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28. Dezember 2011

Der Weihnachtstag im Jahre 786

1225 Jahre ist es jetzt her, dass Wittnau zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde.

  1. Viel Beifall bekam Elfi Harter-Bachmann für ihren Wittnau-Vortrag auch von Bürgermeister Enrico Penthin (links) und Jörg Tintelnot vom Verein „Wittnauer Leben“. Foto: Anne Freyer

WITTNAU. 1225 Jahre danach – ja, nach was eigentlich? Nach der ersten urkundlichen Erwähnung Wittnaus und damit seiner Gründung, noch dazu an einem ganz besonderen Tag: dem 26. Dezember des Jahres 786. Dass das alles hieb- und stichfest ist, wies Elfi Harter-Bachmann in einem Vortrag nach, den sie im katholischen Pfarrhaus Wittnau hielt. Dazu eingeladen hatten das Bildungswerk und der Verein "Wittnauer Leben".

"Eine besondere Weihnachtsgeschichte" hatte Elfi Harter-Bachmann ihren kurzweiligen Vortrag überschrieben, und in der Tat: Das Weihnachtsfest im Jahr 786 hat für die Hexentalgemeinde ein ganz besondere Bedeutung. Ein eher unauffälliges Blatt, engbeschrieben und vielfach quergefaltet, beweist es: die Urkunde, auf die sich Wittnau seine Herkunft betreffend berufen kann. "In Gottes Namen: Ich, Heimo und dessen Tochter Suanailta übergeben und schenken gleichermaßen an das Kloster des heiligen Gallus, das in Arbongau errichtet ist, ... das Dorf, das Meresunir (Merzhausen) genannt wird". So beginnt der in ungelenkem Latein abgefasste Text, in der Übersetzung nachzulesen in der ebenfalls von Elfi Harter-Bachmann betreuten Ortschronik. Im Text heißt es etwas später: "Ich habe die Urkunde ausgestellt am 7. Tage vor dem 1. Januar, als unser Her Karl, König der Franken im 19. Jahre herrschte" – mithin am 26. Dezember 786.

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Ein dichtgedrängtes Publikum verfolgte gespannt die Ausführungen, die zuweilen an einen spannenden Krimi erinnerten. Denn was da von der Referentin an Zeitgeschichte von 786 bis heute zusammengetragen worden war, ließ eine Vergangenheit lebendig werden, die bunter und dramatischer kaum zu denken ist.

Dinghof des klösterlichen Statthalters stand auf Wittnauer Boden

Vor allem aber wurde deutlich, dass das heute so beschauliche und ländlich geprägte Wittnau für lange Zeit ein bedeutender Außenposten des Klosters St. Gallen war und als solcher sogar eine Art "Hauptstadt" des gesamten Breisgaus darstellte – ein Umstand, der besonders den anwesenden Bürgermeister von Wittnau, Enrico Penthin, begeisterte, wie er in einem kurzen Redebeitrag zugestand. Zwar wird Merzhausen an erster Stelle genannt, doch hatte der Statthalter des Klosters St. Gallen, jener Heimo, seinen "Dinghof" und damit seinen Wohnsitz auf Wittnauer Gebiet, wodurch sich der Ort legitimiert sah, seinen Ursprung auf das Jahr 786 festzulegen.

Was es mit dem Kloster St. Gallen und seiner ausgeklügelten Besitzstandsmehrung auf sich hatte, erfuhren die Zuhörer ebenfalls. Historisch erwiesen ist, dass das 8. und 9. Jahrhundert die Blütezeit des frühmittelalterlichen Klosters im Breisgau war. Die Gebiete um Schönberg und Batzenberg herum waren besonders begehrt, denn hier wuchs ein Produkt, das sich größter Beliebtheit erfreute: Wein. Deshalb sicherte sich das Kloster gerade in dieser Region die Herrschaft über auffallend viele markante Orte und errichtete dort Wirtschafts- oder "Ding" -Höfe, die als Sammelstellen für die an das Kloster zu entrichtenden Natural- und später Geldzinsen fungierten. Ein solcher Hof, so die Historikerin, wurde in der mittelalterlichen Rechtssprache als "Wittum" bezeichnet – womit sich der Name des heutigen Wittnau erklärt.

Nicht weniger als 20 Namen finden sich als Unterzeichner auf der Urkunde, die am Vortragsabend in Kopie zu besichtigen und zu studieren war. Das Original wird bis heute im Archiv des Klosters St. Gallen aufbewahrt und gibt außer über den Ursprung von Wittnau und seinen Nachbarorten Auskunft über die interessanten Rechtsgeschäfte, mit denen der Klerus seinen Besitz sicherte. Gerne bediente man sich dabei des sogenannten "Prekariums": Bittleihe, Gebrauchsüberlassung, bedingte Schenkung und Altersvorsorge in einem. Dabei wurden dem Kloster auf Widerruf, also auf Zeit, Güter verliehen beziehungsweise geschenkt als eine Art Pfründe, die der Schenkende wiederum als Lehen zurückerhielt – "eine ganz schlaue Art von Besitzstandswahrung für den Schenkenden und im weitesten Sinne vergleichbar mit dem heutigen Erbbaurecht", befand die Historikerin. Das Kloster St. Gallen habe auf diese Weise eine Fülle von Gütern, Einkünften und Rechten im gesamten Breisgau erworben mit zwei Schwerpunkten: der eine am Rheinknie bei Basel, der andere in der heutigen Freiburger Bucht einschließlich des Dreisamtals. Die zentrale Verwaltungsörtlichkeit der Besitzungen im Breisgau sei nachweislich Wittnau gewesen, zumindest bis um 1300 – dann übernahm die Probstei Ebringen diese Rolle.

Autor: Anne Freyer