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15. Dezember 2011

Genähtes, Gefilztes, Süßes, Salziges

Zum zwölften Mal fand in der Hirschenscheuer in Wittnau ein kleiner, aber feiner Weihnachtsmarkt statt.

  1. Krippenschau: Eine orientalische Szenerie wählte dieser Krippenbauer für die Darstellung von Christi Geburt. Eine weitere Attraktion des Weihnachttsmarkts war der Besuch des Nikolauses, der in einer stattlichen Kutsche vorfuhr. Foto: Anne Freyer

  2. Foto: Anne Freyer

WITTNAU. Schneeregen, Kälte und Windböen waren der Auslöser für den Weihnachtsmarkt, der in diesem Jahr zum zwölften Mal in der Wittnauer Hirschenscheuer ausgerichtet wurde. Reinhard Weber saß 1997 frierend vor seiner Christbaumplantage am Schönberg und wartete vergeblich auf Kunden – da kam ihm die Idee: ein Adventsmarkt im Ortskern wäre die Lösung.

Am Abend fand er am Stammtisch des Hirschens schnell Mitstreiter: zunächst den Besitzer einer Gärtnerei, Franz Schmidt von Schmidts Wurst-Lädele und das Wirtsehepaar Thomas und Eliane Winterhalter, in kürzester Zeit aber noch viele weitere. Der Charme und die besondere Atmosphäre in dem stimmungsvollen Raum, zu Beginn noch als Scheune genutzt, inzwischen renoviert und beliebter Veranstaltungsort, sprach sich sowohl bei den Besuchern aus auch bei den Ausstellern schnell herum.

Das Besondere am Angebot: Fast alle Stände hielten auch in diesem Jahr Selbstgemachtes bereit. Da gab es wieder zauberhaften Christbaumschmuck in allen Formen und Farben, Gestricktes, Gehäkeltes, Genähtes, Geschnitztes und Gefilztes sowohl als Dekoration als auch als Geschenk geeignet – und die Gäste machten reichlich Gebrauch davon und deckten sich für das Fest ein. Dabei kam auch das leibliche Wohl nicht zu kurz: Süßes und Salziges in jeder denkbaren Form konnte probiert, genossen und käuflich erworben werden. Extra für das Fest hatten sich beispielsweise die örtlichen Produzenten von Schwarzwälder Spezialitäten Leckereien wie Schinken und Würste aus dem in den umliegenden Jagdrevieren erlegten Wild ausgedacht, die es sonst nicht immer und überall zu kaufen gibt. Im Vorraum zur Scheuer konnte man sich mit Schaffellen und anderen winterlichen Wärmespendern eindecken. Für die Kinder stand die Weihnachtskutsche mit Nikolaus und zwei geduldigen Kaltblütern bereit, um sie durch den Ort zu fahren.

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Eine zusätzliche Attraktion bereicherte in diesem Jahr den Weihnachtsmarkt: die Krippenausstellung in der liebevoll restaurierten und für das Publikum geöffneten Pfarrscheune (die BZ berichtete). "Der Besucherstrom reißt nicht ab, die Leute kommen aus allen Richtungen und wollen das sehen", stellte Elfi Harter-Bachmann glücklich fest. Sie ist eine der in der "Initiative Pfarrscheune Wittnau" Aktiven, die sich für den Erhalt des denk-malgeschützten Ensembles aus Kirche, Pfarrhaus, Pfarrhof und Pfarrscheune starkgemacht und diesem Kleinod neuen Glanz verliehen haben. Über eines freuen sich die Mitglieder besonders: dass die in monatelanger Kleinarbeit fachgerecht eingebaute Treppe, die Empore und die Brüstungen aus dem Holz einer großen gespendeten Tanne dem Ansturm wie erhofft standhalten.

Bereits an zwei Adventssonntagen konnten sich Interessierte ein Bild von der zu neuem Leben erwachten Pfarrscheune machen und die 40 Krippen bewundern, die hier nun ausgestellt sind. Da ist alles versammelt, vom historischen Känsterle in Schuhkartongröße mit einem aus Wachs geformten Christkind bis zum prächtigen orientalischen Arrangement, komplett mit Prachtbau auf sanftem Hügel, Palmen und viel Volk. Ebenfalls viel Raum nehmen zwei Installationen ein, die im Maßstab von ungefähr eins zu zehn romantische Winkel der Stadt Rom im 18. Jahrhundert wiedergeben. Innenbeleuchtung und sanfte Farben machen die Illusion perfekt. Den zentralen Vorgang der Geburt Christi muss der Betrachter erst einmal suchen, denn er wird dargestellt als ein ganz alltägliches Geschehen inmitten einer Nachbarschaft, die daran nur beiläufig Anteil nimmt. Diese beiden Kostbarkeiten verdanken sich der Freundschaft von Elfi Harter-Bachmann mit einem Künstlerehepaar, das sich von aquarellierten Stadtbildansichten Roms der beiden Künstler Bartolomeo Pinelli (1781 bis 1835) und Ettore Franz Roesler (1845 bis 1907) hat inspirieren lassen. Die Kopien der Bilder hängen zum Vergleich an der Wand. Staunen machen auch die mit vielen Tieren und Menschen ausgestatteten Krippen, die je nach Herkunft und Heimat des Erbauers hoch in den Alpen, im Mittelgebirge oder in der Ebene angesiedelt sind. An allen Adventssonntagen spielt jeweils ein anderes Musikensemble.

Die Krippenausstellung ist noch einmal geöffnet am kommenden Sonntag, 18. Dezember, von 11.30 Uhr bis 17 Uhr.

Autor: Anne Freyer