14,1 Milliarden Euro. Der Handelsverband Südbaden zählt rund 2000 Mitglieder.