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19. Januar 2012 16:06 Uhr
Schiffsunglück
Costa Concordia: Kreuzfahrt wird für Ewattinger zum Alptraum
Die Schwiegertochter ist schwanger und in der Kabine gibt es nur eine Rettungsweste. Für vier Personen. Die Fahrt auf der Costa Concordia entpuppte sich für eine Ewattinger Familie zum Horrorurlaub. Dank der engen Bande überlebte sie – und kämpft sich nun zurück in den Alltag.
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Hilflos versinkt der Unglückskreuzer Concordia in den Fluten. Foto: dpa
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Der Blick zurück: Von der Insel Giglio aus fotografiert die gestrandete Ewattinger Familie die „Concordia“, auf der sie eigentlich ihren zweiwöchigen Traumurlaub verbringen wollten.
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Die Erschöpfung steht ihnen ins Gesicht geschrieben: Nach zehnstündigen Strapazen werden Andrea und Oliver Kipnik gemeinsam mit tausenden weiteren Passagieren in einer italienischen Turnhalle aufgepäppelt.
"Wir hatten großes Glück", seufzt Norbert Kipnik nun nach mehreren Tagen. Es war bereits die vierte Kreuzfahrt, die Norbert und Andrea Kipnik unternahmen. Diesmal wurden sie von Sohn Oliver und dessen schwangerer Frau Martina begleitet. Schon die Rettungsübung unmittelbar nach dem Auslaufen in Savona sei höchst chaotisch gewesen, erinnert sich die Familie. Was auf anderen Kreuzern dreißig Minuten gedauert hat, wurde auf der "Concordia" nach mehr als einer Stunde abgebrochen. Bei der Übung hatte Norbert Kipnik außerdem festgestellt, dass sich in seiner Kabine nur eine Schwimmweste für vier Personen befand. Dass ihm dieses Ärgernis später vielleicht sogar das Leben retten sollte, konnte er da noch nicht ahnen.
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Norbert Kipnik
Irgendwann sitzen die Kipniks mit 150 weiteren Passagieren in einem Boot. Über ihre Köpfe beugt sich bedrohlich die Steuerbordseite des immer tiefer sinkenden Megakreuzers. Die Kabine, die der Familienvater kurz zuvor noch um ein Haar aufgesucht hätte, befindet sich da bereits tief unter Wasser. Auf der Insel Giglio geht das Chaos dann erst richtig los.Die Gestrandeten sind völlig auf sich allein gestellt. "Wir fühlten uns vollkommen im Stich gelassen", sagt Norbert Kipnik. Frierend muss die Familie mehrere Stunden im Freien ausharren.
Sie sehen, wie ein erster Toter geborgen wird. Um die schwangere Schwiegertochter Martina bilden sie immer wieder einen Kreis und spenden ihr Wärme. Auf dem einzigen Handy senden sie der daheimgebliebenen Tochter Sandra die Nachricht: "Schiff defekt. Sind an Land". Anscheinend versteht keines der Crewmitglieder Deutsch. Als endlich mehrere Fähren auftauchen, gehen die Kipniks an Bord, ohne zu wissen, wohin sie gebracht werden. Um 8 Uhr morgens – zehn Stunden nach der Havarie also – erhalten sie in einer Turnhalle zum ersten Mal Decken und heiße Getränke. Einen Tag später sind sie zuhause.
Seither klingelt das Telefon nahezu unterbrochen. Freunde und Verwandte hatten sich nach der Schreckensmeldung in den Nachrichten große Sorgen gemacht. Jetzt herrscht allenthalben Erleichterung. Wegen des entstandenen Schadens hat auch die Ewattinger Familie inzwischen einen Anwalt eingeschaltet. Doch das sei Nebensache, bemerkt Norbert Kipnik. Rückblickend staunt er, wie gefasst sie diese Extremsituation gemeinsam durchgestanden haben. Ehefrau Andrea glaubt die Antwort auf diese Frage indes zu kennen: "Das ist die Kraft der Familienbande".
- Costa Concordia: Raue See erschwert Arbeit der Taucher
Autor: Florian Kech


