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15. Juni 2012 00:01 Uhr

"Schwarzbuch WWF"

WWF geht auf Konfrontation mit dem Buchhandel

Für die Umweltorganisation WWF geht es um ihr wertvollstes Gut: ihre Glaubwürdigkeit. Dies ist auch der Grund dafür, weshalb der WWF mit allen Mitteln gegen die Veröffentlichung des "Schwarzbuch WWF" vorgeht.

  1. Das WWF-Logo soll für Nachhaltigkeit stehen. Foto: dpa

Auch die weitere Ausstrahlung der Fernsehdokumentation "Der Pakt mit dem Panda" von 2011 will der WWF (World Wide Fund for Nature) verhindern.

Darin geißelt der Enthüllungsjournalist Wilfried Huismann die Geschäftspraktiken der Umweltschutzorganisation. Nach einem Schreiben des WWF und der Androhung juristischer Konsequenzen haben Buchgroßhändler wie Amazon oder Libri das "Schwarzbuch WWF" inzwischen aus dem Programm genommen, aus den Schaufenstern vieler Buchhandlungen ist es verschwunden. In Köln verhandelt das Landgericht am Freitag den Fall. Per einstweiliger Verfügung will der WWF erreichen, dass eine zweite Auflage des Buches nicht mehr veröffentlicht wird.

Drei Grimme-Preise und zahlreiche andere Auszeichnungen: Wilfried Huismann ist alles andere als ein journalistisches Leichtgewicht. Seine Recherchen zum WWF sorgten bundesweit für Aufsehen. Der 61-Jährige kritisiert vor allem personelle und finanzielle Verstrickungen des WWF mit Großkonzernen und Industrieunternehmen. Huismann wirft der Umweltorganisation vor, sich indirekt an Umweltzerstörungen zu beteiligen und daran Geld zu verdienen. Der WWF bilde mit Industriekonzernen runde Tische und zertifiziere deren Produkte öffentlichkeitswirksam für nachhaltige Produktion, ohne dass sich die Unternehmen um die Einhaltung von Umweltstandards kümmerten. Huismann nennt hierfür mehrere Beispiele wie die Lachsfarmen des norwegischen Nahrungsmittelgiganten Marine Harvest in Chile oder die Palmölplantagen des Wilmar Konzerns auf Borneo. Zudem nehme der WWF im Gegensatz zu anderen Umweltorganisationen Industriespenden an.

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Die erste Auflage ist nahezu ausverkauft

Beim WWF-Deutschland will man sich diese Vorwürfe nicht gefallen lassen und geht daher mit allen Mitteln gegen die Veröffentlichung vor. "Wir wollen gegenüber unseren Unterstützern und Förderern ein deutliches Signal setzen, dass diese Vorwürfe nicht stimmen und wir uns zur Wehr setzen", erklärt WWF-Pressesprecher Jörn Ehlers. Hierfür scheut der WWF nicht vor einem öffentlichkeitswirksamen Prozess zurück. Am heutigen Freitag wird das Landgericht Köln entscheiden, ob eine zweite Auflage des "Schwarzbuch WWF" gedruckt werden darf, oder ob Teile des Buches verändert werden müssen.

Bereits im Vorfeld übte der WWF Druck auf Teile des Buchvertriebs und des Versandhandels aus. Hierfür wurde die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann beauftragt. In einem der Badischen Zeitung vorliegenden Schreiben wurde die Internet-Verkaufsplattform Amazon darüber in Kenntnis gesetzt, dass dem WWF "umfängliche Unterlassungsansprüche gegen sämtliche Störer" zuständen. Die Versuche des WWF, den Vertrieb des Buches zu verhindern, waren allerdings nur in Teilen erfolgreich. Zwar ist das Schwarzbuch seither weder bei Amazon, Thalia oder Libri in der gedruckten Ausgabe erhältlich. Dennoch ist die erste Ausgabe nahezu komplett vergriffen. Vor allem kleinere Buchhandlungen vermarkteten das Buch offensiv und bestellten direkt beim Verlag.

Die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union (DJU), Cornelia Haß, bezeichnete in einer Pressemitteilung die Vorgehensweise des WWF als einen "nicht akzeptablen Versuch rechtlich zweifelhafter Einschüchterungsversuche". Der WWF drohe, seine Glaubwürdigkeit als Umweltschutzorganisation zu verlieren, die Vertriebsfirmen versuchten "mit ihrer wirtschaftlichen Macht ein kritisches Buch vom Markt zu drängen", obwohl sie hierzu rechtlich nicht verpflichtet seien.

Bei Amazon sieht man das anders: "Liegen Amazon konkrete Anhaltspunkte für eine Rechtsverletzung durch einen von Amazon vertriebenen Titel vor, zum Beispiel in Form eines Abmahnschreibens, so nehmen wir den Titel bis zur abschließenden Klärung der Rechtslage aus dem Verkauf. Diesem Prozess folgen wir auch beim vorliegenden Titel", erläuterte Amazon der Badischen Zeitung schriftlich. Die Buchgroßhandlung Libri wollte sich nicht äußern.

Beim Gütersloher Verlagshaus, bei dem das "Schwarzbuch WWF" erscheint, zeigt man sich verärgert: "Wir haben es bisher noch nie erlebt, dass in dieser Massivität gegen die Veröffentlichung eines Buches vorgegangen wurde", sagt Sprecherin Renate Hofmann. Man habe zwar mit Kritik des WWF gerechnet, aber nicht damit, dass die Vertriebspartner des Verlags angegangen würden.

Der WWF kann die Kritik nicht nachvollziehen. "Wir haben die Kanzlei Schertz und Bergmann lediglich damit beauftragt, die Buchhändler darüber zu informieren, dass gegen Inhalte des Buches bereits einstweilige Verfügungen vorliegen", erläutert Jörn Ehlers. Die Äußerungen des DJU seien nicht nachvollziehbar. "Wir arbeiten hier beim WWF daran, Natur und Umwelt zu erhalten. Herr Huismann behauptet das Gegenteil. Dagegen müssen wir vorgehen."

Diese Linie vertrat der WWF auch bei der Fernsehdokumentation "Der Pakt mit dem Panda": Nach Ausstrahlung 2011 in der ARD sowie in verschiedenen Landesprogrammen erwirkte der WWF im April 2012 vor dem Landgericht Köln drei einstweilige Verfügungen gegen die verantwortlichen Rundfunkanstalten. Zwei gegen den WDR und eine gegen den SWR. Es geht um elf Punkte, deren Veröffentlichung in bezug auf den WWF von den Richtern untersagt wurde. Unter anderem die im Film aufgestellten Behauptungen, dass der WWF-Indonesien mit dem Wilmar Konzern kooperiere und sich international auf die Seite des US-Gentechnik-Konzerns Monsanto geschlagen habe. Nach Ansicht der Richter hat der WWF diese Vorwürfe mittels eidesstattlicher Versicherungen sowie weiterer Unterlagen glaubhaft entkräftet. Der WDR hat dagegen Einspruch eingelegt. Wilfried Huismann erklärte der Badischen Zeitung, dass man weitere Beweise vorlegen werde. Am 4. Juli wird in Köln darüber verhandelt. Die Verhandlung am Freitag sieht Huismann gelassen: "Ich rechne damit, dass das Gericht keine einstweilige Verfügung gegen das Buch aussprechen wird." Ein Verbot sei kaum vorstellbar. Sollte das Gericht dem WWF in einem zentralen Punkt Recht geben, will er in Revision gehen.

Autor: Sebastian Kaiser


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