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05. Oktober 2010
Große Liebe zu Land und Leuten
Mundartpoet Alfred Heizmann von der Reichenau gab beim Alemannentag in Wittnau eine gelungene Vorstellung.
WITTNAU. Mit einem "Alemannenmenü" und alemannischer Mundart vom Feinsten läutete Wittnau am Samstagabend den Alemannentag 2010 ein, eigentlich zwei Tage, denn am Sonntag ging es weiter. Nach einem gemeinsamen Kirchgang spielte die Trachtenkapelle Wittnau zum Frühschoppenkonzert auf und war die Hirschenscheuer zum zweiten Mal Schauplatz eines gemeinsamen Festmahls.
Ein sichtlich entspannter Bürgermeister Enrico Penthin, in Tracht mitsamt passendem Hut, begrüßte die gut gelaunten Gäste des Alemannenmenüs am ersten Samstagabend in der Hirschenscheuer. Unter ihnen: Landrätin Dorothea Störr-Ritter und Regierungspräsident a. D. Sven von Ungern-Sternberg. Alle Mitglieder des Verkehrs- und Trachtenvereins mit ihrem Vorsitzenden Ernst Lutz hatten sich in ihre schmucken Breisgauer Trachten geworfen und trugen so perfekt zum malerischen Gesamtbild in der stilecht hergerichteten Hirschenscheuer mit ihrem ländlichen Ambiente bei. Als Stargast des Abends und von allen, die ihn schon kannten, ungeduldig erwartet, begrüßte der Bürgermeister Alfred Heizmann von der Reichenau, bekannt durch seine Veröffentlichungen und Auftritte in Funk und Fernsehen. Das Blatt vor dem Mund ist seine Sache nicht, im Gegenteil. Genüsslich spießt er Schwächen, Pech, Pannen und Peinlichkeiten auf, die im privaten wie im öffentlichen Raum vorkommen, und das alles in unverfälschtem Dialekt. Dazu gibt es Natur- und Situationsbetrachtungen, die von großer Liebe zu Land und Leuten zeugen, getragen von Humor und – bei aller Spitzzüngigkeit – einer positiven Grundeinstellung.Werbung
Der bis vor zwei Wochen als Religionslehrer aktive Alfred Heizmann lässt auch immer wieder eine profunde Kenntnis der sogenannten Hochsprache erkennen, die sogar zur Authentizität seiner Texte beiträgt. Nicht weniges von dem, was er mit treffsicherem Gestus und verschmitztem Charme zu Gehör bringt, stammt aus seiner Feder, vieles gereimt und das manchmal auf abenteuerliche, aber immer stimmige Weise. Ob er sich fragt, was der Nikolaus im Frühling macht oder der Nichtraucher ohne den in kalte Außenbereiche verbannten Raucher, ob es um den in seiner Version sehr zweifelhaften "Alpenfrieden" geht oder den Zusammenbau eines "Schuhkäschtles" – immer gibt es da Wohlbekanntes zu entdecken. Und dass die Jogger und "Stockenten" am Waldsterben schuld sind, wegen Ausdünstung und Geruchsentwicklung, steht für ihn sowieso fest. Das wollte die begeisterte Läuferin Dorothea Störr-Ritter nicht auf sich und ihren Mitläufern sitzen lassen. Humorvoll griff sie den Faden auf, bot aber trotzdem dem wortgewandten Mundartdichter an, sich als Redenschreiber zu bewerben, wenn auch "blind". Der wiederum sah sich zu einer Replik herausgefordert, in der er sich zwar geehrt zeigte, jedoch eine gewisse Betroffenheit darüber, zu einer "Blindbewerbung" eingeladen zu werden, nicht verkneifen konnte. Das alles gefiel dem Publikum außerordentlich und hatte zur Folge, dass der begnadete Alleinunterhalter hoffnungslos überzog, was den Ablauf des Abends etwas durcheinander brachte, die Gäste aber umso mehr freute. Zu ihnen gehörte auch Sven von Ungern-Sternberg, der sich der Muettersproch-G'sellschaft stark verbunden fühlt, wie er in seinem Grußwort sagt, ebenso wie der anwesende Ex-Bürgermeister von Merzhausen, Eugen Isaak.
Autor: Anne Freyer
