Wo Füchse Mathe lernen

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Sa, 08. September 2018

Feldberg

Sommerschule am Feldberg für die Grundschüler der Region.

HOCHSCHWARZWALD. "Der Unterricht ist richtig lustig", erklärt der neunjährige Lukas aus Schluchsee. Neben ihm auf der Holzbank im Waldklassenzimmer am Feldberger Wichtelpfad sitzt Benedikt, ebenfalls neun Jahre alt, und stimmt zu. Die beiden Jungs haben mit 20 weiteren angehenden Viertklässlern in dieser Woche die Sommerschule besucht. Sie wurde zum fünften Mal von der Hansjakobschule in Kooperation mit der Ökostation Freiburg und dem Haus der Natur angeboten.

An diesem Tag steht am Vormittag Gruppenarbeit im Kräutergarten an. Die neun- bis zehnjährigen Grundschüler aus Schluchsee, Lenzkirch, Altglashütten, Hinterzarten und Neustadt wirken, als seien sie in einem Feriencamp. Die Kinder sind eingeteilt in drei Teams: Füchse, Ameisen und Spechte. Die Gesichter sind fröhlich, der Nachwuchs lacht viel, unterhält sich und fasst sich an den Händen. Freundschaften sind entstanden. Mit Sack und Pack, Schüsseln, einer schweren Tasche voller Lebensmittel und einem großen Kanister Trinkwasser geht es in den Wald: Es gilt, sich selbst ein Mittagessen im Freien zuzubereiten.

Begleitet werden die Grundschüler von Ranger Raphael Böhm, Benedikt Philipp, Praktikant der Ökostation Freiburg, und den Grundschullehrerinnen Nadine Kürner, Hilde Geyer und Joana Engler. Die Drei haben seit Montag jeden Tag rund 50 Minuten Unterricht in Mathematik, Deutsch und Deutsch als Zweitsprache im Seminarraum des Hauses der Natur gegeben. Die Lerneinheiten greifen stets auf, was der Ranger den Kindern in der Natur gezeigt hat. So wird spielerisch Lernen, Wiederholen und soziales Verhalten geübt. Außerdem werden die Kinder zu kleinen Natur- und Waldexperten. Es ist eine gelungene Kombination aus spielerischer Aufarbeitung von Lerninhalten und Naturpädagogik. Die Teilnehmer nehmen sehr viel mit, was die positive Rückmeldung der Grundschulkollegen zeigt, weiß Kürner.

"Es macht viel Spaß", sagt Linda (9) von der Hansjakobschule. Mit dem Ranger haben sie am Wichtelpfad ein Abzeichen gemacht und sind fast Juniorranger, ergänzt Loek (10). Jeder Tag in der Sommerschule birgt neue Abenteuer, selbst bei schlechtem Wetter – denn da gibt es im Haus der Natur viel zu entdecken. Auch den drei Lehrerinnen der Hansjakobschule macht die Sommerschule viel Spaß. Die Unterrichtseinheiten sei aufgelockert und es gebe viel Bewegung. Es sei auch für sie als Lehrerinnen ein guter Einstieg in die anstehenden Schulwochen.

Die beiden Naturpädagogen sorgen für einen bewussten Umgang mit der Natur. So erarbeitet eine Gruppe zusammen mit Benedikt Philipp, was der Wald dem Menschen bietet, was er braucht und wie man ihn schützen kann. Am Ende geht eine Gruppe Müll sammeln. Während dessen bereiten die anderen das Essen vor. Quark wird gerührt, Bärwurz gesucht und Gemüse geschnippelt. Nach und nach dürfen alle Schüler mit dem Schnitzmesser unter Anleitung von Ranger Böhm Stöcke für Wichtelhäuser schnitzen. Dann endlich gibt’s Mittagessen – lecker, alle greifen zu. Anschließend wird der Wald erkundet und die Wichtelhäuser gebaut.

Der Wichtelpfad hat Linda besonders gut gefallen. Das findet auch Benedikt, denn bei der Begehung haben sie die Geschichte des Wichtels Ferdinands und seiner Suche nach dem Auerhahn Stück für Stück vorgelesen. "Richtig schön war die Wanderung", erklärt Lukas. Fast drei Stunden waren sie auf kleinen Wege durch den Bannwald bis hoch zum Bismarckdenkmal unterwegs.