"Die Leidtragenden sind wir"

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Sa, 21. Juli 2018

Binzen

Wittlingen und Schallbach sehen die Erweiterung des Reiterhofs im Mattental kritisch.

RÜMMINGEN. Die geplante Auslagerung und die damit verbundene Erweiterung des Reiterhofs Ludäscher sorgte nun auch im Verwaltungsverband Vorderes Kandertal für Diskussionen. Sowohl Wittlingens Bürgermeister Herr als auch sein Schallbacher Amtskollege Gräßlin machten ihrem Ärger über das Projekt Luft und verweigerten aus Protest der dafür notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans die Zustimmung. Die notwendige Mehrheit fand der Verwaltungsvorschlag in der Verbandssitzung gleichwohl.

"Wir fühlen uns mit unseren Sorgen hier einfach nicht ernst genommen", fasste Bürgermeister Michael Herr seine Kritik an dem Projekt zusammen. Dabei ging es ihm nicht nur darum, dass man in Wittlingen wie auch in Schallbach befürchtet, dass die Pferde beim Ausreiten auf den Feld- und Waldwegen große Schäden verursachen. Als besonders ärgerlich bezeichnete es Herr, dass die Kritikpunkte, die der Wittlinger Gemeinderat vor rund einem Jahr angemeldet und auch schriftlich nach Rümmingen geschickt hatte, bis heute nicht beantwortet wurden. "Alles was wir über das Projekt wissen, haben wir aus der Zeitung", beklagte er sich bei Bürgermeisterin Daniela Meier. Da bleibe ihm gar nichts anderes übrig, als nun die Änderung des Flächennutzungsplans abzulehnen, erläuterte er seine Haltung.

Schallbaches Bürgermeister Martin Gräßlin pflichtete Herr in seiner Argumentation bei. Das Versprechen von Reitstallbesitzer Ludäscher, dass die Pferde beim Ausreiten doch alle Nummern am Halfter tragen würden und damit auch jene Reiter identifiziert werden könnten, die gegen Regeln verstoßen, sei in seinen Augen eher nutzlos. "Wir haben in den vergangenen Jahren schon immer wieder Erfahrungen mit Herrn Ludäscher gemacht und die waren nicht immer gut", kommentierte er das Angebot.

Gemeinderat Gerhard Welzel hatte zuvor die Einflüsse des Reiterhofs mit seinen verschiedenen Hallen und Gebäuden sowie den geplanten Aufschüttungen auf den Hochwasserschutz hinterfragt. Dass das Projekt da alle Hürden genommen habe, wunderte ihn doch. Allem voran machte er sich Sorgen, ob die Bebauung nicht doch Auswirkungen auf den Tennisplatz hätte, was die Gutachter aber verneinten haben, wie Planer Stephan Färber ausführte.

Die Bürgermeister und Vertreter aus den weiteren Verbandsgemeinden stimmten für die gewünschte Änderung des Flächennutzungsplans. Bürgermeisterin Meier in doppelter Funktion, als Verbandvorsitzende und Rümminger Bürgermeisterin angesprochen, entschuldigte die ausgebliebene Information damit, dass sich die Pläne für den Reiterhof mehrfach verändert hätten. Nun sei man aber an einem Punkt, wo alles zusammengeführt werden könne, versicherte sie. Das Verfahren sei im Übrigen angestrengt worden, um einem unkoordinierten und unkontrollierten Ausbreiten des privilegieren Betriebs Einhalt zu gebieten, erläuterte sie den Hintergrund. Dass solche Entwicklungen gestoppt werden müssten, da stimmte ihr auch Herr zu.