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14. Januar 2012
Von den Bäumen bis zum Cego-Spiel
Seit 2005 stellt Elfi Harter-Bachmann mit anderen Autoren den "Wittnauer Jahresbrief" zusammen.
WTTNAU. Je mehr sich die Historikerin Elfi Harter-Bachmann mit ihrer Wahlheimat Wittnau beschäftigte, auf umso mehr fesselnde Themen aus deren Vergangenheit und Gegenwart traf sie, die sie für berichtenswert hielt. Das führte 2005 zur ersten Ausgabe des "Wittnauer Jahresbriefs", der nun zum siebten Mal erschien. Bürgermeister Penthin stellte ihn beim Neujahrsempfang vor.
Zwischen 14 und 16 Blatt stark ist der "Jahresbrief" im handlichen A4-Format. Die Historikerin und der Bürgermeister hatten die Idee zu diesem Medium, die sie zusammen verwirklichten, ausgehend vom "Fischerbacher Heimatbrief", den Elfi Harter-Bachmann bereits mitbetreute. Der Jahresbrief bietet eine Plattform für viele Geschichten, die Harter-Bachmann so aktuell und ausführlich gar nicht in ihrer Dorfchronik unterbringen konnte. Inzwischen hat sie viele kenntnisreiche Mitstreiter gefunden, die mit ihr zusammen interessante Beiträge liefern.
Allen Ausgaben gemeinsam ist die Veröffentlichung der jeweils aktuellen Einwohnerstatistik mit Geburten, Eheschließungen, Sterbefällen und Bevölkerungszahl. Hauptanliegen war aber von Anfang an die Darstellung von vorwiegend geschichtlichen und kulturellen Themen, denn so etwas, hatten die Macher festgestellt, gab es im weiten Umkreis nicht.
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Elfi Harter-Bachmann, die seit der ersten Nummer für die Redaktion verantwortlich ist, gehen die Geschichten nicht aus – im Gegenteil. Schon jetzt könnte sie einen Jahresbrief 2012 konzipieren. Da gilt es, eine kluge Auswahl zu treffen. Das gelang ihr bereits mit der Ausgabe 2005, die ein Porträt von Rupert Rohrhurst, der es vom "Wittnauer Knäblein" zum Ehrenbürger der Stadt Heidelberg und zum Präsidenten der Badischen Abgeordnetenkammer gebracht hat. Außerdem ging es um das Thema "Böllerschießen"und die Frage ist, ob dieser Brauch als Tradition oder Lärmbelästigung anzusehen ist. Breiten Raum nimmt auch die Kartensammlung ein, die Ehrenbürger Gustl Faller unter dem Motto "Alles uffschriebe, damit’s nit vergesse wird" beigetragen hat. Er gehört zu den Autoren, die den Jahresbrief zu einer spannenden Sammlung gemacht haben neben Edelgard Fehr, Werner Leupolz, Klaus Meyer, Ernst Weißer, Dieter und Ursula Kügele, Gerd Manger und anderen. Ihnen sind viele Abhandlungen über das Wanderwegenetz, die erdgeschichtlichen Erkenntnisse aus der näheren Umgebung Wittnaus und die Hintergründe von Architektur und Kunst in Kirchen und historischen Gebäuden zu verdanken.
In der neuesten Ausgabe kommt ein Autor zu Wort, der Wittnau nachhaltig geprägt und bekannt gemacht hat: Walter Dirks (1901 bis 1991), im Ruhrgebiet geboren und in Wittnau heimisch geworden. Die persönlichen Anmerkungen und Erlebnisse des berühmten Journalisten und Schriftstellers, Ehrenbürger von Dortmund und Wittnau, mit dem Titel "Meine Bäume" sind einer der beiden Beiträge zum "Internationalen Jahr der Wälder 2011", dem der Jahresbrief 2011 gewidmet ist.
Der andere Beitrag stammt von Dieter Kügele, der sich "Gedanken im kleinen Wittnau am Schönberg" zum selben Thema gemacht hat. Er stellt seinen Betrachtungen das Brecht-Zitat "Ist ein Wald etwa nur zehntausend Klafter Holz? Oder ist er eine grüne Menschenfreude?" voran, was bereits die Richtung und das Anliegen des Autors vorgibt. Dabei geht er auf fast jede im heimischen Wald anzutreffende Baumart und ihre Besonderheiten ein, berücksichtigt aber auch die Bedeutung des Waldes als Wirtschaftsfaktor und Rohstofflieferant. Im dritten großen Aufsatz, den Elfi Harter-Bachmann zusammen mit Gerold Blümle erarbeitet hat, geht es um einen Zeitvertreib, der seit Jahrhunderten die langen Winterabende auf dem Land verschönt: das Cego-Spiel. Dabei sind sie auf eine muntere Runde von acht Wittnauern gestoßen, die sich regelmäßig zum Cegospielen trifft. Das war, wie die beiden Autoren herausgefunden haben, schon immer das badische Pendant zum "Jassen" der Schweizer und Vorarlberger und erfreut sich in letzter Zeit zunehmender Beliebtheit. Den Abschluss bildet der Vortrag "Wittnau 786 – eine besondere Weihnachtsgeschichte", den Elfi Harter-Bachmann jüngst im Bildungswerk gehalten hat (die BZ berichtete).
Autor: Anne Freyer


