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28. März 2011

Karriere

Vom Gastarbeiterkind zum Unternehmenschef: Konstantin Petratos aus dem Elztal

Konstantin Petratos besuchte als eines der ersten Gastarbeiterkinder das Waldkircher Gymnasium, heute ist er Chef des Informationstechnikunternehmens Cosinus.

  1. Mit dem PC groß geworden: Konstantin Petratos Foto: BAMBERGER

FREIBURG. Den einen oder anderen Verteidiger des SC Freiburg hat Konstantin Petratos schon stehen lassen. In der Fußballjugend des SV Waldkirch umdribbelte der heute 47-Jährige als Linksaußen so manches Mal die Abwehr aus der Nachbarstadt. Heute unterstützt der Softwarespezialist den Erzrivalen aus vergangener Zeit. Die Programme seines Unternehmens Cosinus laufen auf den Rechnern des Fußballvereins. Sie erleichtern die Verwaltung und den Verkauf der SC-Fanprodukte. Besuchen Kunden Konstantin Petratos, führt der Weg schon einmal ins Badenova-Stadion, vorausgesetzt der Sportclub kämpft gerade zu Hause um wichtige Bundesligapunkte.

Fußballprofi – das wäre der Junge aus dem Elztal gerne geworden. Doch der Sohn griechischer Eltern, die in den 60er-Jahren in Waldkirch eine zweite Heimat fanden, schlug einen anderen Weg ein. Konstantin Petratos wurde Unternehmer in der Informationstechnikbranche (IT). Dabei habe ihm das Einmaleins des Mannschaftsspiels geholfen, sagt er. Den Kopf nicht hängen lassen nach einer verpassten Chance, ein bisschen mehr geben als man eigentlich kann und abspielen, wenn der Teamkollege deutlich besser vor dem Tor steht – all diese Einsichten aus dem Sport hätten ihn bei seiner Karriere vorangebracht. Und natürlich Bildung: "Meine Eltern haben immer sehr, sehr großen Wert darauf gelegt, dass ich in der Schule vorankomme." Petratos war eines der ersten Gastarbeiterkinder auf dem Waldkircher Gymnasium.

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Der Siegeszug des Personalcomputers (PC) und die neuen baden-württembergischen Kaderschmieden haben ihn geprägt. Mit dem Rechner Commodore C 64 – dem Lieblingsgerät vieler späterer Naturwissenschaftler und Computerprofis – hat der Abiturient begeistert gespielt. Seine Ausbildung zum Betriebswirt absolvierte er an der damals noch jungen Berufsakademie (heute Duale Hochschule) in Villingen-Schwenningen, die Lernen am Arbeitsplatz und im Hörsaal neu kombinierte.

Das Unternehmen vom Schreibtisch aus steuern

Den Anfang vom Ende der riesigen Zentralrechner, die ganze Räume füllten, erlebte Konstantin Petratos Anfang der 90er Jahre bei einem damaligen Arbeitgeber – dem Filmhersteller Eastman Kodak in Stuttgart. Dort hatte er unter anderem die Aufgabe, Programme zu schreiben, die auf den neu in den Fotofachgeschäften installierten PC liefen. Dann kam die Begegnung, die bis heute nachwirkt. Petratos betreute die ersten Installationen der Unternehmenssoftware Navision bei Kodak.

Ein gewaltiger Sprung: Die Software gehörte zu den frühen ERP-Systemen für den PC. Die drei Buchstaben stehen für Enterprise Resource Planing – Auf Deutsch: Mit Hilfe des Computers und des Programms sollen Personal, Kapital und die Maschinen möglichst effizient innerhalb eines Unternehmens eingesetzt werden. Anders gesagt: Die Warenwirtschaft, die Finanzbuchhaltung oder die Produktionsplanung wurden von nun an dank Mikrochip elektronisch auf dem Schreibtisch abgewickelt.

Zurück in der Heimat versuchte Konstantin Petratos, badische Mittelständler von den Vorteilen der neuen Software zu überzeugen. "Das war nicht immer einfach", sagt er rückblickend. Der Durchbruch kam, als mit dem Breisacher Bauzulieferer Birkenmeier Stein & Design 1996 der erste Großkunde überzeugt werden konnte. 1998 kam dann die Gründung von Cosinus. Seither haben Petratos und seine mittlerweile 60 Kollegen mehr als 200 Mal Navision in Firmen installiert. Das führt die Cosinus-Mitarbeiter rund um den Globus. Auch in den ausländischen Niederlassungen der Unternehmen ist Cosinus tätig.

Bis 2015 soll der Umsatz verdoppelt werden

Navision gehört heute zum US-Softwareriesen Microsoft, was Petratos durchaus als Vorteil sieht. "Kunden können sich sicher sein, dass der Anbieter nicht über Nacht vom Markt verschwindet." Seine Mannschaft versteht sich allerdings nicht nur als Gemeinschaft hoch qualifizierter Verkäufer und Programm-Installateure. Das Cosinus-Team passt die Standard-Software auch an die besonderen Bedürfnisse von Kunden an. So hat der Sägewerksbetreiber andere Wünsche als beispielsweise der Textilgroßhändler.

Die Ziele von Petratos sind ehrgeizig: Bis zum Jahr 2015 soll Cosinus den Umsatz verdoppeln. Das entspricht einem Zuwachs von 20 Prozent pro Jahr. Im vergangenen Jahr hat das IT-Unternehmen den Umsatz um 35 Prozent auf 8,1 Millionen Euro gesteigert. Dafür braucht es gutes Personal: "Wir leben von Migranten", sagt der geschäftsführende Gesellschafter. So mache er derzeit exzellente Erfahrungen mit IT-Experten, die einen osteuropäischen Hintergrund haben.

Einen Betriebsrat hat Cosinus nicht. "Das war bei uns noch nie Thema", sagt Petratos. Seine Geschäftsführer-Kollegen und langjährigen Begleiter Mathias Gottesleben, Wolfgang Epple und Mike Zurnieden sind ebenfalls am Unternehmen beteiligt. Vom Gewinn profitiert nach Angaben von Petratos auch die Belegschaft.

Thomas – seit zehn Jahren bei Cosinus angestellt – schätzt vor allem die Förderung durch seinen Arbeitgeber. "Ich habe hier als Büro-Informationselektroniker mit Hauptschulabschluss angefangen. Als ich den Wunsch äußerte, das Abitur auf dem Abendgymnasium zu machen, hat man mich in diesem Bestreben sogar noch bestärkt. Das Gleiche gilt für mein Studium an der Berufsakademie." Bildung ist alles. Das haben schon Konstantin Petratos’ Eltern gewusst.

Autor: Bernd Kramer