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31. Januar 2012 11:31 Uhr

Rückschlag

IUCE: Wissenschaftsrat verweigert privater Uni die Anerkennung

  1. Die International University of Cooperative Education hat keine Akkreditierung vom Wissenschaftsrat bekommen. Foto: Ingo Schneider

Das Konzept entspreche nicht den wissenschaftlichen Maßstäben einer Hochschule, heißt es in der Entscheidung des Rates. Auch das Finanzierungskonzept, das ein vom Land beauftragter Wirtschaftsprüfer unter die Lupe genommen hat, berge erhebliche Risiken. Kanzler Robert Wetterauer zeigte sich überrascht.

Das Problem ist nun: Die ersten Studierenden werden im Herbst ihr Studium nach derzeitigem Stand der Dinge mit einem Bachelor abschließen, der staatlich nicht anerkannt ist. Arndt Oschmann, Pressesprecher des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums, weist darauf hin, dass das Ministerium die staatliche Anerkennung an das Ja des Wissenschaftsrates knüpfe, dem liege ein Beschluss der Landesregierung von 2002 zugrunde. "Dies wurde auch der IUCE gegenüber von Anfang an deutlich gemacht." Wetterauer seinerseits nimmt das Ministerium in die Pflicht – auch, was die Anerkennung der Abschlüsse betrifft. Schließlich seien alle bisherigen Schritte mit dem Ministerium, welches offiziell beim Wissenschaftsrat den Antrag auf Einleitung des Akkreditierungsverfahrens gestellt hatte, abgesprochen gewesen. Laut BZ-Informationen wurde schon dieser erste Antrag zunächst abgelehnt.

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Lehrbetrieb aufgenommen ohne Anerkennung

Das Land, sagt Ministeriumssprecher Oschmann, habe nach einer Vorortbegehung einer Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates die IUCE auf eine Überarbeitung des Hochschulkonzepts gedrängt. "Diese Nachbesserungen wurden vom Wissenschaftsrat für nicht ausreichend erachtet." Rund 15 Prozent der Anträge werden vom Wissenschaftsrat abgelehnt. Oft handle es sich dabei um Hochschulen im Aufbau, sagt Rebecca Taubach vom Referat Hochschulinvestitionen und Akkreditierungen des Wissenschaftsrats. Die meisten legten nach und stellten neue Anträge. Eher selten der Fall sei es allerdings, dass eine Hochschule den Lehrbetrieb schon aufnehme, ohne die staatliche Anerkennung zu haben. Taubachs Fazit: "Im Moment ist die IUCE nicht berechtigt, einen Hochschulgrad zu verleihen."

Die IUCE will sich von der Entscheidung nicht ins Bockshorn jagen lassen. "Auf den Lehrbetrieb hat das keine Auswirkungen. Jetzt ist Kampfgeist angesagt", sagt Robert Wetterauer, einer von drei Gesellschaftern der zum Angell-Verbund gehörenden IUCE; die anderen sind seine Mutter Antoinette Klute-Wetterauer und sein Onkel Friedrich Klute. 2009 hatte die IUCE in Räumen auf dem Angell-Campus an der Kronen- und Lessingstraße mit 31 Studierenden den Lehrbetrieb aufgenommen. Das Prinzip der IUCE ähnelt dem der aus den Berufsakademien hervorgegangene Dualen Hochschule Baden-Württemberg: Praxissemester wechseln mit Unterrichtseinheiten. An der IUCE sind derzeit 220 Studierende eingeschrieben, zum kommenden Wintersemester sollen es 400 sein, in zehn Jahren – so Wetterauers Vision – 1500.

Die Kritik des Rats ist scharf: Der IUCE fehle "Sensibilität im Bereich der akademischen Selbstverwaltung", heißt es im Akkreditierungsentscheid. Berufungsverfahren für Professoren seien nicht hochschuladäquat geführt worden, es mangele an externen Fachvertretern in der Berufungskommission – ein offener Wettbewerb sei nicht gegeben.

Solvenz nur bis 2013 bescheinigt

Designierte Professoren hätten keine Freiräume für freie Forschung. Summa summarum sei die akademische Freiheit nicht garantiert. So entscheide der kaufmännische (Wetterauer) über die Bestellung des akademischen Geschäftsführers Marco Wölfle (seit Herbst 2011 Rektor der IUCE). Die Träger setzten auch das Kuratorium ein, das über die Grundordnung entscheide. Zudem fehle es in den Praxisphasen an akademischen Standards. Ziele und Umsetzung einer kooperativen Forschung seien nicht klar definiert. Hinzu kommt: Die im Namen propagierte Internationalität sei nicht gegeben, weder seien Auslandsaufenthalte für Studenten geplant noch sei die IUCE mit ausländischen Hochschulen und Firmen vernetzt. Und: Das Eigenkapital sei nahezu vollständig aufgebraucht, die Solvenz nur bis 2013 bescheinigt.

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Autor: Frank Zimmermann