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15. Februar 2010 00:03 Uhr
Fragen und Antworten
Was muss ich bei einem Praktikum beachten?
Für die einen sind Praktika eine ausgezeichnete Möglichkeit, Erfahrungen in der Berufswelt zu sammeln – für andere stehen sie unter dem Verdacht des Lohndumpings. Fragen und Antworten .
Welche Formen von Praktika gibt es?
Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten von Praktika unterschieden. Zum einen gibt es Praktika, die zum Kennenlernen des Berufslebens dienen, zum Beispiel während der Schulausbildung oder im Rahmen eines Studiums. Hierzu zählen Schnupperpraktika oder Schülerpraktika mit kurzer Dauer. Oftmals handelt es sich hierbei um sogenannte Pflichtpraktika, die im Rahmen einer längerfristigen Ausbildung absolviert werden müssen. Die genauen Bestimmungen zur Ausgestaltung solcher Praktika ergeben sich aus der jeweiligen Ausbildungs- beziehungsweise Studienordnung.
Zum zweiten gibt es Praktika, bei denen nicht die Arbeitsleistung, sondern der Erwerb beruflicher Kenntnisse im Vordergrund stehen, ohne dass es sich dabei um eine Berufsausbildung nach dem Berufsausbildungsgesetz handelt. Diese freiwilligen Praktika werden von Personen absolviert, die nach einer Ausbildung oder einer beruflichen Auszeit den (Wieder-) Einstieg ins Berufsleben suchen. Zudem werden Praktika von Studenten, die nicht durch die Studienordnung definiert sind, ebenfalls diesem Typus zugeordnet.
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Habe ich Anspruch auf einen Praktikumsvertrag?
Nein. Trotzdem ist es für Praktikanten, abgesehen von den sogenannten Pflichtpraktika, bei denen die Inhalte ohnehin festgelegt sind, wichtig, einen Praktikanten-Vertrag zu bekommen. Seriöse Unternehmen werden dieser Bitte auf alle Fälle entsprechen. Ein Praktikantenvertrag hilft nicht nur, die Arbeitsinhalte, Rechte und Pflichten auch hinsichtlich der Arbeitszeit zu definieren. Zugleich können mögliche Konflikte gleich im Vorfeld ausgeräumt werden.
Wie lange sollte ein Praktikum dauern?
Gesetzlich gibt es keine zeitliche Begrenzung, Praktika können von beliebiger Dauer sein. Außerhalb von den zu absolvierenden Pflichtpraktika wird von Praktika, die länger als drei Monate dauern, abgeraten. Der lernende Charakter geht dann verloren. Und das Unternehmen sollte nach dieser Testphase wissen, ob der Praktikant für ein reguläres Arbeitsverhältnis geeignet ist und perspektivisch einen Mehrwert für das Unternehmen darstellt.
Bei welchen Unternehmen soll ich ein Praktikum machen?
Eine große Anzahl von Praktikanten im Vergleich zu den fest angestellten Mitarbeitern sollte ein warnendes Zeichen sein. Zum einen bleibt hier wenig Zeit für die Betreuung des einzelnen Praktikanten, zum anderen sind die Chancen gering, im Anschluss übernommen zu werden. Viele wollen bei großen, namhaften Unternehmen praktizieren. Diese Praktika sind jedoch umkämpft und bieten wenige Chancen für eine Übernahme.
Tipp: Besser ist es, gezielt nach einem kleinen oder mittleren Unternehmen zu suchen, das den Interessen und Fähigkeiten des Praktikanten entspricht. Vielleicht ergibt sich daraus zumindest die Möglichkeit zu einer Diplomarbeit oder eines befristeten Arbeitseinstiegs.
Habe ich Anspruch auf eine Vergütung?
Auch hier gibt es ein klares Nein. Inzwischen hat sich jedoch durchgesetzt, dass ein Unternehmen bei einem dreimonatigen Praktikum mindestens 300 Euro pro Monat bezahlt.
Was sollten Unternehmer beachten?
Der Gesetzgeber und die Gerichte sind sich einig, dass ein Praktikum Ausbildungscharakter haben muss. Das Lernen steht im Mittelpunkt, das heißt die Praktikanten dürfen nicht die gleichen Arbeiten im selben Umfang wie ein Festangestellter übernehmen. In jüngster Zeit gab es hier zahlreiche Gerichtsverfahren, die in den allermeisten Fällen zu Gunsten der klagenden Praktikanten entschieden wurden. Das kann für den Betrieb teuer werden. Meist mussten sie rückwirkend den vollen Lohn eines regulär im Unternehmen Beschäftigten bezahlen, sowie die Sozialversicherungsbeiträge samt Gerichtskosten erstatten.
Sollen Hochschulabsolventen Praktika absolvieren?
Nach dem Abschluss einer akademischen Ausbildung sollten keine Praktika mehr gemacht werden. Jegliche Form von (besser) bezahlter Arbeit ist einem Praktikum vorzuziehen, selbst Aushilfsjobs. Freie Mitarbeiten, Trainee- und Berufseinstiegsprogramme sind für Absolventen das Richtige. Falls es aber gar nicht anders geht, sollten maximal zwei Praktika absolviert werden. Eine höhere Zahl wird von Personalern bei zukünftigen Bewerbungen negativ bewertet.
Kann ich als Praktikant ein Zeugnis einfordern?
Bei den Pflichtpraktika kann ein Zeugnis nur eingefordert werden, wenn dies in den maßgebenden Schul-, Hochschul-, oder Studienordnungen ausdrücklich vorgesehen ist. Bei allen anderen Praktika, bei denen der Erwerb beruflicher Kenntnisse im Vordergrund steht, haben Praktikanten grundsätzlich Anspruch auf Ausstellung eines schriftlichen Zeugnisses.
Autor: Dominik Haubner
