Von Waldkirch über Rust in die Welt

Daniel Ruda

Von Daniel Ruda

So, 09. September 2018

Waldkirch

Der Sonntag Der Achterbahnbauer Mack Rides und der Europa-Park.

Seit 1989 steht sie da und ist so etwas wie ein Wahrzeichen des Europa-Parks in Rust: die Eurosat. In der 45 Meter hohen sogenannten Kugel rauschte bis zum vergangenen Sommer eine Dunkel-Achterbahn durch Weltraumsphären. Nach zehnmonatigem Umbau eröffnet am Mittwoch mit dem "Eurosat – CanCan Coaster" das neue alte Fahrgeschäft im französischen Themenbereich. Besucher erleben fortan eine "Nachterbahnfahrt" der besonderen Art durch das illuminierte Paris, umschreibt es die Marketing-Abteilung des Parks.

(Um)Gebaut wurde die Achterbahn – natürlich – von der Firma Mack Rides aus Waldkirch, dem Familienunternehmen, das Wegbereiter für den Europa-Park war. Die Historie des Achterbahnbauers reicht bis ins Jahr 1780 zurück. Alles begann mit dem Bau von Fuhrwerken und später Transportwagen für in Waldkirch gebaute Orgeln. Es folgten Kutschen und Wohnwagen für Schausteller und schließlich die erste Achterbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Während diese entsteht, wird Franz Mack 1921 geboren. Unter seiner Führung expandierte das Unternehmen später nach Europa und Amerika. Gemeinsam mit seinem Sohn Roland entsteht die Idee zum 1975 eröffneten Europa-Park als einer Art Ausstellungsgelände für die selbst entworfenen Fahrgeschäfte. Der Rest ist Erfolgsgeschichte. In Rust, und auch in Waldkirch.

Sechs große Achterbahnen werden pro Jahr verkauft

Mehr als 90 Prozent aller Fahrgeschäfte im Mack’schen Freizeitpark stammen aus dem Hause Mack Rides. Die Eurosat etwa entwickelte der im Jahr 2010 verstorbene Franz Mack selbst. Die Brüder Roland und Jürgen Mack sowie Rolands Sohn Michael (achte Generation) sind Gesellschafter des Waldkircher Unternehmens, das auf einem Areal von rund vier Hektar 200 Mitarbeiter beschäftigt. Seit dem Frühjahr ist die Fahrzeugendmontage vorübergehend nach Herbolzheim verlagert, weil am Waldkircher Standort Produktionshallen modernisiert werden.

Der Europa-Park ist bei weitem nicht der einzige Kunde. "95 Prozent Export weltweit", sagt Sascha Rigling, stellvertretender Vertriebsleiter, "und die Auftragslage ist sehr gut." In Waldkirch entwickelte Achterbahnen stehen überall auf der Welt, sei es in China, den USA oder im Mittleren Osten. Die elf Millionen Euro Produktionskosten teure Achterbahn Blue Fire aus dem Europa-Park etwa ist in ähnlichen Layouts noch in sechs anderen Freizeitparks dieser Welt zu finden. "Die Entwicklung einer Achterbahn dauert im Schnitt zwei Jahre", erzählt Rigling weiter. Viele Kunden finden durch internationale Messen den Weg nach Waldkirch, die meisten aber kennen Mack Rides und den Europa-Park samt seinem Anschauungsmaterial an Fahrgeschäften schon seit Jahrzehnten.

Rund 20 Projekte entwickelt Mack Rides pro Jahr, ein Viertel davon sind große Achterbahnen, der Rest kleinere Bahnen und Wasserfahrgeschäfte. Ab wann ist eine Achterbahn denn groß? "Wenn sie zwischen 400 und 500 Meter Schienenlänge hat", erklärt Marketingleiter Maximilian Roeser. Rund 900 Meter Schienenlänge hat die alte und neue Eurosat-Achterbahn. Auf Wunsch der Macks orientiert sich das neue Streckenlayout dabei sehr nahe am von Franz Mack entwickelten Original in der Silberkugel. Daniel Ruda