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18. Januar 2012

Der Boden ist ein lebendiges System

Fachtagung in Lembach / Die verschiedenen Düngemittel und Düngeverfahren wirken sich unterschiedlich auf die Bodenfruchtbarkeit aus.

  1. Rund 40 interessierte Landwirte informierten sich in einer ganztägigen Fortbildung über Düngeverfahren und Bodenfruchtbarkeit. Foto: Uli Spielberger

WUTACH-LEMBACH. Die Bedeutung der Bodenfruchtbarkeit im Bio-Landbau war Thema einer ganztägigen Fortbildung für Biolandwirte und Interessierte in Lembach, zu der das Landwirtschaftsamt Waldshut und die Öko-Anbauverbände Demeter und Bioland eingeladen hatten. Die Veranstaltung war mit rund 40 Teilnehmern so gut besucht wie selten einmal.

Mit einem Zitat von Rudolf Steiner "Düngen muss darin bestehen, dem Boden einen gewissen Grad von Lebendigkeit zu erteilen", eröffnete Referentin Dr. Isabell Hildermann die Veranstaltung und sie ging in ihren Ausführungen auf die Auswirkungen des Festmistes auf den Boden im Bio-Landbau ein. Isabell Hildermann machte deutlich, dass es die wichtigste Aufgabe des (Bio-)Landwirtes ist, den Boden als lebendiges System zu begreifen und zu erhalten. Die Bewahrung der Bodenfruchtbarkeit sollte eine Herzensangelegenheit sein. Hierbei kommt dem Humus eine besondere Bedeutung zu. Der Humusgehalt ist im Grünland am höchsten, im Ackerland wird er durch vielfältige Fruchtfolge und die Verwendung von Hofdünger und Mistkompost positiv beeinflusst. In einem Langzeitversuch des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau konnte gezeigt werden, dass sich die Verwendung von organischem Dünger (insbesondere aufbereiteter Mistkompost) langfristig positiv auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt. Der Humusgehalt blieb stabil, während er beim Düngeverfahren mit Mineraldünger deutlich abnahm. Auch wichtige Bodenlebewesen wie Laufkäfer, Regenwürmer, Bakterien und Pilze, konnten bei organischem Dünger gehalten und gefördert werden. Der Humusaufbau ist nach den Worten der Referentin auch deshalb wichtig, weil Humus ein sehr guter Wasserspeicher ist. Pflanzen können extreme Trockenheiten oder auch zu viel Niederschläge – wie sie sich durch den Klimawandel häufen – besser verkraften.

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Zum Thema Schadkeime besteht Forschungsbedarf

Mit den Auswirkungen von Gülle und Biogassubstrat auf den Boden beschäftigte sich Professor Dr. Barbara Elers, von der Fachhochschule Nürtingen, Ökologischer Landbau, in ihrem Referat. Nach ihren Ausführungen führen weder Gülle noch Biogassubstrat zu einer Bildung von Dauerhumus. Vielmehr könne insbesondere beim Biogassubstrat ein Humusabbau festgestellt werden. Hierdurch steige bei anfälligen Böden die Neigung zur Verschlämmung (der Boden wird dicht wie Ton). Die Pufferkapazität des Bodens wird verringert, Stickstoff wird vermehrt zu Ammonium umgewandelt, ein Stoff, der von Pflanzen nicht geliebt wird und sich zudem negativ auf Regenwürmer auswirkt. Das Ammonium wird laut Barbara Elers von Bodenbakterien zu Nitrat umgewandelt und kann dann das Grundwasser belasten. Ob bei "normaler" Fermentertemperatur von 35 bis 40 Grad Schadkeime abgetötet werden, ist laut der Referentin nicht ausreichend untersucht. "Hier besteht dringender Forschungsbedarf", sagte sie, insbesondere mit Blick auf die Zunahme von Botulismuserkrankungen bei Milchkühen.

Abschließend gab Barbara Elbers Tipps zur Verbesserung der Güllewirkung: Schwimmdecke aus Stroh anbringen, Güllesilos von unten belüften, bei der Ausbringung sollte die Gülle stark mit Wasser verdünnt werden. Als wichtig erachtete die Referentin zudem eine Änderung der Fruchtfolge. Der Anbau von Kleegras über mindestens drei bis fünf Jahre sei die einzige Möglichkeit, bei Biogassubstrat- und Gülleausbringung den Humusgehalt der Ackerböden zu erhalten. Und ein guter und fruchtbarer Ackerboden sei eben die wichtigste Voraussetzung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, schloss die Professorin ihre Ausführungen. Im Anschluss an die Referate entwickelte sich eine interessante Diskussion unter den rund 40 interessierten Seminarteilnehmern.

Autor: Uli Spielberger