Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
18. März 2010 06:30 Uhr
Waldkirch
Sick beendet Kurzarbeit
Die wirtschaftliche Erholung macht sich zunehmend in der Region bemerkbar. Die gute Nachricht des Tages kommt aus Waldkirch: Der Sensorhersteller Sick beendet zum 1. April die Kurzarbeit.
Nachdem bereits in den vergangenen Tagen eine ganze Reihe von Unternehmen das Ende der Kurzarbeit verkündet hatte, teilten am Mittwoch Sick -Vorstandschef Robert Bauer und der Betriebsratsvorsitzende Gustav Kasper mit: "Bei Sick wird zum 1. April die Kurzarbeit aufgehoben."
Den Waldkircher Sensorspezialisten hatte der größte Konjunktureinbruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte hart getroffen. Wie Bauer am Mittwoch sagte, sank der Umsatz des Unternehmens im Krisenjahr 2009 um 19 Prozent oder 140 Millionen Euro auf rund 600 Millionen Euro.
Um den Nachfragerückgang zu bewältigen, setzte Sick auf Kurzarbeit und Einsparungen. Bis zu 1000 Sick-Mitarbeiter arbeiteten in Südbaden kurz. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen an seinen südbadischen Standorten in Waldkirch und Reute mehr als 1900 Menschen.
Für die Organisation der Kurzarbeit hatte Sick eigens einen Steuerkreis gegründet, in dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter saßen. Die Planung und der gute Informationsfluss hätten mit dafür gesorgt, dass Sick trotz Kurzarbeit weder bei der Kundenzufriedenheit noch beim Innovationstempo habe Abstriche machen müssen. 52 neue Produkte brachte Sick 2009 auf den Markt. "Jede Woche ein neues", sagte Robert Bauer.
Werbung
Entscheidend sei aber letztlich gewesen, dass die Belegschaft trotz der schwierigen Situation hervorragend zusammengearbeitet habe. "Das ist ein Beweis für die besondere Sick-Kultur", sagte der Betriebsratsvorsitzende Kasper. Grundlage dafür sei auch eine ausgewogene Lastenverteilung gewesen. Während die Beschäftigten Einbußen beim Lohn wegen der Kurzarbeit hinnehmen mussten, verzichteten leitende Angestellte sowie die Aufsichtsratsmitglieder auf bis zu zehn Prozent ihres Gehaltes. Kasper lobte auch das Engagement der Agentur für Arbeit: "Es hätte nicht besser laufen können". So habe die Agentur frühzeitig und detailliert über die Kurzarbeiter-Regelungen informiert.
Mit der Kurzarbeit habe Sick das Ziel, die Stammbelegschaft in Waldkirch und Reute trotz Krise zu halten, verwirklichen können, sagten Vorstands- und Betriebsratschef. Für Robert Bauer ist dies eine Investition in die Zukunft. "Wir denken langfristig. Da wir Kompetenz gehalten haben, werden wir auf Dauer im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähiger sein." Mittlerweile seien auch wieder Leute eingestellt worden. Sick spürt die konjunkturelle Erholung. Unter anderem würden in der Krise verschobene Projekte jetzt nachgeholt.
Allerdings bewegt sich der Umsatz nach wie vor unter dem Niveau des Boomjahres 2008. Die Entwicklung bei den Kunden sei auch sehr unterschiedlich. Bauer rechnet damit, dass die Konjunktur einen Verlauf in der Gestalt eines mathematischen Wurzel-Zeichen nimmt. Also nach dem Einbruch ein Aufschwung, der aber in der Spitze unter den Rekordwerten von 2008 bleibt. Wachstumstreiber ist nach Beobachtung des Vorstandschefs vor allem das Geschäft in Asien.
Sick sei nach wie vor ein finanzstarkes Unternehmen, sagte Bauer. Trotz Krise habe der Sensorhersteller 2009 einen Gewinn erzielt. Genaue Zahlen will er im April vorlegen.
- Oberkirch: PWO rechnet mit Wachstum
- Efringen-Kirchen: Kalkwerk Istein beendet Kurzarbeit
- Bötzingen: Peguform vor nächster Schrumpfkur
- Waldkirch: Vor 100 Jahren wurde Unternehmensgründer Erwin Sick geboren (1. November 2009)
Autor: Bernd Kramer
