Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
26. November 2010
Tagsüber sind zu wenig Wehrleute im Ort
Gemeinderat Wittnau diskutiert den neuen Feuerwehrbedarfsplan / Tagbereitschaft kann oft nicht gewährleistet werden.
WITTNAU. In Wittnau bangen Bürgermeister Enrico Penthin und die Gemeinderäte um die Sicherheit im Brandfall. Denn die Freiwillige Feuerwehr kann die Tagesbereitschaft nicht mehr gewährleisten. Und das, obwohl bei Feueralarm immer auch ihre Kollegen in den Nachbarorten Sölden und Au gerufen werden. Im Jahr 2009 war es bei 40 Prozent der Einsätze nicht gelungen, innerhalb von zehn Minuten mit einer kompletten Staffel von sechs Leuten an der Einsatzstelle zu sein. Das aber schreibt das Feuerwehrgesetz vor.
Der Grund ist, dass die überwiegende Mehrzahl der 24 Aktiven unter dem Kommando von Ralf Waßmer und seinem Stellvertreter Frank Bürgi einen weiten Weg von ihrem Arbeitsplatz an den Wohnort hat. Nur vier Feuerwehrleute halten sich tagsüber in Wittnau auf. "In anderen Gemeinden herrscht das gleiche Problem", sagte Waßmer in der jüngsten Gemeinderatssitzung bei einer Aussprache über den neuen kommunalen Feuerwehrbedarfsplan. Weil in Au und Sölden die Mehrzahl der Aktiven ebenfalls nicht rechtzeitig am Gerätehaus ankomme, sei nun auch die gemeinsame Alarmierung der drei Wehren an Grenzen gestoßen.Werbung
Der Feuerwehrbedarfsplan stellt einerseits die ortsspezifischen Risiken und andererseits die aktuelle Ausstattung der Feuerwehr gegenüber, woraus sich mögliche Defizite ableiten lassen. Und so haben es die Gemeinderäte und der Bürgermeister nun auch schwarz auf weiß vor sich, wo es klemmt. Natürlich konnten sie die mangelnde Tagesbereitschaft in der Sitzung nur zur Kenntnis nehmen. Es entspann sich allerdings eine intensive Diskussion über Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten.
Eine noch engere Kooperation mit Nachbarwehren würde die Tagesbereitschaft nur dann verbessern, wenn ein zentrales Gerätehaus bestünde, erklärte Ralf Waßmer auf Fragen von Erik Lorenz und Alexander Schuldis (beide FWG). "Denn von dort aus rücken die Fahrzeuge ja aus. Wir können doch nicht an verschiedenen Orten Einsatzkleidung und –geräte vorhalten", sagte er. Frank Bürgi ergänzte: "Auch können Sie die örtlichen Feuerwehren nicht so ohne weiteres zu Staffeln zusammenfassen. Denn die Teams sind aufeinander eingespielt." Möglicherweise stoße die Verabschiedung der Bedarfspläne nun eine Diskussion in den Feuerwehren, aber auch in den politischen Gremien an. "Denn sie legen die Situation offen und keiner kann sich mehr etwas vormachen", sagte Waßmer.
Der Kommandant rechnet jedoch nicht mit einer raschen Lösung, weshalb er an den Gemeinderat appellierte, selbst über ein wirksames Konzept nachzudenken. "Nutzen Sie das Planungsrecht, so dass Häuser mit Mietwohnungen entstehen, in die junge Leute einziehen, oder auch, dass sich Gewerbebetriebe ansiedeln können, die Arbeitsplätze im Dorf bieten", sagte Ralf Waßmer. Auch könnte die Kommune Anreize schaffen, der Feuerwehr beizutreten, etwa durch einen Zuschuss zur privaten Altersvorsorge oder durch verminderte Kindergartengebühren, was Manfred Steinke (FBV) begrüßte.
In der Frageviertelstunde äußerte sich ein Bürger zu dieser Diskussion. Er regte an, die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr an die Berufsfeuerwehr Freiburg zu übertragen. Bürgermeister Enrico Penthin entgegnete: "Nach meiner Einschätzung ist der Weg zu weit." Abgesehen davon wollte er diese Aufgabe den Leuten im Ort nicht aus der Hand zu nehmen. "Es gibt Leute, die sie freiwillig leisten wollen. Wir sind nun einfach herausgefordert, ein Problem zu lösen", sagte er.
Abgesehen vom Defizit bei der Tagesbereitschaft liefert die Bestandsaufnahme interessante Details. Danach bestehen in Wittnau elf Gewerbebetriebe, die Werkstoffe produzieren oder lagern, wobei eine Zimmerei und eine Schreinerei als Betriebe mit einem gewissen Risikopotenzial beschrieben sind. Das gilt auch für landwirtschaftliche Betriebe, für das Gasthaus "Zum Hirschen" und die AOK-Klinik "Stöckenhöfe" mit 159 Betten sowie etliche denkmalgeschützte Gebäude, bei denen der bauliche Brandschutz nicht den heutigen Anforderungen entspricht. Es gibt vier Tiefgaragen sowie das Vereinsheim mit 100 Sitzplätzen im Obergeschoss sowie bald auch die neue Festhalle mit 250 Plätzen.
Weiter führt der Plan auf, dass Wittnau in der Erdbebenzone 1 liegt und damit einer geringen Gefährdung unterliegt und dass die Löschwasserversorgung aus dem Trinkwasserleitungsnetz innerorts ausreichend (aber nicht bei Großbränden), im Außenbereich jedoch unzureichend ist und deshalb ein Tanklöschfahrzeug mitgeführt werden muss.
Derzeit zählt die Freiwillige Feuerwehr Wittnau 43 Mitglieder, wobei 24 aktiv sind. Im Fünf-Jahres-Mittel haben Ralf Waßmer und seine Leute 21 Einsätze pro Jahr bewältigt, wobei es relativ viele Fehl arme gab, in erster Linie aus der Klinik "Stöckenhöfe". Etwa ein Fünftel der Einsätze entfällt im Durchschnitt auf Feueralarm und ein Drittel auf technische Hilfeleistungen, meist bei Unfällen.
Autor: Silvia Faller


