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02. August 2011 14:34 Uhr

Immer unter Spannung

Wie die Firma Klotter aus der Ortenau Metalldiebe stoppen will

Die Kabeldiebe werden dreister, die Schäden größer. Doch eine Firma aus der Ortenau hat nun ein sensorgesteuertes Alarmgerät entwickelt. Mit allerlei Technik soll damit der Kupferdiebstahl gestoppt werden.

  1. Derzeit in jeder Form begehrt: Kupfe Foto: dpa

Anfang Juni luden nach Mitternacht Diebe vom Gelände einer Firma in Märkt im Landkreis Lörrach 2000 Meter aufgerolltes Kupferkabel auf einen Lastwagen. Sie entkamen unerkannt. Wenige Kilometer entfernt, in Haltingen, waren wenige Tage zuvor von einer Baustelle 191 Meter Kupferstromkabel unerlaubt abgeholt worden. Die gestiegenen Rohstoffpreise locken die Langfinger.

Für die bestohlenen Unternehmen ist der Materialschaden selten das einzige Problem. Ruht die Produktion oder verzögern sich Bauarbeiten, kostet dies ein Vielfaches eines Kabels. Ein Patentrezept gegen den Kabelklau gibt es nicht. Aber die Firma Klotter aus Rheinau in der Ortenau setzt auf Abschreckung: mit ihrem speziellen Alarmgerät KKAG. Das ist ein sensorgesteuertes Überwachungsgerät, das an Kabel angeschlossen wird und einen Alarm auslöst, wenn die Leitung beschädigt oder durchgeschnitten wird. Eine Signalhupe und ein Lichtstrahler werden aktiviert, zugleich per SMS der Wachdienst alarmiert. Da bleibt kaum Zeit, die schwere Beute mitzunehmen.

Kiesgruben liegen schon mal drei Tage still

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Die Zuleitungen von Schwimmbaggern oder Förderbändern in Kiesgruben sind begehrtes Diebesgut. Wenn solch eine Leitung gestohlen wird, kann ein Werk zwei bis drei Tage stillliegen. Die Installation eines Alarmsystems für knapp 3000 Euro kommt in einem solchen Fall billiger als ein Produktionsausfall. Die Versicherungen sind jedenfalls von Klotters Sicherheitssystem angetan.

Die Diebstahlsicherung ist bei Klotter als Nebenprodukt entstanden. Der 1997 von Werner Klotter gegründete Handwerksbetrieb ist an der Schnittstelle zwischen Starkstrom und Niederspannungsstrom tätig und bei der Verteilung der elektrischen Energie auf Leitungen und Elektrogeräte. Dafür sind Transformatoren, Verteiler und Schaltkästen nötig. Alles sind komplizierte Geräte, die der Normalbürger selten sieht.

Klotters Schalt- und Verteilerschränke sind von einem anderen Kaliber als haushaltsübliche Sicherungskästen. Es sind große Anlagen, die in Industriebetrieben die Produktion oder in Schulen, Kliniken und Supermärkten die Haustechnik mit Strom versorgen. "Wir sind die Elektriker der Industrie", sagt Werner Klotter (52) – mit Spezialkenntnissen für "Arbeiten unter Spannung". Gemeint sind Tätigkeiten an den Schalt- und Regeleinrichtungen, während der Strom nicht abgestellt wird.

Klotter hat wie sein Vater Elektriker gelernt, dazu den Elektrotechniker gemacht und nach einigen Jahren als Angestellter sein eigenes Unternehmen gegründet. Seine Frau Roswitha ist als Volkswirtin der kaufmännische Pol des Betriebs. Nach 14 Jahren ist aus der Garagenfirma ein mittelständisches Unternehmen mit 60 Mitarbeitern geworden, das rund sechs Millionen Euro im Jahr umsetzt.

Mit einem zweiten Standort in Freiburg-Gundelfingen und Kunden in Deutschland, Spanien und Russland. Meist aber bleibt man in der Region, um etwa den Abfüllvorgang des Peterstaler Wassers aus der Tiefe der Erde in die Flaschen zu regeln.

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Autor: Heinz Siebold