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12. Januar 2012
Was tut eigentlich der VdK?
Einstige Vereinigung von Kriegsgeschädigten hat als Sozialverband neue Aufgaben übernommen.
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Der VdK hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten vom Verband der Kriegsgeschädigten zum größten Sozialverband Deutschlands entwickelt. Edmund Kromer ist seit 2005 stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe Bonndorf und schildert im Gespräch mit der Badischen Zeitung die Aufgaben des Verbands. Foto: Martha Weishaar
BONNDORF. Als "Verband der Kriegsgeschädigten" gründete Clemens Schattling 1948 in Bonndorf den VdK und mit Kuno Banholzer, Theo Hany sowie Gebhard Kromer leben noch einige der Gründungsmitglieder. Im Verlauf der Jahrzehnte vollzog sich jedoch ein Wandel im VdK, zumal 66 Jahre nach Kriegsende die meisten Kriegsversehrten oder Kriegerwitwen gar nicht mehr unter den Lebenden weilen.
Knapp 100 Mitglieder zählt die Ortsgruppe des VdK in Bonndorf und Wutach sowie den jeweiligen Ortsteilen. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels dürfte die Zahl mittel- bis langfristig sogar zunehmen. Im Gespräch mit der Badischen Zeitung erläutert der stellvertretende Vorsitzende des VdK, Edmund Kromer, den Wandel des Sozialverbandes, ebenso seine Leistungen.Die einstige Vereinigung von Kriegsgeschädigten entwickelte sich seit Anfang der 90er Jahre konsequent zur Interessenvertretung von Behinderten, chronisch Kranken oder Rentnern sowie Opfern von Kriegs- und Wehrdienst. Meist suchen Betroffene den Kontakt zum VdK, wenn Leistungen von Kranken- oder Rentenversicherungen ins Stocken geraten und sie eine ablehnende Haltung von Behörden oder Kostenträgern zu spüren bekommen.
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So erging es auch Edmund Kromer selbst, der seit einem Arbeitsunfall im Jahr 1982 querschnittsgelähmt ist und vor elf Jahren mit seinem Ersuchen auf eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme am zuständigen Kostenträger scheiterte. Beim VdK bekam der 61-Jährige rechtlichen Beistand. Anfallende Kosten für ein Gutachten wurden übernommen und bei dem Vergleich, der am Ende ausgehandelt wurde, entstanden ihm selbst keinerlei Kosten.
Wo Menschen keine eigene Rechtsschutzversicherung haben oder konkrete Fälle von der Versicherung ausgeschlossen werden, helfen Experten des mit knapp 1,5 Millionen Mitgliedern größten deutschen Sozialverbandes bei umfassenden Fragen des Sozialversicherungs-, Versorgungs- oder Schwerbehindertenrechts. Häufig verhält es sich ja so, dass der finanzielle Spielraum von Betroffenen aufgrund langjähriger Krankheit oder Behinderung sowieso deutlich eingeschränkt ist. Während ein Einzelner vor dem Hintergrund ausufernder Verfahrenskosten geneigt ist, ablehnende Bescheide zu akzeptieren, kämpft der Sozialverband zuweilen auch in zweiter oder dritter Instanz für die Rechte. Wem also Leistungen nicht bewilligt werden, wer mit seiner Einstufung des Grades einer Behinderung nicht einverstanden ist oder um Anerkennung eines Arbeitsunfalls sowie einer Berufskrankheit kämpfen muss, erfährt mit dem VdK Unterstützung gegenüber Behörden oder vor Sozial- und Verwaltungsgerichten. Dabei erfährt der Sozialverband immer wieder prominente Unterstützung aus der Politik.
Einen ganz wichtigen Schritt sieht Edmund Kromer in der Inklusion. Nur wenn Behinderte und Nicht-Behinderte bereits vom Kindergartenalter an in möglichst vielen Lebenssituationen zusammen geführt werden, bauen sie Hemmungen im Umgang miteinander ab. Insbesondere für Eltern von behinderten Kindern kann dies eine große Hilfe sein, da gerade solche Familien sich zuweilen verschämt verstecken. Auch Menschen, die im Verlauf ihres Erwerbsleben gesundheitlich beeinträchtigt sind, neigen zum Rückzug. Wozu überhaupt kein Anlass besteht, denn Edmund Kromer findet es wichtig, gerade dieser Zielgruppe zu signalisieren: Ihr seid gleich viel wert wie alle anderen, auch wenn Ihr nicht mehr so viel zum Bruttosozialprodukt beitragen könnt.
Mit regelmäßigen Stammtischtreffen an jedem dritten Mittwoch eines Monats will der VdK Ortsverband betroffene Menschen aus ihrer Isolation holen und ihnen sowohl aktuelle Informationen als auch Gelegenheit zu konkreten Fragen geben. Geselligkeit ist überdies bei den jährlichen Ausflügen groß geschrieben. Was Edmund Kromer besonders freut, ist die Tatsache, dass er immer und überall praktische Hilfe im Alltag findet. Berufsbedingt ist er viel unterwegs und unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe wird er in entsprechenden Situationen überall gefragt: "Kann ich Ihnen helfen?" Dies bestärkt ihn darin, dass auch die junge Generation ein gesundes Selbstverständnis im Umgang mit Behinderten hat.
Autor: Martha Weishaar
