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18. März 2011 20:00 Uhr

Kategorie mittlere Unternehmen

WST Präzisionstechnik in Löffingen gewinnt Jobmotor 2010

Sie ist der Spezialist in Sachen Feinschliff und Herstellung von Drehteilen: die Firma WST Präzisionstechnik in Löffingen. In der Kategorie mittlere Unternehmen holte sie den ersten Preis beim Jobmotor 2010.

  1. Präzision ist alles, heißt bei WST die Devise. Foto: Thomas Kunz

Georg Willmann kann sich noch genau erinnern: Um maximal 20 Millionstel Meter durfte das Drehteil von der Vorgabe abweichen, lautete 1997 die Anforderung des schwäbischen Konstrukteurs an den badischen Feinmechaniker. Ein sehr präziser Wunsch aus der Daimler-Konzernzentrale in Stuttgart: Eine Haaresbreite beträgt gerade einmal 40 Millionstel Meter. Der Schwarzwälder ließ sich auf die Herausforderung aus der Landeshauptstadt ein. Es war der Beginn einer Beziehung, die alle Krisen überdauert hat.

Seitdem die WST – die drei Buchstaben standen ursprünglich für Werkzeugschleiftechnik – den hohen Ansprüchen des Automobilgiganten erstmals gerecht geworden ist, liefert Willmann regelmäßig Teile für dessen Nobelkarossen. "Daimler ist unser größter Kunde", sagen der 54-Jährige und seine zwei Jahre jüngere Frau Sabine. Seit 1993 haben sie den Betrieb aufgebaut. Die Anfänge waren in einer Garage in Eisenbach.

Finanzkrise trifft südbadisches Wirtschaftsidyll

Von außen haben wahrscheinlich schon viele das Unternehmen gesehen. Es liegt fast direkt an der B 31 im Löffinger Industriegebiet – mit Blick auf Schwarzwaldhöhen und die angrenzende Baar. Auf 8000 Quadratmeter Fläche produzieren dort mittlerweile 180 WST-Mitarbeiter Drehteile für die Autoindustrie, für Antriebsbauer oder für Hydraulikhersteller. Das Dach ist vollgepfropft mit Solarzellen.

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Das südbadische Wirtschaftsidyll wurde 2009 jäh gestört – der Schock von damals sitzt den Willmanns noch heute in den Knochen. "Das wirkt nach. Die Krise hat an unserer Substanz gezehrt. Das kann man nicht mit einem gut laufenden Jahr wettmachen", sagt Sabine Willmann. Über Nacht versiegten wegen der globalen Finanzkrise die Aufträge – nicht nur aus Stuttgart. "Ohne Kurzarbeit wäre das sehr schwierig für uns geworden. Wir haben damals keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen", sagt Georg Willmann. Er lobt Betriebsratschef Aytac Er. Das gegenseitige Vertrauen habe in schwieriger Zeit geholfen. "Wir haben damals gut zusammengearbeitet", sagt auch der Betriebsratsvorsitzende. "Die WST-Mannschaft ist sehr flexibel und hoch motiviert."

Dramatische Wende zum Guten

So schnell und brutal der Schrecken der Krise über die Weltmärkte hinwegfegte, verschwand er allerdings auch. Obwohl viele Experten den deutschen Edelautos in der Krise schon lauthals ein Sterben auf Raten prophezeit hatten, zog die Nachfrage nach den Daimlers dieser Welt 2010 überraschend an. Entsprechend rasch füllten sich die Auftragsbücher in Löffingen. Wie dramatisch die Wende zum Guten war, zeigt der Umsatz 2010: Von 14,8 Millionen Euro stieg er auf 28,2 Millionen Euro – was fast einer Verdoppelung entspricht.

WST brauchte neue Leute. So legte die Zahl der festen Mitarbeiter 2010 von 124 auf 171 zu. Denn von Leiharbeit sind Georg und Sabine Willmann nicht besonders angetan: "Wir brauchen Leute, die sich bestens mit den Maschinen auskennen. Solch ein Wissen kann man sich nicht über Nacht oder in wenigen Wochen aneignen." Um beim Wettbewerb um die hoch qualifizierten Fachkräfte in der Region nicht leer auszugehen, hat WST die eigene Ausbildung konsequent ausgebaut: Mittlerweile absolvieren 14 junge Leute eine Berufsausbildung bei dem Unternehmen.

Viele WST-Beschäftigte haben ihre Wurzeln in Osteuropa. Sie sind als Aussiedler oder Aussiedlerkinder in den Schwarzwald gekommen. Für Georg und Sabine Willmann kein Beschäftigungshindernis: "Wichtig ist für uns, dass die Leute Engagement an den Tag legen. Das zählt."

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Autor: Bernd Kramer