Wo es raucht, spotzt und knattert

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 07. August 2018

St. Peter

Mehr als 500 Schlepper aus vielen Jahrzehnten beim Oldtimer-Bulldogtreffen in St. Peter / Wettkampf "Menschen gegen Maschine".

ST. PETER. Alle zwei Jahre werden die Kuhweidegründe rings um den Thaddäushof in St. Peter für drei Tage zweckentfremdet. Thaddäusbauer Franz Kürner stellt dann ein ausgedehntes Areal für das nun schon traditionelle Treffen der Bulldogfreunde St. Peter zur Verfügung, bei denen er selbst im Vorstand sitzt. Die über 50-köpfige Interessengruppe von Liebhabern alter landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte aus St. Peter und dem Umland richtet dieses Festival für alle Schlepper-Enthusiasten aus nah und fern seit mehr als zehn Jahren aus.

"In diesem Jahr sind es fast 600 Schlepper", verkündet der St. Petermer Vorsitzende Peter Hummel stolz. Sie kämen aus allen Himmelsrichtungen, manche aus mehr als 600 Kilometern Entfernung. Damit dies überhaupt möglich ist, haben die meisten eine mobile Behausung in verschiedensten Formen gleich mitgebracht, in der sie die drei Tage auf der Festwiese campieren können. Favoriten dabei sind fantasievoll ausgebaute Bauwagen, alte Lkw-Anhänger mittlerer Größe, kreative Eigenbauten oder normale Wohnwagen und Zelte.

Aus alten Rostlauben werden Schätzchen

Wer nun glaubt, dass die meisten der angereisten Schlepper von Landwirten aus der hintersten Scheunenecke hervorgezogen wurden, täuscht sich gewaltig. Die übergroße Mehrheit der Bulldogfans rekrutiert sich aus Freizeitbastlern aus allen gesellschaftlichen Schichten, die in Gruppen oder auch einzeln ihrem Hobby mehr oder weniger ernsthaft frönen, oft unter erheblichem finanziellem Aufwand. So Jörg Ziebold aus Ottoschwanden. Er ist Schreiner von Beruf und hat sich für 39 000 Euro eine der bärenstarken Zugmaschinen der ehemals Mannheimer Traditionsfirma Lanz gekauft, die schon seit Langem in den John Deere-Konzern einverleibt wurde. "Es war eine Rostlaube und ich musste noch weitere 15 000 Euro reinstecken", sagt er. In einer Gewaltanstrengung habe er das Schätzchen restauriert und tatsächlich – es blitzt und blinkt an allen Ecken und Enden. Andere arbeiten gemeinsam, wie ein Kollegenkreis aus Rothaus. "Wir basteln und kaufen zusammen, fahren sonntags mit unseren Gefährten raus – so 70 bis 80 Kilometer und kommen natürlich zu solchen Treffen wie in St. Peter." Sicherlich nicht zuletzt wegen des umfangreichen Rahmenprogramms. Schon am Freitagabend reißt die Kette der Anreisenden nicht mehr ab und bei einem gemütlichen Feierabendhock mit steirischer "Ziacha"-Musik können sich alle von den Reisestrapazen erholen.

Der Samstag bietet viel Zeit zum Austausch und überall in den Gassen zwischen den Schlepperreihen wird eifrig gefachsimpelt. Wer wissen möchte, wie viel Zugkraft noch in seinem Oldie steckt, kann dies an mächtigen Baumstämmen auf einem eigenen Parcours erproben.

Gegen Abend wollen es dann die Eschbacher Bundesliga-Tauzieher wissen: Wer ist stärker – ein Dutzend der starken Männer des Tauziehclubs Eschbachtal, oder das ehrwürdige Fendt-"Dieselross" mit seinen 12 PS von Thaddäus-Bauer Franz Kürner. Der erste Zug der beiden ungleichen Gegner endet unentschieden, denn der Schlepper gräbt sich auf der Stelle durchdrehend tief in den trockenen Boden ein. Den folgenden Zug gewinnen im Kampf Mensch gegen Maschine die Eschbacher.

Vor das Dieselross wird dann zusätzlich ein sieben Tonnen schweres Ungetüm des aktuellen Fendt-Modells als Gewicht gehängt. Trotzdem gelingt es den Zwölfen aus dem Tal, sich gegen die Maschinen zu behaupten. Ein gutes Omen, denn vier der zugkräftigen Haudegen nehmen als Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft an den Weltmeisterschaften in Kapstadt (Südafrika) teil. Für diese Leistung erhalten sie verdienten Beifall und die besten Wünsche für die WM.

Das folgende musikalische Unterhaltungsprogramm mit der Gruppe "Lätz Rum" gipfelt zum Ergötzen der Zuschauer in einer nach Pferdekutschen-Vorbild choreografierten Bulldog-Quadrille.

Am Sonntag steht das Hindernis- und Geschicklichkeitsfahren auf dem Programm. Bei der Bewältigung der vor allem für das zahlreiche Publikum unterhaltsamen Schikanen kommt es weniger auf die Motorenkraft oder Schnelligkeit an, vielmehr auf Geschicklichkeit, Augenmaß und Treffsicherheit der Fahrer. An anderer Stelle können sich die jüngeren Besucher unter Anleitung und Aufsicht als Nachwuchs-Schlepperpiloten versuchen.

Am späteren Nachmittag leeren sich die Wiesen am Thaddäushof zusehends, denn viele treten die oft langwierige Heimreise an – mit dem festen Vorsatz, in zwei Jahren in St. Peter wieder dabei zu sein.

Weitere Fotos der Veranstaltung gibt’s online unter mehr.bz/trapeter