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23. Mai 2017

Fachsimpeln unter Experten

500 Besucher kommen zum Traktorentreffen am Schützenhaus in Wittnau / Ausfahrt durch das Hexental nach Ehrenkirchen.

  1. Der dreijährige Benjamin mit einem Kinderrad aus den frühen Nachkriegsjahren Foto: Ralph Fautz

  2. Strahlender Sonnenschein, mächtiges Wummern und der Geruch von Benzin und Diesel in der Luft - beim Schützenhaus in Wittnau war beim Traktorentreffen einiges geboten, was die Herzen von Technikbegeisterten jeden Altes höherschlagen ließ. Foto: Ralph Fautz

  3. Foto: Ralph Fautz

  4. Foto: Ralph Fautz

WITTNAU. Rekordverdächtig. Dieses Wort würde schon ausreichen, das Traktorentreffen vom Sonntag am Schützenhaus zu beschreiben. Knapp 100 Trecker, rund 500 Besucher und Bilderbuchwetter. Aber auch ein randvoller Parkplatz, volle Bänke und Bedienungen, die auf Hochtouren arbeiten mussten. Kurzum: Es passte alles und Technikfans kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Ein Wummern hallt durch den Wald, das erst langsam, dann immer schneller wird und im Takt des donnernden Motors stoßen blaue Dunstwolken aus dem Schornstein des wuchtigen Lanz Bulldogs. Was bei normalen Pkw verpönt ist, gehört hier einfach dazu und schafft eine authentische Atmosphäre mit dem Geruch von Benzin und Diesel in der Luft. An Fahrzeugen ist alles dabei, vom makellos restaurierten Liebhaberstück bis zum Arbeitstier, das auch weiterhin in diversen Rebbergen seine Runden zieht.

Kein Traktorentreffen ohne Ausfahrt und deswegen geht es hinunter nach Wittnau, das Hexental entlang durch Sölden und Bollschweil nach Ehrenstetten bis zur Jengerschule und wieder retour. "Augen auf" heißt es dabei, denn das Organisationsteam um Matthias Hug hat entlang der Strecke einzelne Buchstaben versteckt, die es zu entdecken gab. Das Lösungswort hat etwas mit Traktoren zu tun und fließt in die Gesamtbewertung am Ende ein. Auf "Schmiernippel" sind allerdings wenige Teilnehmer gekommen. Ferner gilt es zu schätzen, wie viele Kronkorken in einem Glasballon sind und Fotografien von Traktorteilen den entsprechenden Herstellern zuzuordnen. Aufgaben also, die es in sich haben und bei denen man nicht "mal schnell Google zur Hilfe hatte", freut sich Hug, der die Teilnehmer knobeln lässt.

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Zwischen Stirnrunzeln und Ratlosigkeit sind zwei Männer, die einen prüfenden Blick auf einen Güldner Schlepper werfen. "Irgendwas passt da nicht", meint der eine mit Blick auf das Schild "Gebr. Kramer GmbH" Der andere, ihm beipflichtend, mutmaßt, entweder sei ein Kramer-Motor drinnen oder das Schild nachträglich angebracht." Man weiß es nicht. Fachsimpeleien wie diese gehören dazu und selbst Diskussionen um die Frage, ob die Sechskantschraube am Rad vom Werk ab lackiert ist oder nicht, erscheint hier völlig normal.

Drei Jahre harter Arbeit und entsprechend Geld stecken im Güldner von Walter Fliegauf (79) aus Bad Krozingen-Hausen. Der 1955er mit 16 PS ist komplett restauriert und steht wie neu da. Gleiches Baujahr, aber eine Besonderheit weist der Deutz FL612/4 auf. Der Fahrersitz lässt sich wahlweise vor oder hinter das Lenkrad stecken. Mit seinem luftgekühlten Motor ist der gelernte Schlosser und Hobbymechaniker aus Oberrimsingen noch heute in den Reben unterwegs, wenngleich er mehr auf Ausfahrten anzutreffen ist. In Bremgarten als Standschlepper war der Trecker 15 Jahre abgemeldet und musste kernsaniert werden. Aus der Beregnungsmaschine für einen Weinberg wurde ein stattlich anzusehendes Stück erfahrbarer Geschichte.

Alte Traktoren nur was für alte Männer? Jonathan und Maximilian Oehm aus Ebringen faszinieren die Trecker. Klar, dass die neunjährigen Zwillinge auf Opas altem Lanz von 1956 ihm links und rechts über die Schulter schauen. Wer ganz mutig ist, der setzt sich an diesem Tag auf das Hochrad, das zusammen mit anderen Fahrrädern ausgestellt ist.

Nach dem Fest ist vor dem Fest, so Matthias Hug, Vorsitzender des Verkehrs- und Trachtenvereins Wittnau. Alleine die Genehmigungen durch das Landratsamt müssten ein halbes Jahr vorher in Angriff genommen werden, von der restlichen Organisation ganz zu schweigen, sagt er. Dass es ihm dennoch Spaß macht, das sieht man ihm an. War das Wetter in den vergangenen beiden Jahren morgens schlecht, so stimmte es diesmal von Anfang an.

Weitere Bilder gibt’s online unter mehr.bz/traktorentreffen

Autor: Ralph Fautz