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08. Oktober 2008
"Heimet muesch läbe und mache"
Wittnau feierte den Alemannentag einmal anders mit Mundartkabarett, Festgottesdienst und Frühschoppenkonzert
WITTNAU. Anders als in den Jahren zuvor gestaltete die Gemeinde Wittnau diesmal ihren traditionellen Alemannentag mit einem Alemannenabend am Samstag in der Hirschenscheune und einem Festgottesdienst mit anschließenden gemütlichen Beisammensein am Sonntag.
Um es gleich vorneweg zu sagen: Der Alemannentag war ein Erfolg. Die Hirschenscheune war am Samstagabend voll, die Kulisse mit ihrem historischen Gebälk und grob verputzter Bruchsteinmauer passte vorzüglich, das Programm war erstklassig und ebenfalls das Hausmachervesper. Da brauchte es nicht zu verwundern, dass die Gäste strahlten und auch die Verantwortlichen des Verkehrs- und Trachtenvereins.Man muss Vorstand Ernst Lutz, Ehrenpräsident Erich Birkle und Präsident Enrico Penthin also zu der Idee beglückwünschen, den traditionellen Wittnauer Alemannentag in die Scheune des Gasthauses "Zum Hirschen" verlegt und ihn dabei zu einem Alemannenabend umgestaltet zu haben. Der Auslöser war zwar wenig erfreulich, denn das bisherige Angebot in der Festhalle fand von Jahr zu Jahr weniger Anklang, der Neuanfang war jedoch umso schöner, nicht zuletzt für die Vereinsmitglieder selbst. Sie mussten nicht hinter der Theke, auf der Bühne oder im Service arbeiten, sondern konnten sich ebenso entspannt wie die Gäste den Freuden eines unterhaltsamen Programms hingeben.
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Der Verein hatte mit Stefan Pflaum einen der besten Mundartkabarettisten aus der Region eingeladen. Der diesjährige Träger des Regio-Kulturpreises der Stiftung Pro Europa präsentierte auf Alemannisch begleitet von Raimund Sesterhenn am Saxofon oder an der Violine und selbst Akkordeon spielend Nachdenkliches, jedoch lustig verpackt, gereimte Zungenbrecher und das Ergebnis scharfsinniger Beobachtungen der Gesellschaft und ihrer Trends. Den Gästen gefiel das ganz wunderbar, sie lachten Tränen und konnten nicht genug vom Wortwitz bekommen.
Ob es den Wittnauern auch schon aufgefallen ist, dass sich Freiburg längst zu einer "sprochligen Zwitterstadt" entwickelt hat. Stefan Pflaum meint das und führt Belege an, die ihm zu Ohren gekommen sind. "I wünschene e schöne Abend", sei der Mix eines Dialektrelikts aus Niedereggenen und des Hochdeutschen, der auch in umgekehrter Variante "Ich wünsche Ihnen e schene Obend" mit Obersimonswälder Einschlag vorkomme. Sprache ist also kein Zustand, sondern eine Entwicklung, was auch diese von Pflaum zitierte Verabschiedungs-floskel "Iche wünsche Ihnen viel schöne Obend" zeigt.
Die Zuhörer fanden sich wohl da und dort auch selbst wieder und lachten dennoch oder möglicherweise auch gerade deshalb Tränen. Klasse waren nicht nur die jeweiligen Stücke an sich, sondern auch der Wechsel zwischen witzigen und nachdenklichen Inhalten. Herausgegriffen aus der Fülle seien Stefan Pflaums Gedanken über den Begriff der Heimat: "D´ Heimet isch nit eifach do, Heimet muesch läbe und mache, …, sie isch e guet´s Versteck für alti Zepf, … Heimet ohne dich isch nie Heimet".
Es ist dem Verkehrs- und Trachtenverein zu wünschen, dass sich auch unter Jüngeren herumspricht, dass es Geistreiches auf Alemannisch gibt und es sich lohnt, den Samstagabend damit zu verbringen.
Am Sonntag feierte die Gemeinde den Alemannentag mit einem gemeinsamen Kirchgang und einem Frühschoppenkonzert der Trachtenkapelle Wittnau. Der Festgottesdienst war ganz den Alemannentag und den Erntedank ausgerichtet. Das Frühschoppenkonzert der Trachtenkapelle ( Leitung: Hans-Jürgen Groß ) in der Hirschenscheune führte nochmals alle zusammen, die in gemütlicher Runde beisammen sein wollten. Bürgermeister Enrico Penthin bedankte sich bei allen für das Gelingen des Alemannentages.
Autor: Von Silvia Faller und Otto Selb


