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07. Oktober 2009
"Die Mundart gehört einfach dazu"
Beim Wittnauer Alemannentag betonten Regierungspräsident und Bürgermeister die besondere Bedeutung des Brauchtums
WITTNAU. Tradition, Mundart, Brauchtum – drei Begriffe, die für manchen altmodisch erscheinen. Dass die drei aber keineswegs verstaubt rüberkommen müssen, wurde einmal mehr beim Wittnauer Alemannentag demonstriert. In diesem Jahr trat der elsässische Liedermacher Rene Egles auf und begeisterte das Publikum mit teils humorvollen, teils melancholischen und sozialkritischen Stücken.
Ausgerechnet auf den Tag der deutschen Einheit fiel der diesjährige Alemannentag, der in diesem Jahr bereits zum 37. Mal vom Wittnauer Verkehrs- und Trachtenverein und der Gemeinde organisiert wurde. Deutsche Einheit und regionales Brauchtum – ein Widerspruch? "Nein", erwiderte der Schirmherr des Brauchtumsabends, Regierungspräsident Julian Würtenberger. "Seien wir froh, dass nicht alles so einheitlich ist. Stellen Sie sich mal vor, alle würden so schwätzen wie die in Hannover", erklärte er in seiner Ansprache und sorgte damit für Lacher im Publikum. Denn bei aller Einheit und Identifikation mit der Bundesrepublik im Kleinen und Europa im Großen, das Heimatbewusstsein und die eigenen Traditionen solle man nie vernachlässigen. Auch Bürgermeister Enrico Penthin pflichtete ihm da bei: "Brauchtum und Mundart, das gehört bei uns einfach dazu".Werbung
Worte, die bei der Veranstaltung am Samstagabend leicht zu beweisen waren, denn die Wittnauer Hirschenscheune war rappelvoll, alle Karten waren verkauft. Unter den Gästen waren auch Vertreter der "Muettersproch-Gsellschaft", sowie Sven von Ungern-Sternberg, der Vorgänger Würtenbergers im Amt des Regierungspräsidenten und derzeitiger Vorsitzender des Vereins Badische Heimat.
Mit dem elsässischen Liedermacher Rene Egles konnte einmal mehr ein Künstler gewonnen werden, der weit über die Region hinaus einen Namen hat. Auch in Österreich und der Schweiz tritt der Straßburger regelmäßig auf. Mundartgesang heißt bei Egles aber keineswegs volkstümliche Musik, von der er sich scharf abgrenzen möchte. "Das was Sie da in der volkstümlichen Hitparade zu sehen bekommen, das hat doch mit Folklore nichts zu tun, das ist doch nur peinlich", wettert er gegen den Schlagerzirkus im Fernsehen.
Für ihn ist Mundart und Brauchtum nicht gleichbedeutend mit heiler Welt. Auch soziale Probleme kommen in seinen Werken immer wieder vor, etwa wenn er in einem Lied die Einsamkeit und Armut der "sans domicil fixe", der Obdachlosen auf Straßburgs Straßen behandelt. Doch auch heitere und humorvolle Stücke sind in seinem Repertoire. Viele davon sind musikalische Anekdoten aus der eigenen Kindheit, Erinnerungen an das Elternhaus und die elsässische Heimat, in der das Alemannische immer mehr in Vergessenheit gerät. Aber auch überregionale Themen spielen eine Rolle, etwa bei einem irischen Volkslied oder einer Mundart-Adaption des Klassikers "The Streets of London".
Doch es sind nicht nur die Texte, die unter die Haut gehen, denn ebenso gefühlvoll wie sein Gesang ist auch seine Begleitung auf der Gitarre, der Handharmonika oder der Mundharmonika. Wobei hier vor allem Jean-Paul Distel erwähnt werden muss, ein Gitarrenvirtuose, der Egels bereits seit über zehn Jahren auf vielen Konzerten begleitet. Auch in Wittnau ist Distel dabei und zeigt eine begeisternde Leistung auf der Gitarre und der Dobro, einer speziellen Gitarre, die hauptsächlich in der amerikanischen Countrymusik zum Einsatz kommt. Ein Duo, das gesanglich und instrumental in höchstem Maße harmoniert.
Auch wenn die Stücke in Stil und Melodie sehr unterschiedlich auskommen, sie eint doch alle die Liebe zur elsässischen Heimat und Sprache. "Muettersproch", betont er mehrfach, sei eben die Sprache der Mutter, dem liebsten und wichtigsten Menschen, den es auf der Welt gebe.
Das Publikum bedankte sich für den Auftritt mit lang anhaltendem Applaus, und auch Ernst Lutz, der Vorsitzende des Verkehrs- und Trachtenvereins, ist zufrieden: "Ich glaube, wir haben mal wieder bewiesen, dass man auch in der Mundart hochklassig und spritzig rüberkommen kann."
Autor: Michael Saurer
