Hybridzüge auf der Kandertalstrecke

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Di, 10. Juli 2018

Binzen

IG Pro Kandertalbahn sieht in einem Testlauf die Möglichkeit, späteren S-Bahnbetrieb zu simulieren / Bürgerinformation am 18. Juli.

KANDERTAL. Mit dem Einsatz von Zügen mit Hybridantrieb ließe sich ein S-Bahn-Verkehr durch das Kandertal relativ rasch und emissionsfrei realisieren. Davon ist die IG Pro Kandertalbahn überzeugt. Ihre Sprecher sehen sogar gute Chancen, dass die Kandertalschiene zur Teststrecke für solch innovative Züge wird. In einem Bürgerinformationsabend am 18. Juli bei der Firma Resin zeigen Experten Perspektiven auf.

Peter Völker, Markus Kern, Peter Oehler und der Binzener Unternehmer Friedrich Resin laden namens der IG Pro Kandertalbahn und der Nahverkehrsinitiative Kandertal am Mittwoch, 18. Juli, um 19 Uhr Detlef Dittmann vom Unternehmen Alstom, der über "Neueste Hybridzüge auf Brennstoffzellen-Basis" informiert sowie Irene Knauber vom Rheinfelder Versorger Energiedienst ein, die das Pilotprojekt "Power to Gas" vorstellt. Dritter Referent ist Verkehrsinfrastrukturplaner Peter Oehler selbst, der aufzeigen will, wie sich eine S-Bahn auf der Entwicklungsachse Kandertal in das S-Bahnnetz der Agglomeration Basel integrieren ließe. So ist für Oehler eine Anbindung aus dem Kandertal nicht nur nach Lörrach oder Basel, sondern auch an den Euroairport denkbar.

"Alstom sucht für seine Hybridzüge mit Brennstoffzellentechnik Teststrecken", schildert Markus Kern. Die Kandertalschiene würde sich für einen solchen Pilotbetrieb eigenen, weiß er. Der Konzern habe aus dem Stuttgarter Verkehrsministerium diesbezüglich bereits positive Signale erhalten, Fördergelder stünden auf Abruf bereit, ergänzt Völker.

Energiedienst holt man mit ins Boot, weil der Versorger nach Möglichkeiten sucht, wie Überschüsse aus der Stromerzeugung in Wasserstoff umgewandelt werden können – den Grundstoff also, den Brennstoffzellen als Energieträger benötigen.

Ein Testlauf böte der Bevölkerung die Möglichkeit, einen realistischen Eindruck davon zu bekommen, was ein möglicher S-Bahn-Betrieb durchs Kandertal an Positivem oder möglicherweise auch Belastendem mit sich bringen würde, sagt Markus Kern. Und noch mehr: Wenn man auf Hybridzüge setze, könne man auf den langwierigen Bau einer Oberleitung verzichten und damit einen gewaltigen Kostenfaktor eliminieren.

Friedrich Resin sieht in einer S-Bahn durch das Kandertal, für die sich die BI einsetzt, ein Thema, das nicht nur den Unternehmen unter den Nägeln brennt, weshalb man sich mit einem Zeithorizont von 20 Jahren und mehr nicht abfinden wolle. Denn in der Ansiedlungspolitik – und das Kandertal soll ja eine Zuzugsregion bleiben – sei die Anbindung an ein S-Bahnnetz heute ein fast schon unverzichtbarer Trumpf. Die Reduzierung des Individualverkehrs, eine staufreie Erschließung der Arbeitsplätze zwischen Binzen und Kandern und die rasche Überbrückung des Kandertals für Pendler – das seien ihre Hauptanliegen, betonen die Initiatoren, für die die im ersten Versuch gescheiterte Gründung eines Fördervereins, über den Gelder für ein neues Gutachten gesammelt werden sollten, nicht mehr oben auf der Agenda steht.

Sie fordern eine klare politische Willensbekundung des Kreistages für dieses Projekt, um es zügig auf den Weg bringen zu können. Der Informationsabend mit Aussprache soll das Anliegen nun weiter in der Bevölkerung verankern. Übrigens: Durch den Verzicht auf eine Oberleitung könnte die Kandertal-Museumsbahn ihren Betrieb wie bisher aufrechterhalten.

Bürgerinformation zum Thema "Die emissionsfreie Reaktivierung der Schiene im Kandertal" am Mittwoch, 18. Juli, 19 Uhr, in den Räumen der Firma Resin am Dreispitz.