Bundestagswahlkampf 2017

Wolfgang Schäuble plädiert beim BZ-Wahltag in Freiburg für mehr Europa

Frauke Wolter

Von Frauke Wolter

Sa, 09. September 2017 um 10:08 Uhr

Deutschland

Zum Start des BZ-Wahltag sprachen BZ-Chefredakteur Thomas Fricker und Herausgeber Thomas Hauser mit Bundefinanzminister Wolfgang Schäuble, CDU. Der Talk als Videoaufzeichnung – und eine Zusammenfassung von Politikredakteurin Frauke Wolter.

"Ich hab’s mit den einfachen Grundrechenarten." Das scheint das Erfolgsrezept des Mannes zu sein, der seit acht Jahren Deutschlands Finanzminister ist. Wolfgang Schäuble jedenfalls kann komplizierte Zusammenhänge anschaulich erklären – ob das seine Politik der "schwarzen Null" ist, die derzeitige Nullzinslinie der Europäischen Zentralbank oder die Befindlichkeit innerhalb der EU-Staaten.



"Den Euro stabilisieren, die Wirtschaft dynamisieren."
Gerade letzteres Thema liegt ihm dabei besonders am Herzen: "Mich übertrifft keiner beim europäischen Engagement", sagt der CDU-Politiker und legt den Finger auch gleich in die Wunde: Es ginge eben nicht, dass die EU zwar gemeinsam hafte, aber bei den Bereichen Arbeit, Soziales und Wirtschaft keine gemeinsame Politik mache. "So kann Europa nicht funktionieren", betont Schäuble. So lange man aber die Regeln nicht ändern könne, müssten die Länder enger zusammenarbeiten: "Den Euro stabilisieren, die Wirtschaft dynamisieren."

Gemeinsam agieren und dabei nicht nachlassen – das ist auch sein Rezept für den Umgang mit der Flüchtlingskrise. Natürlich sei die Weigerung von Ländern wie Ungarn oder Polen, Flüchtlinge aufzunehmen nicht akzeptabel. "Aber wir dürfen uns nicht entmutigen lassen. Denn wir können die große Herausforderung nur gemeinsam bewältigen." Der CDU-Politiker plädiert hier für eine intensive Kooperation mit den Herkunftsländern und für eine stärkere Rolle der UNO. "Wir müssen tun, was wir können, damit sich Afrika stabilisiert." Derzeit habe man die Zuwanderung unter Kontrolle; gleichwohl seinen weiterhin Millionen auf der Flucht vor Hunger, Armut und den Folgen des Klimawandels.

Aber auch hier könne man nur Weichen stellen, sagt Schäuble, sein Mandat sei auf vier Jahre begrenzt. Es gehe nicht um große Visionen, sondern um kleine Positionen, die man auch mal korrigieren könne. Zum Beispiel die bei der Rente. In der CDU grummelt’s, weil die Kanzlerin beim TV-Duell der "Rente mit 70" eine Absage erteilte. Schäuble sieht das realistisch. "Ein heute geborenes Kind kann älter als 80 werden – da kann man nicht mit 50 in Rente gehen ohne dass das Niveau sinkt." Und fügt an: "Zwei und zwei gleich vier." Grundrechenarten eben.




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